Das Winterthurer Tierheim Rosenberg hatte kürzlich das Bild der siebenmonatigen französischen Bulldogge auf Facebook gestellt. Der Online-Beitrag, mit dem die Mitarbeiter des Heims nach dem Besitzer suchten, fand für einen solch regionalen Hinweis rasende Verbreitung – Hunderte Male wurde er gelikt und kommentiert.

Viele der Kommentatoren ereiferten sich dabei, dass man nach dem ursprünglichen Herrchen oder Frauchen überhaupt suche. Dieser oder dieses würde den Hund, den sie offenbar herzlos ausgesetzt hätten, wohl kaum mehr zurückhaben wollen.

Nach ein paar Tagen gab das Tierheim bekannt, dass sich niemand gemeldet habe. Die Hündin sei bereits der neue Liebling der Mitarbeiter und werde jetzt Susi genannt. Nach einer Sperrfrist von zwei Monaten dürfe Susi an ein neues Zuhause vermittelt werden.

Kauf aus dem Kofferraum

In Wahrheit geht die Geschichte von Susi aber ganz anders: Sie beginnt mit einem Paar, das sich auf einer Online-Plattform eine französische Bulldogge sucht. Dort gibt es von der sehr populären Rasse Angebote ab 1000 Franken. Das Paar vereinbart ein Treffen mit zwei Deutschen. Man trifft sich auf der anderen Seite der Grenze. Ein Kofferraum geht auf, darin lauter kleine Welpen. Auch Susi.

Mit dem Hund kehrt das Paar in die Schweiz zurück. Als es die Papiere anschaut, erkennt es, dass die Bulldogge nicht, wie auf der Online-Plattform ausgeschrieben, aus deutscher, sondern aus einer tschechischen Zucht stammt.

Der Kauf ist dem Paar nicht mehr geheuer. Es bringt den Hund ins Tierheim Rosenberg. Dort erzählt es die Geschichte, die das Tierheim dann auf Facebook gepostet hat. Wenig später geht das Paar dann doch zur Polizei und zeigt sich selbst an. Jetzt ermittelt die Kantonspolizei. Susi bleibt vorerst im Tierheim.

Billig ist verdächtig

Das Paar habe den Hund «auf dubiose Art erworben und illegal in die Schweiz eingeführt, sagt Rebecca Tilen von der Medienstelle der Kantonspolizei Zürich. Damit habe es gegen das Tierschutz- und das Tierseuchengesetz verstossen. Die Kantonspolizei ermittle auch gegen die Deutschen Händler, die den Hund ohne entsprechende Bewilligung und unter falschen Angaben verkauft haben.

Wer einen Welpen aus dem Ausland importieren will, sollte sich sehr gut informieren. Für das Alter, den Transport, den Gesundheits- und Impfstatus gelten Vorgaben des Tierschutz- und Tierseuchengesetzes. Gemäss Tierschutzverordnung muss ein Welpe zudem mindestens acht Wochen alt sein, bevor er von seiner Mutter getrennt werden darf.

Hätte das Paar eine französische Bulldogge aus einer vom Schweizerischen Kynesiologischen Verband (SKG) anerkannten Zucht gekauft, hätten sie sich einige Sorgen erspart, für den Hund aber mehr bezahlt. Gemäss SKG-Präsident Hansueli Beer kostet ein solcher Hund aus seriöser Zucht 2500 bis 2900 Franken. Der Verband hat schon mehrmals mit Kampagnen («Augen auf beim Hundekauf») darauf aufmerksam gemacht, dass man als Käufer auf die Seriosität des Züchters achten muss. «Das Problem ist halt, dass Ihnen der seriöse Züchter keinen Hund verkauft, wenn er sieht, dass die Umstände nicht stimmen», sagt Beer. Ein Hundehändler hingegen, der lediglich Geld machen wolle, frage nicht nach, ob der Käufer genug Zeit oder eine genug grosse Wohnung habe. Das Gesetz sei kürzlich immerhin insofern angepasst worden, dass Verkäufer in einem Inserat eine registrierte Telefonnummer angeben müssen.

Viele Hunde illegal importiert

Das Zürcher Veterinäramt registrierte im vergangenen Jahr 161 illegale Hunde- und Katzenimporte. Wie viele davon Hundewelpen waren, wurde nicht erfasst. Katzen machen allerdings nur fünf Prozent der illegalen Importe aus. Generell gehe man von einer hohen Dunkelziffer aus, sagt Mona Neidhart vom Veterinäramt. «Wir vermuten, dass es nochmals mindestens so viele Fälle von illegalem Import gibt.»

Besonders problematisch seien Importe aus Tollwut-Risikoländern. 52 der 161 illegalen Importe im vergangenen Jahr stammten aus solchen Ländern. Hier müsse das Veterinäramt «rigoros vorgehen», um die Tollwutfreiheit nicht aufs Spiel zu setzen. Das bedeutet, dass Tiere aus Risikoländern, die nicht nachweislich und erfolgreich gegen Tollwut geimpft sind, ins Herkunftsland zurückgebracht oder eingeschläfert werden müssen. Susi ist zum Glück gesund. Das Tierheim Rosenberg hat sie von einem Tierarzt untersuchen lassen. Ohne Zweifel wird sich sehr schnell ein neues Zuhause für sie finden.