Zürich

Dublin will die Asche von James Joyce aus Zürich zurückholen

Das Grab von Jamey Joyce auf dem Friedhof Fluntern in Zürich.

Das Grab von Jamey Joyce auf dem Friedhof Fluntern in Zürich.

Dublin, der Geburtsort von James Joyce (1882-1941), will die Asche des berühmten Schriftstellers, die heute auf dem Friedhof Fluntern in Zürich aufbewahrt wird, zurückführen. Am hundertjährigen Jubiläum von «Ulysses» soll die Rückführung stattfinden.

Die Stadtverwaltung an der Limmat hat noch keinen offiziellen Antrag erhalten. «Wir haben von der Anfrage durch einen Anruf einer irischen Journalistin erfahren», sagte Astrid Herrmann, Sprecherin im Zürcher Präsidialdepartement auf Anfrage. «Geht ein offizielles Gesuch aus Dublin ein, wird die Stadt Zürich es sorgfältig prüfen.» Eine Entscheidung treffen müsste wohl der Zürcher Stadtrat, da sich die sterblichen Überreste von James Joyce in einem von der Stadt Zürich gestifteten «Ehrengrab» befinden.

Der Autor des Romans «Ulysses» starb 1941 im Alter von 58 Jahren in Zürich, nachdem er sich einer Operation an einem Geschwür unterzogen hatte. Nach seinem Tod widersetzte sich die Republik Irland dem Wunsch des Autors, in seinem Heimatland begraben zu werden. Laut einem Artikel vom 15. Oktober in «The Guardian» will Dublin der Bitte des irischen Schriftstellers und seiner Frau Nora Barnacle nun aber nachkommen. Die beiden liegen im selben Grab und hatten mehrfach den Wunsch geäussert, für die Ewigkeit zu Hause ruhen zu können.

Wie die britische Zeitung berichtet, haben zwei Stadträte von Dublin, Dermot Lacey und Paddy McCartan, einen Antrag gestellt, in dem sie darum bitten, «den letzten Wunsch» von Joyce und Barnacle mit der Überführung ihrer sterblichen Überreste auf dem historischen Friedhof von Dublin zu erfüllen.

«Finden Sie heraus, ob er als Katholik gestorben ist»

Wenn der Plan erfolgreich ist, könnte die Übertragung mit dem hundertjährigen Jubiläum der Veröffentlichung von «Ulysses» im Jahr 2022 zusammenfallen. Der Roman, der als eines der Meisterwerke der literarischen Moderne anerkannt ist, wurde in Irland lange Zeit verboten, weil er gegen die Prinzipien der katholischen Moral verstiess.

Als Joyce starb, so der «Guardian», schickte der irische Aussenminister eine Anfrage an das diplomatische Büro in der Schweiz: «Bitte teilen Sie uns Details über den Tod von Joyce mit. Wenn möglich, finden Sie heraus, ob er als Katholik gestorben ist.» Barnacle bat später darum, die Überreste ihres Mannes zurückzubringen, aber der Aussenminister weigerte sich.
Laut Stadtrat Paddy McCartan ist es angemessen, die Idee der Rückführung der Asche im Hinblick auf den Jahrestag der Veröffentlichung von «Ulysses» zu überprüfen. Er appellierte an die irischen Ministerien für Kultur und Aussenpolitik, die Regierung dazu zu verpflichten. Es gab bereits frühere Versuche, die irischen Behörden davon zu überzeugen, die Überreste bedeutender Künstler zurückzuholen. Wie 1948, als Frankreich die Überreste von William Butler Yeats, einem irischen Dichter und Dramatiker, an die irische Stadt Sligo zurückgab – obwohl Zweifel aufkamen, ob die Knochen von ihm stammten. (sda)

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