Zürich
Das grösste Casino der Schweiz schreibt deutlich rote Zahlen

30 Prozent weniger Gäste als erwartet und 12 Millionen Franken Verlust für letztes Jahr, das neue Casino an der Zürcher Sihlporte kämpft mit Anlaufschwierigkeiten. Diese Verluste bringen auch das Konzernergebnis von Swiss Casinos ins Minus.

Thomas Schraner
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Das neue Spielkasino im Haus Ober an der Zürcher Sihlporte hat Anlaufschwierigkeiten

Das neue Spielkasino im Haus Ober an der Zürcher Sihlporte hat Anlaufschwierigkeiten

AZ

Das grösste und «schönste» (Eigenwerbung) Casino der Schweiz ist ein halbes Jahr nach der Eröffnung noch nicht dort, wo es seine Betreiber haben möchten. Weil rund ein Drittel weniger Gäste die Spielbank (A-Konzession) seit der Eröffnung im November besuchten und dazu auch noch weniger ausgaben, harzt das Geschäft. Wie der Finanzchef der Swiss Casinos Gruppe, Stefan Meyer, gestern auf Anfrage sagte, beträgt der Verlust für letztes Jahr 12 Millionen Franken, fast doppelt so viel wie bei der Eröffnung erwartet. Die früheren Annahmen seien zu optimistisch gewesen. Seit 2007 schrumpfe die Branche. Einerseits spielten immer mehr Leute online oder illegal, anderseits wanderten Kunden in Spielhallen ins grenznahe Ausland ab, wo die Vorschriften lascher seien.

Die roten Zahlen des Zürcher Casinos drücken auch das Konzernergebnis der Gruppe Swiss Casinos ins Minus. Zu ihr gehören drei weitere Spielbanken in Pfäffikon (Casino Zürchsee), Schaffhausen und St. Gallen.

7,7 Millionen Franken beträgt der Verlust im Verbund. Ursache ist das Zürcher Minus, wie der CEO der Gruppe, Peter Meier, an einer Medienorientierung sagte. Die übrigen drei Häuser schrieben schwarze Zahlen. Alle vier erbrachten einen Bruttospielertrag (BSE: von Spielern einbezahltes Geld minus die ausbezahlten Gewinne) von 96 Millionen. 43 Millionen davon mussten an den Bund für die AHV abgeliefert werden. Im Langzeitvergleich schrumpfen sowohl die Bruttospielerträge als auch die Spielbankenabgaben.

Spielsucht: 144 gesperrte Personen im Casino Zürich

Casinos sind eine Gefahr für Spielsüchtige, deren Zahl in der Schweiz auf rund 120 000 geschätzt wird. Das Gesetz verpflichtet Spielbanken deshalb seit 2001 zu konkreten Massnahmen gegen die Spielsucht. Im Casino Zürich, wo die Auflagen gemäss den Betreibern besonders streng sind, muss das Personal Ausschau nach Suchtgefährdeten halten. Solche Personen werden dann für ein Gespräch aufgeboten, worauf Sperrungen verhängt werden können.
Gesperrt sind im Casino Zürich derzeit 144 Leute, wie Direktor Michael Favraud auf Anfrage sagte. Der grösste Teil (113) habe sich nach Gesprächen freiwillig sperren lassen. In 31 Fällen habe das Personal die Sperrung verfügt. Bis jetzt sind laut Favraud mit 623 Personen Gespräche geführt worden, weil sie sich im Casino auffallend verhielten oder zu häufig kamen.
Für die Häufigkeit der Besuche gibt es ein klares Kriterium: Zwölf Besuche in drei Monaten sind im Casino Zürich möglich, ohne auf den Radar zu kommen. Wer zum 13. Mal innerhalb der Frist auftaucht, wird vorgeladen. Er muss mit dem Lohnausweis dokumentieren, dass er sich die Spielerei leisten kann, und plausibel machen, dass er nicht spielsüchtig ist.

Der BSE 2012 für das Casino Zürich liegt bei 10,3 Millionen. Davon fliesst die Hälfte in den AHV-Topf. Mit der anderen Hälfte muss das Unternehmen die Personal- und Sachkosten decken, bevor es etwas zur Seite legen kann. Meyer erklärt, warum das nicht geht: «Einnahmen generiert der Betrieb erst seit der Eröffnung im November», Personal- und Mietkosten fallen hingegen schon seit Monaten an.» Die Swiss Casinos Gruppe ist schon seit September 2011 Mieterin bei der UBS, der das Haus Ober gehört.

Noch Jahre keine Steuern

Wenn alles gut läuft, sind für das laufende Jahr schwarze Zahlen möglich. Voraussetzung dafür sei ein BSE von mindestens 70 Millionen. «Damit könnte es reichen», sagt Meyer. Gerechnet hatte man bei der Eröffnung noch mit 100 Millionen. Nichts wird mit den für 2016 in Aussicht gestellten Gewinnsteuern für die Stadt, den Kanton und den Bund von insgesamt 2,4 Millionen Franken. Wegen der Verlustvorträge sind laut Meyer bis 2018/2019 keine Steuergelder zu erwarten. Klappen sollte es hingegen mit der 1,3-Millionen-Abgabe an die Organisation Zürich Tourismus. Diese muss dem Casino im Gegenzug Kunden zuschanzen. Die Casino-Verantwortlichen erwarteten, dass 15 Prozent der Gäste Touristen sind.

Davon ist man aber noch weit entfernt, wie Favraud sagte. Unklar ist noch vieles. So auch, ob ein Gast aus Aarau als Tourist zu zählen ist oder nicht.

Nicht wie geplant verläuft auch die Eröffnung des Restaurants im fünften Stock. Diese Eröffnung war für dieses Jahr vorgesehen, muss aber auf 2014 verschoben werden. Als Grund nannte Erwin Cresta, Leiter Business Development, die sehr strengen feuerpolizeilichen Auflagen im denkmalgeschützten Gebäude.

Der Denkmalschutz verunmögliche es auch, den Bau etwas mehr nach Casino aussehen zu lassen. Cresta würde gerne mit Lichtprojektionen arbeiten. Bisherige Versuche seien aber erfolglos geblieben. Die Stadt habe eine Bewilligung verweigert. Cresta: «Anwohner beklagten sich, es sei zu hell.» Besser als in Zürich läuft es der Casino-Konkurrenz in Baden. «Wir werden für 2012 und vermutlich auch für 2013 deutlich schwarze Zahlen präsentieren können», sagt Grand-Casino-Direktor Detlef Brose. Die neue Spielbank in Zürich bescherte seinem Haus zwar einen Umsatzrückgang von 30 Prozent. Dieser fiel aber geringer aus als befürchtet.

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