Opernhaus Zürich
Der Kantonsrat ist grosszügig: 16 Millionen für eine Lagerhalle

Kantonsrat bewilligt Asbest-Sanierung und Erweiterung des Kulissenlagers.

Matthias Scharrer
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Die Bühnenbilder des Opernhauses brauchen viel Lagerraum. Jetzt muss die Lagerhalle in Zürich Oerlikon saniert werden.

Die Bühnenbilder des Opernhauses brauchen viel Lagerraum. Jetzt muss die Lagerhalle in Zürich Oerlikon saniert werden.

KEYSTONE

Das Opernhaus Zürich hat beim Kantonsrat Kredit: Einstimmig bewilligte das Parlament gestern eine Subvention in Höhe von 16 Millionen Franken zur Sanierung und Erweiterung der Lagerhalle Kügeliloo. Die Opernhaus Zürich AG steuert weitere 12,5 Millionen Franken an das Vorhaben bei. Die veranschlagten Gesamtkosten belaufen sich somit auf 28,5 Millionen Franken.

«Projekt ohne jeglichen Luxus»

Der Grund für die hohen Kosten: Die über 50 Jahre alte Halle in Zürich Oerlikon benötigt eine Asbest-Sanierung. Das Sheddach wurde einst mit Spritzasbest behandelt. Nun ist das Dach baufällig, und der giftige Baustoff muss aufwendig entsorgt werden. Sollte Asbest freigesetzt werden, könnte dies zur Schliessung der Halle führen, was den ganzen Opernhaus-Betrieb lahmlegen würde, wie Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) sagte.

Die Bühnenbilder der jährlich rund 250 Aufführungen des Opernhauses werden in der Kügeliloo-Halle gelagert. Sie gehört seit dem Jahr 2000 dem Opernhaus, in dessen Stammhaus Lagerräume fehlen. Der Regierungsrat liess das anstehende Projekt durch externe Fachleute beurteilen.

Kulturförderung

Die Kulturförderung im Kanton Zürich ist im Umbruch: Auf Beschluss des Kantonsrats werden seit 2016 die meisten subventionierten Kulturbetriebe aus dem Lotteriefonds unterstützt. Das neue Modell ist vorerst bis 2021 befristet.

Nun erfragten Kantonsräte der SP beim Regierungsrat, wie es danach weitergehen soll — und wie der Kanton Zürich punkto Kulturförderung verglichen mit anderen Kantonen dasteht. Zur Frage, wie es weitergeht, hat der Kanton eine Studie in Auftrag gegeben, die demnächst vorliegen und in die Erarbeitung eines neuen Lotteriefondsgesetzes einfliessen soll, sagte Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) gestern im Kantonsrat.

Zürich im interkantonalen Vergleich auf Platz 5

Insgesamt gibt der Kanton Zürich pro Jahr 178 Millionen Franken für die Kulturförderung aus. Das entspricht 1,45 Prozent der Staatsausgaben. Damit liegt er im interkantonalen Vergleich auf dem fünften Platz — gemessen am Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt jedoch auf dem siebtletzten.

«Das ist ernüchternd», meinte Andrew Katumba (SP), während Rico Brazerol (BDP) sagte, er sei gespannt auf weiteres Sparpotenzial. Beim Spitzenreiter Basel-Stadt machen die Kulturausgaben mit 172 Millionen Franken pro Jahr 3,79 Prozent des Staatsaufwands aus, beim Kanton Aargau mit 62 Millionen 1,31 Prozent. Am tiefsten ist der Kulturanteil am Staatsaufwand im Kanton Schwyz mit 0,79 Prozent, was in absoluten Zahlen 9,5 Millionen Franken entspricht. (mts)

Fazit: Eine Sanierung mit Erweiterung der Halle wäre die wirtschaftlichste Lösung. «Es handelt sich um ein aufs Nötige beschränktes Projekt ohne jeglichen Luxus», hält der Regierungsrat in seinem Antrag fest. Gleichzeitig werde die Lagerkapazität verdoppelt. Vor der Asbestsanierung wird die Halle um 3,5 Meter erhöht und mit einem neuen Flachdach versehen. Unter dem alten Dach wird sodann ein neuer Boden eingezogen, sodass es bei Unterdruck ausgebaut werden kann, ohne dass Asbest nach aussen dringt.

Der Widerstand hielt sich in Grenzen

Das Vorhaben stiess bei keiner Partei auf Widerstand, auch wenn Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon) meinte: «Auf den ersten Blick tut es weh: 16 Millionen Franken für eine Lagerhalle in Zeiten umkämpfter Kulturbudgets.» Mit jährlich 80 Millionen Franken Subventionen ist das Opernhaus Zürich ohnehin schon das Zürcher Kulturhaus mit den höchsten Staatsbeiträgen.

Widerstand rief jedoch ein Antrag der Grünen, GLP, EVP und AL hervor: Sie wollten eine zusätzliche Million Franken für den Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem neuen, 7000 Quadratmeter grossen Flachdach der Kügeliloo-Halle genehmigen. «Der Weg in Richtung Energiewende braucht mehr Mut und Unternehmergeist», sagte Karin Fehr (Grüne, Uster).

Der neu gestaltete Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus in Zürich.

Der neu gestaltete Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus in Zürich.

Patrick Gutenberg

Die Regierung fand aber, es sei nicht Sache des Kantons, in die Energieproduktion auf einem Gebäude zu investieren, das ihm nicht gehört. Vielmehr wäre es Sache der Opernhaus AG, die unbestrittenerweise erwünschte Sonnenenergieanlage zu bauen.

Abklärungen hätten ergeben, dass diese sich wirtschaftlich betreiben liesse. Die Kantonsrats-Mehrheit folgte auch in diesem Punkt dem Antrag der Regierung. Die Bauarbeiten sind von Juli 2017 bis Sommer 2019 geplant. Um den Opernbetrieb aufrecht zu erhalten, sollen während der Bauzeit Lagerräume angemietet werden.

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