Zürich
Der «Mister Langstrasse» tritt ab

Vor zehn Jahren war Vieli von der damaligen Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) eingesetzt worden, um den unhaltbar gewordenen Zuständen im Kreis 4 Einhalt zu gebieten. Nun zieht der Leiter des Projekts «Langstrasse Plus» eine positive Bilanz.

Lukas Leuzinger
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Limmattaler Zeitung

Drogendealer, die auf offener Strasse ihre Geschäfte abwickeln, Schlägereien zwischen kriminellen Banden, Heroinabhängige direkt vor Hauseingängen: Alltagsszenen im Langstrassequartier auf Filmaufnahmen aus dem Jahr 2001, als das Projekt «Langstrasse Plus» gestartet wurde. Projektleiter Rolf Vieli will damit zeigen, wie viel sich seither im Quartier verbessert hat.

Vor zehn Jahren war Vieli von der damaligen Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) eingesetzt worden, um den unhaltbar gewordenen Zuständen im Kreis 4 Einhalt zu gebieten. An einer Medienkonferenz blickte er gestern auf seine Zeit als «Mister Langstrasse» zurück. Seine Bilanz fällt fast durchgehend positiv aus. Bilder wie jene aus dem Jahr 2001 seien heute kaum noch vorstellbar. Dem pflichtet Maurers Nachfolger, Daniel Leupi (Grüne), bei. Es seien deutliche Verbesserungen festzustellen, sagte der Stadtrat, warnte aber sogleich vor übertriebener Euphorie: «In vielen Bereichen ist die Situation immer noch prekär.»

Misstrauen gegenüber Stadtrat

Vieli erinnert sich, dass seine Ernennung nicht von allen begrüsst worden war. «Viele Anwohner misstrauten dem Stadtrat», sagt er. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, packte er als Erstes die Probleme auf der Bäckeranlage an. Damals war sie Schauplatz von Drogengeschäften und Prostitution. Nach Vielis Antritt wurde die Polizeipräsenz auf dem Areal erhöht, gewerbliche und kulturelle Einrichtungen wurden gefördert. Der Projektleiter erinnert sich an ein Lokal in der Nähe der Bäckeranlage, das aufgrund der Drogenszene immer mehr Kunden verlor und schliesslich seine Tore schliessen musste. «Heute betreibt dort eine Italienerin aus dem Quartier ein sehr erfolgreiches Restaurant.» Es ist nur ein Beispiel unter den vielen, die Vieli aufführt, um die positive Entwicklung zu veranschaulichen.

Bei seiner neuen Aufgabe habe er von Beginn weg versucht, mit den Vertretern verschiedenster Interessen in Kontakt zu treten. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Gewerbetreibenden. «Ohne florierendes Gewerbe gibt es kein gesundes Quartier», lautete der Grundsatz.

Hohe Wohnkosten als Problem

So positiv sei die Entwicklung, dass man heute fast schon eher mit gegenteiligen Problemen zu kämpfen habe, sagt Daniel Leupi. Der Ärger über das Drogen- und Sexmilieu wurde in den letzten Jahren von Klagen über zu hohe Mietzinsen abgelöst. Dabei sieht sich auch «Langstrasse Plus» Kritik ausgesetzt. Das Projekt hatte mehrere Liegenschaften aufgekauft und das Quartier aufgewertet. Das habe die Preise in die Höhe getrieben, so der Vorwurf. Vieli ärgert sich über diese Kritik, die vor allem aus linksalternativen Kreisen stammt. Seiner Ansicht nach sind andere Faktoren zur Hauptsache für die hohen Mietzinsen verantwortlich: Während der Blütezeit des Sexgewerbes in der Langstrasse hätten die Liegenschaftenbesitzer keinen Grund gesehen, die teilweise sehr alten Häuser zu renovieren, sagt er. «Wird ein Haus erstmals nach so langer Zeit renoviert, steigen zwangsläufig die Mietzinse.»

Von den hohen Wohnkosten ist Vieli persönlich betroffen: Vor kurzem ist er deswegen vom Kreis 4 nach Zürich Affoltern umgezogen. Bei der Schaffung von günstigem Wohnraum sieht Vieli noch grossen Handlungsbedarf. Als dringendes Problem betrachtet er zudem die zunehmende Lärmbelastung.

Nachfolgerin aus dem Kreis 4

Um diese Herausforderungen wird sich künftig Alexandra Heeb kümmern – allerdings nicht im Rahmen von «Langstrasse Plus». Das Projekt werde in dieser Form nicht weitergeführt, sagt Daniel Leupi. Stattdessen wird Heeb als «Delegierte Quartierssicherheit» die Ansprechperson für die ganze Stadt sein. Der Fokus werde aber weiterhin auf dem Langstrassequartier liegen. Mit diesem ist Heeb bestens vertraut: «Ich wohne seit längerem im Kreis 4 und weiss, wo der Schuh drückt.» Die 35-Jährige war in der Vergangenheit im Sozialdepartement tätig, wo sie unter anderem im Bereich der Fanarbeit der beiden Stadtzürcher Fussballvereine arbeitete. Ihre neue Stelle wird sie im September antreten.

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