Postulat
Die Ortskerne im Kanton Zürich sollen attraktiver werden

Weil man sich im Parlament über den Weg zum Ziel nicht einig war, liess sich trefflich über ein Postulat streiten. Überwiesen wurde es trotzdem.

Patrick Gut
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Spielraum vom Kanton gefordert: Staatsstrassen in Ortszentren – hier die Zugerstrase in Wädenswil – sollen mehr sein als Autobahnzubringer.

Spielraum vom Kanton gefordert: Staatsstrassen in Ortszentren – hier die Zugerstrase in Wädenswil – sollen mehr sein als Autobahnzubringer.

Limmattaler Zeitung

Farid Zeroual (CVP, Adliswil) sitzt seit zwei Wochen im Kantonsrat. Als Erbe eines Postulats von Philipp Kutter (Wädenswil), der sich in den Nationalrat verabschiedet hat, kam er bereits zu einem ersten Auftritt. Zeroual sagte, mit dem Vorstoss wolle er den motorisierten Individualverkehr weder behindern noch vermeiden. Der Kanton Zürich brauche ein leistungsfähiges Strassennetz. Die Bevölkerung wachse und mit ihr der Bedarf an Mobilität.

«Der Kanton soll aber anerkennen, dass Hauptverkehrsstrassen in Ortszentren mehr sind als Verkehrsachsen und Autobahnzubringer», sagte Zeroual. Die Strassenabschnitte in den Ortszentren seien auch Einkaufsstrassen, Velostrassen – und auf den Trottoirs würden Einwohner zirkulieren. «Die Hauptverkehrsstrassen in den Dorfzentren sind Teil des öffentlichen Raumes», sagte Zeroual. Und weiter: «Sie sind der Ort, wo die Dörfer und Kleinstädte leben. Wo sich Gewerbe, Bewohner und Besucher begegnen.»

Oft einseitig auf Verkehr ausgerichtet

Bei vielen Staatsstrassen in Ortszentren würden sich die Anforderungen vermischen. Häufig seien sie einseitig auf die Bedürfnisse des motorisierten Individualverkehrs ausgerichtet. Die Anliegen aus dem Städtebau – wie Aufenthaltsqualität, Fuss- und Radverkehr, öffentlicher Verkehr, Senkung der Umweltbelastung – würden nur untergeordnet gewichtet.

Die Gestaltung der Verkehrsflächen im Strassenbereich hätten aber Einfluss auf die Benutzbarkeit der Begegnungszonen. Zeitgemäss wäre es etwa, wenn man in Ortszentren Kurzzeitparkplätze, Trottoirs mit ausreichenden Aussenflächen und hindernisfreie Strassenquerungen mit Mittelinseln einrichten könnte. «In einigen Städten sind derartige Ansätze bereits ansprechend umgesetzt – etwa in meinem Wohnort Adliswil», sagte Zeroual.
Das Postulat fordere kein Tempo 30. «Für die Gemeinden wäre es aber schon ein grosser Schritt, wenn der Kanton Zürich auf seinen Strassen auch bei Tempo 50 mehr Gestaltung zulassen würde», sagte der Postulant. Dafür müsse man die Normen und Standards überarbeiten.

Linke wollen Einschränkungen

Robert Brunner (Grüne, Steinmaur) bekräftigte, dass sich auch die Grünen für attraktive Ortskerne einsetzen würden. Das Postulat bezeichnete er aber als mutlos. «Solange es die oberste Maxime ist, die Kapazität der Staatsstrassen zu erhalten, kann das nicht funktionieren», sagte Brunner. Wie die Grünen, konnten auch SP, AL und EVP wenig mit dem Postulat anfangen. Ohne Einschränkung der Strassenkapazität lasse sich die Attraktivität der Ortszentren nicht erhöhen, lautete der Tenor.

Martin Neukom (Grüne, Winterthur) gab zu bedenken, die hohe Mobilität begünstige das Lädelisterben. Würden die Leute erst einmal im Auto sitzen, sei nämlich der Weg ins nächste Einkaufszentrum nicht weit.

Den Vorstoss verteidigte Christian Lucek (SVP, Dänikon). Er komme zum richtigen Zeitpunkt. Der Dialog zwischen Kanton und Gemeinden sei wichtig. «Die Gemeinden wissen, wie ihre Ortskerne funktionieren», sagte Lucek.

Er strich zudem hervor, wie wichtig für das lokale Gewerbe Parkplätze seien. Ohne Parkplätze würde auch die Laufkundschaft ausbleiben, auf welche das Gewerbe angewiesen sei. Jörg Kündig (FDP, Gossau) betonte die Rolle von Zentren und Ortskernen für das Zusammenleben. «Staatsstrassen, die wie regelrechte Schneisen durch Ortszentren führen, sind mitverantwortlich für das Lädelisterben», sagte der Präsident des Zürcher Gemeindepräsidentenverbands weiter.

In den regionalen Richtplänen werde von Umgestaltung des Strassenraumes gesprochen. Es würde aber an Beispielen und Anreizen fehlen. Zudem gebe es Unklarheiten, was die Planung und Finanzierung betreffe. Das Postulat wurde mit 112 zu 61 Stimmen überwiesen. Der Regierungsrat hat nun zwei Jahre Zeit, einen Bericht dazu zu verfassen.

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