Schule
Die Zürcher Gymi-Lehrer begehren auf

Die Gymnasiallehrer fühlen sich mehr und mehr «im Würgegriff der Bildungsbürokratie». Über 300 von ihnen unterzeichneten einen Brief an die Erziehungsdirektorenkonferenz, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Thomas Marth
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Zürcher Gymi-Lehrer machten ihrem Ärger Luft (Symbolbild)

Zürcher Gymi-Lehrer machten ihrem Ärger Luft (Symbolbild)

Keystone

Das Schweizer Bildungswesen im steten Umbruch: an den Universitäten seit zehn Jahren mit der Bologna-Reform; an der Volksschule unter verschiedenen Vorzeichen wie etwa HarmoS. Dazwischen die Mittelschulen – ein Hort der Ruhe, unbehelligt von einer Entwicklung, die zunehmend mehr Unzufriedene «Reformitis» nennen.

Doch der Schein trügt. In Zürich stellte sich gestern ein von Gymnasiallehrern gegründetes Forum Allgemeinbildung Schweiz (FACH) vor, das Demokratiedefizite sowie ein Zuviel an Bürokratie und Bürokraten in der der Mittelschulpolitik beklagt.

René Machu, Englischlehrer an der Kantonsschule Glattal, verwies auf das Lehrgespräch als ein humanistisches Bildungsideal. An dieser Form der Wissensvermittlung wolle man festhalten, sagte er. Ziel müsse auch sein, den Schüler zu begeistern. Dies erfordere eine individuelle Herangehensweise und auch Musse. Und mit Check-Listen, wie sie der kompetenzorientierte Unterricht verlange, gehe das nicht.

«Die Guten werden gehen»

Kompetenzorientierung bedeutet Messbarkeit von Prüfungsresultaten und damit deren Vergleichbarkeit über die Klasse, das Schulhaus oder sogar Länder hinaus. Umgesetzt ist das Prinzip etwa im Europäischen Sprachenportfolio (ESP). Es definiert Niveaus und was es an Können braucht, um es zu erreichen. Dies setzt standardisierte Prüfungen voraus, was wiederum eine gewisse Standardisierung des Unterrichtes voraussetzt, was wiederum die Lehrkraft in der Wahl der Lehrmethode und -inhalte einschränkt. «Die souveräne Lehrperson wird entmachtet», sagte dazu Ralph Fehlmann, Deutschlehrer am Gymnasium Rämibühl. Das mache den Beruf uninteressant, «die Guten werden gehen».

Bei den Fremdsprachen sind die Gymnasien dabei, auf Kompetenzorientierung gemäss ESP umzustellen. Die betroffenen Lehrkräfte berichteten von stark gestiegenem Administrationsaufwand, hiess es gestern.

Wenn man sich nicht wehre, würden hier an den direkt Betroffenen vorbei still und leise vollendete Tatsachen geschaffen, sagte Tibor de Viragh, Deutsch- und Philosophielehrer an der Kantonsschule Hohe Promenade. Die Referenten betonten, dass beim kompetenzorientierten Unterricht das Lernniveau sinke, wie man etwa in den USA sehen könne. Die hiesigen Gymnasien seien eine Erfolgsgeschichte und es bestehe kein Reformbedarf.

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