Flughafen Zürich
Der letzte Jumbolino wird nach 15 Jahren Einsatz pensioniert

Nach dem letzten kommerziellen Flug und einem feierlichen Abschiedsflug von Genf nach Zürich ist die Jumbolino-Ära vorbei. Die in England gebauten Avro-Flugzeuge stiessen 2002 als Rückgrat der Europaflotte zur Swiss.

Olav Brunner
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465-mal zum Mond: So weit ist der letzte Jumbolino insgesamt geflogen. Da hat er sich einen standesgemässen Abschied regelrecht verdient.

465-mal zum Mond: So weit ist der letzte Jumbolino insgesamt geflogen. Da hat er sich einen standesgemässen Abschied regelrecht verdient.

Keystone

Es war ein emotionaler Moment, als das Flugzeug HB-IYZ nach seinem allerletzten Flug am Dienstag in Zürich ankam. «Dieses Flugzeug hat während mehr als 700 000 Einsatzstunden in über 15 Jahren bei der Swiss eine entsprechende Strecke von 465-mal zum Mond zurückgelegt. Heute verlässt unser Arbeitspferd die Flotte», sagte Swiss-CEO Thomas Klühr. Mitarbeiter verabschiedeten sich zudem mit einem grossen Transparent vom viermotorigen Avro-RJ100-Kurzstreckenflugzeug.

Zuerst galt es aber, das Nachfolgemuster, den Bombardier CS300, kennenzulernen. Dieses grössere Flugzeug der CS-Serie brachte die Passagiere in einem flugplanmässigen Linienflug nach Genf. Das Flugzeug ist mit 145 Sitzplätzen ausgestattet, davon 30 in der Businessklasse. Die neuen Bombardier-Maschinen zeichnen sich durch einen deutlich geringeren Treibstoffverbrauch und tiefere Lärmemissionen aus.

In Genf begrüsste Lorenzo Stoll die Medien, er ist verantwortlich für den gesamten Swiss-Flugbetrieb in Genf. «Der Avro RJ100 hat ein Stück Swiss-Geschichte geprägt. Jetzt wird der Jumbolino durch ein neues, modernes Flugzeug abgelöst, und die Swiss ist der erste Operateur, der mit den Bombardier-CS-Maschinen auf dem London City Airport landen darf», freute sich Stoll. Die neue Technologie gebe dem Unternehmen eine bessere Wettbewerbsfähigkeit und sei im harten Airline-Wettbewerb ein überlebenswichtiger Faktor.

Zwei Abschiedsduschen für HB-IYZ

Draussen vor dem Gate stand der Jumbolino mit der Immatrikulation HB-IYZ für seinen Letztflug bereit. Ein gelbes Auto begleitete das Flugzeug bis zur Startposition, und die Feuerwehr verabschiedete den Veteranen mit einer Dusche. Kapitän Michael Weisser, Avro-Flottenchef, und sein Stellvertreter, Kapitän Peter Huber, flogen nach dem Start in Genf das 35 Tonnen schwere Flugzeug über Lausanne zum Mont Blanc.

Wie in früheren Zeiten demonstrierte die Kabinenbesatzung den Gebrauch der Sauerstoffmasken live, Bildschirme gab es im letzten der ursprünglich 21 Jumbolinos keine. Die Maître de Cabine, Cornelia Häner, durfte die Passagiere des Letztfluges begleiten: «Ich spüre schon etwas Wehmut nach all den Flügen während vier Jahren auf diesem Flugzeug.»

Über Mont Blanc und Matterhorn

Auch der mitfliegende technische Pilot, Kapitän Patrick Fritz, war etwas traurig, dass nun eine Ära zu Ende geht: «Dank seinen am Heck angebrachten Bremsklappen konnte der Avro RJ100 auch schwierige Flugplätze mit steilen Anflugwinkeln bis zu 5,5 Grad anfliegen, und die Steuerung war direkt, nicht via Computer.»

Alle mitfliegenden Piloten beginnen am 2. Oktober ihre Umschulung auf die CS-Flugzeuge. Nach dem Vorbeiflug am Mont Blanc kreiste das Flugzeug ums Matterhorn. In der Kabine klickten unzählige Kameras, um schöne Bilder aufzunehmen.

Der Empfang in Zürich war ebenfalls beeindruckend. Die Flughafenfeuerwehr begrüsste den Jumbolino nach seinem Letztflug mit der zweiten Abschiedsdusche des Tages. Und auf der Besucherterrasse hielt eine Hundertschaft von Plane-Spottern den historischen Moment mit ihren Kameras fest. Auch am Gate standen Besatzungsmitglieder und Mitarbeitende bereit, um den Jumbolino mit einem tosenden Applaus zu empfangen.

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