Zürich

Eglisauer fordert per Petition Corona-Soforthilfe – statt ZKB-Seilbahn für 75 Millionen Franken

Eine Seilbahn über den Zürichsee wollte die ZKB für ihr 150-Jahr-Jubiläum bauen. Der Eglisauer Walter Büchi findet, das Geld könnte besser investiert werden.

Eine Seilbahn über den Zürichsee wollte die ZKB für ihr 150-Jahr-Jubiläum bauen. Der Eglisauer Walter Büchi findet, das Geld könnte besser investiert werden.

Zum 150-Jahr-Jubiläum der Zürcher Kantonalbank plante das Geldinstitut eine Gondelbahn über den Zürichsee. Das Geld sollte lieber für die Corona-Soforthilfe ausgegeben werden, fordert nun ein Eglisauer per Petition.

75 Millionen Franken – so viel Geld wollte die Zürcher Kantonalbank für ein Projekt der besonderen Art locker machen. Die Bank plante für dieses Jahr – anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums – eine Seilbahn über den Zürichsee.

Doch die Gondeln hatten mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen. Nachdem sich verschiedene Gerichte mit dem Projekt beschäftigt haben, ist es derzeit ausgeschlossen, dass die Seilbahn 2020 realisiert wird. Zuletzt hat das Baurekursgericht im Dezember dem Projekt einen Riegel vorgeschoben, die Bank will das Urteil aber weiterziehen. Damit nicht einverstanden ist Walter Büchi aus Eglisau. Der ehemalige Raumplaner hat in den vergangenen vier Wochen Unterschriften gegen die ZKB-Seilbahn gesammelt. Er will das Geld besser investiert sehen.

Geld für Bedürftige statt für Aussicht über den See

Büchi ist kein Fan des Seilbahnprojekts, daraus macht er keinen Hehl. Aber er war auch kein ausgesprochener Gegner der Idee. Trotzdem ist er nun aktiv geworden. «Die Bank ist dabei, sehr viel Geld in den Sand zu setzen», ist Büchi überzeugt. Das Projekt sei längst am vehementen Widerstand der Betroffenen gescheitert. «Aber die Verantwortlichen wollen die Seilbahn nun mit allen Mitteln durchstieren. Selbst wenn das Projekt irgendwann realisiert werden könnte, würde die Seilbahn erst viele Jahre nach dem Jubiläum eröffnet werden.» Und das auch nur für fünf Jahre befristet.

«Zudem ist es auch nicht so, dass dieses ‹Geschenk› an die Zürcher Bevölkerung eine besonders neuartige Idee wäre», kritisiert der 76-Jährige weiter. Er bezieht sich dabei darauf, dass es bereits an der Landesausstellung 1939 sowie zwanzig Jahre später an der Gartenbauausstellung 1959 eine Seilbahn über den See gab.

Doch die Petition ins Leben gerufen hat Büchi wegen der Coronakrise. «Mich beschäftigt das Schicksal der Menschen, die nun in dieser Notlage durch die Maschen des Systems fallen», erklärt er. Natürlich gebe es verschiedene Hilfsprogramme, um KMU und auch den Selbstständigen unter die Arme zu greifen. «Aber es gibt immer auch solche, die darauf aus irgendwelchen Gründen keinen Anspruch geltend machen können.»

Er fordert deshalb, dass die ZKB die 75 Millionen Franken nicht in eine Seilbahn investiert, sondern à fonds perdu als Nothilfe für Betroffene der Corona-Krise zur Verfügung stellt. Denn in der heutigen Situation sei eine solche Unterstützung sehr viel eher im Interesse der Zürcher Bevölkerung als ein «Spassbähnli».

Über 1200 Unterschriften gesammelt

Deshalb hat Büchi im März seine Petition lanciert. Rund 1200 Unterschriften kamen online zusammen. Mehr als die Hälfte der Personen, die unterzeichnet haben, kam dabei aus der Stadt Zürich. Und 28 Prozent der Unterschriften stammen aus Gemeinden oder aus Stadtkreisen, die an den See angrenzen. Überrascht war Büchi auch davon, dass fast zwei Drittel derjenigen, die unterschrieben haben, Frauen waren. Warum das so sei, könne er sich aber auch nicht erklären.

Am Mittwoch hat Büchi die Petition der ZKB übergeben. Eine Antwort habe er aber bisher noch keine erhalten, er könne daher auch nicht einschätzen, ob die Geschäftsleitung oder der Verwaltungsrat für seine Idee ein offenes Ohr habe.

Gegenüber dieser Zeitung schreibt die Bank, man habe vom Inhalt der Petition Kenntnis genommen. «Als Zürcher Staatsbank nehmen wir unsere volkswirtschaftliche Verantwortung in diesem anspruchsvollen Umfeld wahr», betont die Bank. Unternehmenskunden unterstütze man deshalb mit zahlreichen Massnahmen. Auch unterstütze man die Bundes- und Kantonslösungen, wo möglich auch mit zusätzlichem Risiko. «Wir haben beispielsweise Zusatzlimiten im Umfang von mehreren 100 Millionen Franken gesprochen und Amortisationen sistiert.»

In Bezug auf Büchis Idee schreibt die Bank weiter, dass die Seilbahn in keinerlei Zusammenhang mit der Wahrnehmung der volkswirtschaftlichen Verantwortung im «aktuellen Umfeld» stehe. Die Bahn sei als selbsttragendes Projekt geplant und tangiere das operative Geschäft der Bank nicht. Die geplanten Kosten für die Anlage und die Betriebskosten würden durch die Ticketverkäufe ausgeglichen. Ausserdem unterstütze man die Schweizer Wirtschaft und helfe, Arbeitsplätze zu sichern, indem ausschliesslich Schweizer Unternehmen für die Realisierung der Seilbahn beauftragt würden.

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