Üetliberg
«Des Zürchers Stolz» wird zum reglementierten Hausberg

Der Uto-Kulm-Hotelier begrüsst den Gestaltungsplan – meu dürfen beispielsweise keine Helikopter privat auf den Üetliberg fliegen – bemängelt aber die Details. Das eine oder andere bedürfen «einer Anpassung auf die effektiven Gegebenheiten».

Oliver Graf
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Restaurant Uto Kulm auf dem Uetliberg.

Restaurant Uto Kulm auf dem Uetliberg.

Keystone

Der Üetliberg ist des Zürchers stolz. Im Planungsbericht der kantonalen Baudirektion, der seit gestern zusammen mit dem Gestaltungsplan Uto Kulm öffentlich aufliegt, wird der Hügel denn auch entsprechend ins rechte Licht gerückt: Der Üetliberg sei «eines der prägenden Elemente für die grossräumige Identität der Stadt». Und die Fernsicht vom Uto Kulm «ist trotz seiner bescheidenen Höhe überwältigend».

Doch herrscht dort oben vor den Toren Zürichs seit Jahren keine beschauliche Ruhe: Die Öffentlichkeit hat gemäss regionalen und kantonalen Richtplänen einen Anspruch auf einen Zugang zum Aussichtspunkt, der private Eigentümer des Gastro- und Hotelbetriebs änderte und erweiterte sein Konzept derweil ständig und lockte mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen zahlendes Publikum auf den Berg.

«Die verschiedenen Aktivitäten des Eigentümers, insbesondere im Aussenraum, führten in den letzten Jahren zu Unmut in der Bevölkerung und zu mehreren Rechtsmittelverfahren», heisst es auch im Planungsbericht. Mit dem gestern aufgelegten Gestaltungsplan sollen nun die Zwistigkeiten bereinigt werden.

Die Baudirektion hält die Vorgaben für «ausgewogen». Es werde den verschiedenen Interessen Rechnung getragen. Uto-Kulm-Hotelier Giusep Fry zeigt sich grundsätzlich ebenfalls zufrieden: «Ich bin froh, endlich eine rechtsichere Grundlage zu erhalten», lässt er sich in einer Medienmitteilung zitieren (für Interviews steht er nicht zur Verfügung).

Der Kanton mache deutlich, was erwünscht und möglich sei. «So hat die Behördenwillkür ein Ende und ich bin nicht mehr darauf angewiesen, jeden einzelnen Sonnschirm mit siebenfachem Durchschlag bewilligen zu lassen.»

Der kantonale Gestaltungsplan «sichert die öffentlichen Interessen an der Nutzung des Aussenraums, legt die zulässigen Bauten und Anlagen und deren Nutzung fest und trifft die notwendigen verkehrlichen Regelungen». Konkret bedeutet dies:

Öffentlichkeit: Der 1990 neu erstellte Aussichtsturm, das Känzeli und der Wanderweg müssen jederzeit für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Bereich muss so gestaltet sein, dass er klar als öffentlicher Raum erkennbar ist. Für die Benützung des Turms kann Fry aber – wie auch für das WC – von nicht-konsumierenden Besuchern eine Gebühr verlangen.

Verkehrsregime: Pro Jahr sollen nicht mehr als 4000 Fahrten zum Uto Kulm erfolgen dürfen (Hin- und Rückfahrt entspricht einer Fahrt). Koffer- und Behindertentransporte mit einem Elektromobil werden nicht gezählt. Gemäss Planungsbericht ist die Limite tiefer als ursprünglich gedacht: Aber es bestünde «Optimierungspotenzial», indem der Gastrounternehmer etwa die heutigen Anlieferungen vermehrt mit Sammeltransporten durchführt.

Flüge: Helikopterflüge werden auf dem Üetliberg nicht mehr erlaubt.

Ausbau: Die bestehenden Bauten und Anlagen ermöglichen laut Bericht «einen angemessenen Gastgewerbebetrieb». Zusätzlich Bauten sind nicht erwünscht und werden nicht erlaubt. Für Wanderer soll aber wieder ein Kiosk erstellt werden. Hotelier Fry begrüsst dies: «Wer sich eben mal schnell versorgen will, kann dass nun bald auch mit behördlicher Empfehlung wieder machen.»

Events: Die Terrassen können als offener Restaurationsbereich genutzt werden. Im Freien sollen auch spezielle Events möglich sein, allerdings zeitlich limitiert: Vier mal im Jahr können während dreier Wochen Anlässe wie ein Oktoberfest durchgeführt werden, zweimal im Jahr eine spezielle Veranstaltung während einer Woche.

Auch wenn Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry den Gestaltungsplan grundsätzlich begrüsst – im Detail sieht er noch viele «Unwägbarkeiten». Das Fahrtenkonzept werde kaum umzusetzen sein, die Aufteilung der bewilligten Events und die dazugehörigen Ausstattungen wie Festzelte bedürfen «einer Anpassung auf die effektiven Gegebenheiten», sagt Fry.

Der Gestaltungsplan und der Planungsbericht liegen bis 18. Januar öffentlich auf. Bis dahin eingegangene Einwendungen und Anpassungswünsche werden danach allenfalls aufgenommen. Der überarbeitete Plan soll Mitte 2016 in Kraft treten – sofern keine Rekurse eingelegt werden.

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