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Drohende Pensionierungswelle: Skyguide muss dringend neue Lotsen ausbilden

Bei Skyguide droht aufgrund von bevorstehenden Pensionierungen ein Fluglotsen-Engpass. (Themenbild)

Bei Skyguide droht aufgrund von bevorstehenden Pensionierungen ein Fluglotsen-Engpass. (Themenbild)

Skyguide hat seit 2011 keine neuen Lotsen mehr für die Überflugkontrolle ausgebildet. Damit ab 2020 kein Engpass wegen Pensionierungen droht, muss das Unternehmen bei der Ausbildung einen Zahn zulegen.

Während fünf Jahren hat Skyguide ihren Ausbildungsbetrieb stark gedrosselt. Erst im letzten April hat sie erstmals wieder mit der Schulung von über 40 Lotsen begonnen. Zwar hat sie für die Arbeit im Tower und für die Koordination von Starts und Landungen auf Schweizer Flughäfen auch in den Jahren davor durchschnittlich 25 Lotsen pro Jahr ausgebildet. Doch für die sogenannte Überflugkontrolle – also die Überwachung sämtlicher Flugzeuge im Schweizer Luftraum, unabhängig davon, ob sie von einem Schweizer Flughafen starten oder auf einem solchen landen wollen, hat sie seit 2011 kein neues Personal ausgebildet. Dies, obwohl 40 Prozent der rund 600 Fluglotsen in diesem Bereich arbeiten.

Vor 2011 hat das Unternehmen durchschnittlich pro Jahr etwa 40 Lotsen ausgebildet. Grund für die fünfjährige Suspension der Ausbildung war die Finanzkrise 2008. Diese hatte damals dafür gesorgt, dass der Flugverkehr um rund zehn Prozent eingebrochen ist. Skyguide, die pro Flugbewegung bezahlt wird, hat diesen Rückgang auch in den Jahren danach gespürt.

Erst 2017 wurden in Bezug auf die Flugbewegungen wieder Zahlen registriert, wie sie zuletzt ein Jahr vor der Finanzkrise 2007 gemessen worden waren. Dies unabhängig davon, dass die Passagierzahlen sich aufgrund grösserer und teils besser ausgelasteter Flugzeuge schneller erholt haben als die Anzahl Flugbewegungen.

Pensionierungswelle steht bevor

Skyguide stehen ab 2020 viele Pensionierungen bevor. Fluglotsen dürfen von Gesetzes wegen nur bis zum 56. Lebensjahr arbeiten, ab 51 können sie sich frühpensionieren lassen. Das Unternehmen hat deshalb im letzten April die Ausbildung neuer Lotsen wieder angekurbelt. Denn die Schulung von neuem Personal ist kostspielig und zeitraubend. Das Unternehmen investiert jeden zehnten Franken, den es verdient, in die Ausbildung von Mitarbeitern. Bei einem Umsatz von rund 450 Millionen Franken sind das 45 Millionen Franken pro Jahr.

Eine Ausbildung zum Fluglotsen dauert rund drei Jahre. Und das Kandidatenfeld für die Rekrutierung ist klein. Zwar kann sich jeder bewerben, der mindestens eine Berufslehre abgeschlossen hat. Doch nur vier von hundert Kandidaten bestehen überhaupt den Eignungstest, um eine Ausbildung beginnen zu können. Und selbst für diejenigen, die den Test bestehen, ist längst nicht garantiert, dass sie dereinst tatsächlich als Lotsen arbeiten werden. Während der Ausbildung, für welche das Unternehmen 800'000 Franken pro Lotsen investiert, beträgt die Ausfallquote 50 Prozent. Am Ende werden zwei von hundert Kandidaten tatsächlich Lotsen.

Beat Spielmann, Leiter Ausbildung von Skyguide, ist dennoch zuversichtlich, dass es keine Engpässe bei den Lotsen geben wird. Rund fünfzig Lotsen pro Jahr sollen ab jetzt ausgebildet werden. Nur im französischsprachigen Teil der Schweiz mangle es noch ein wenig an Interessierten. «Deshalb werden wir dort in den nächsten Wochen und Monaten vermehrt auf uns aufmerksam machen», so Spielmann.

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