Öffentliche Verkehrsmittel
Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbundes ist ausser Betrieb, doch der Streit um Ausbaupläne geht weiter

Ab Dezember ist der Nachtzuschlag im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) gestrichen. Zudem will der ZVV das Nachtnetz in Zürich und Winterthur verdichten. Doch weitergehenden Forderungen aus dem Kantonsrat erteilte der Regierungsrat am Montag erneut eine Absage.

Matthias Scharrer
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Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbundes bleibt auf die Wochenenden beschränkt. (Archivbild)

Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbundes bleibt auf die Wochenenden beschränkt. (Archivbild)

Keystone/Rikke Skaaning

«Ende Jahr wird der Nachtzuschlag aufgehoben. Nur: Leider haben wir dann kein Nachtnetz», sagte die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), als der Kantonsrat am Montag über einen Ausbau des Nachtangebots im öffentlichen Verkehr debattierte.

Die Aufhebung des Nachtzuschlags im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sollte eigentlich erst später kommen. Doch nachdem die Tarifverbünde der Nachbarkantone mitzogen und der Kantonsrat Druck gemacht hatte, ging es schneller: Nun wird der Nachtzuschlag von fünf Franken Mitte Dezember abgeschafft. Allerdings bleibt das Nachtnetz-Angebot des ZVV wegen der Coronapandemie bis auf Weiteres ausser Betrieb.

Nichtsdestotrotz bekräftigte Walker Späh die Ausbaupläne für das ZVV-Nachtnetz, das normalerweise am Wochenende existiert: Demnach sollen Nachtschwärmer künftig in den Zürcher Ausgangsquartieren im Viertelstundentakt fahren können. Für die S-Bahn-Strecke Zürich-Winterthur ist nachts am Wochenende ein Halbstundentakt geplant, ebenso innerhalb von Winterthur. Neu sollen zudem auch auf Nachtbuslinien anderer urbaner Regionen im Kanton Zürich Rückfahrten in die Zentren möglich sein. Der Zeitplan für diese Neuerungen bleibt unverändert, wie ein ZVV-Sprecher auf Anfrage bestätigte: Sie sollen Ende 2021 in Betrieb gehen.

Einen weitergehenden Ausbau des Nachtnetzes hatte der Kantonsrat mit seinem Ja zu einem Postulat von Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon) vergangenen Sommer angeregt. Er forderte mehr ZVV-Nachtnetzverbindungen ausserhalb der Zentren Zürich und Winterthur. Zudem sei das ZVV-Nachtangebot vom Wochenende auch auf die Nacht vom Donnerstag auf Freitag auszudehnen.

Walker Späh: Corona reisst Löcher in die öV-Kassen

Im daraufhin vorgelegten Bericht, den der Kantonsrat nun zur Kenntnis genommen hat, lehnte der Regierungsrat diese Vorschläge ab. «Wir haben Spielraum und wollen ihn nutzen. Aber wir müssen die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten», sagte Regierungsrätin Walker Späh. Beim öffentlichen Verkehr sei in den letzten Monaten wegen der Coronakrise ein grosses Loch in der Kasse entstanden.

Zudem hätten Analysen ergeben, dass die Nachfrage nach Nachtverbindungen unter der Woche um 70 Prozent tiefer liege als in den zwei Nächten von Freitag auf Sonntag. SVP, FDP und CVP zeigten sich zufrieden mit der Position des Regierungsrats. Das Nachtnetz müsse auch ohne Nachtzuschlag bezahlbar bleiben, meinte Christian Lucek (SVP, Dänikon).

Anders sah es Hugentobler: «Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg», lautete sein Kommentar. «Wir sind enttäuscht über diese mutlose Nachtnetzstrategie», sagte der EVP-Kantonsrat weiter. Sein Postulat sei nun erledigt, nicht aber die Forderung nach einem über die bestehenden Pläne hinausgehenden Ausbau des Nachtnetzes.

Vertreter der linksgrünen Ratsseite pflichteten ihm bei. «Auch die Menschen in der Agglo und auf dem Land müssen in der Nacht mobil sein können», sagte Leandra Columberg (SP, Dübendorf).