Kloten

Dachse, Vögel und Igel: The Circle ist auch für Naturfreunde eine runde Sache

Park-Rangerin Melanie Inhelder ist Spezialistin für urbane Ökosysteme.

Park-Rangerin Melanie Inhelder ist Spezialistin für urbane Ökosysteme.

Der milliardenschwere Neubau am Flughafen Zürich ist fast fertig. Gleich dahinter befindet sich ein Park, für den die Flughafen-Zürich-Rangers Führungen anbieten. Auch ein Dachs ist dort zu Hause.

Melanie Inhelder schickt ihre Schützlinge allein auf den Weg: «Folgt diesem Pfad bis zur Feuerstelle, und achtet darauf, was ihr wahrnehmt», sagt die Flughafen-Rangerin. Ich stapfe über den Holzschnitzelpfad und nehme Baulärm wahr; bald darauf das Rascheln von Blättern, auf die Regen platscht. Manchmal piepst ein Vogel. Nasse Äste streifen meine Jacke. Dann erreichen wir die Lichtung mit der Feuerstelle, um die grosse Holzblöcke als Sitze gruppiert sind.

Die Rangerin hat gerade von der letzten Eiszeit erzählt, die die heute vom Flughafen Zürich geprägte Landschaft formte – auch den Moränenhügel Butzenbüel, auf dem wir uns befinden. Er heisse jetzt «Park», sagt Flughafen-Sprecherin Raffaela Stelzer.

Der Park ist 80'000 Quadratmeter gross. Er liegt direkt hinter der Grossüberbauung namens The Circle, die 180'000 Quadratmeter Nutzflächen bietet. 1,2 Milliarden Franken haben die Flughafen Zürich AG und die Swiss Life AG in den Circle investiert. 6500 Arbeitsplätze soll es in der Überbauung bald geben.

80 Prozent der Flächen sind vergeben. Grossmieter sind das Universitätsspital Zürich und die Hyatt International, die zwei Hotels und ein Kongresszentrum eröffnet. Auch die Flughafen Zürich AG belegt einen Grossteil der Flächen. Zu den Mietern zählen ausserdem Firmen wie Microsoft, Jelmoli und Raiffeisen. Auch ein Dachrestaurant ist geplant. Am 5. November wird The Circle offiziell eröffnet.

Schon ab Oktober bietet der Flughafen monatlich vier bis fünf kostenpflichtige Ranger-Führungen durch den Park an. Sie ergänzen die Angebote, die den Flughafen zum, laut Stelzer, zweitbeliebtesten Ausflugsziel im Kanton Zürich nach dem Zoo Zürich machen. Allein die Zuschauerterrasse mit Blick auf die Flugzeuge lockt jährlich 300'000 Besucherinnen und Besucher an; hinzu kommen Führungen, Rundfahrten und die zumeist ausgebuchten Kindergeburtstagspartys, was zusammen nochmals durchschnittlich 90000 Besucher pro Jahr generiert. Auch die ersten Rangerführungen im Oktober sind bereits gut gebucht, wie am Rande des Rundgangs zu erfahren ist.

Der Flughafen präsentiert sich nun also auch als Ausflugsziel für Naturfreunde. Etwas grüne Imagebildung kann ja nicht schaden, zumal die Flugpassagierzahlen seit Corona brutal eingebrochen sind.

«Wir versuchen, Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln», erklärt Rangerin Inhelder beim Gang von der Himmelsplattform zuoberst auf dem Butzenbüel in Richtung Feuerstelle. Und fügt an, die Parklandschaft sei natürlich grösstenteils das Werk von Menschenhand: «Da ist viel Natur, aber wenig klassische Wildnis.» Inhelder ist diplomierte Umweltingenieurin und spezialisiert auf urbane Ökosysteme. Was perfekt zu ihrem Zweit-Arbeitsort im Flughafen-Park passt, wie sie sagt.

Wo der Dachs den Igel zerfleischt

Dem Pfad entlang wachsen Haselnusssträucher. Sie könnten die seltenen Haselmäuse und Rötelmäuse ernähren, die es hier aber noch nicht gibt. Inhelder zeigt Fotos von den putzigen Tieren. Bald darauf erreichen wir einen Dachsbau. Er liegt am Rande des Parks, gleich neben der Autobahn. Der Dachs habe sich schon bei einem ihrer ersten Test-Rundgänge bemerkbar gemacht, sagt die Rangerin. Damals zeigten sich Frassspuren an einem Igel, den der Dachs auf dem Holzschnitzelpfad zurückliess. Nach eineinhalb Stunden endet die Park-Safari bei einem frisch ausgebaggerten und neu bepflanzten Teich. Ein kleiner Bergmolch schleicht durch den Kies am Ufer. Inhelder nimmt ihn behutsam in die Hand und setzt ihn etwas weiter weg, damit er nicht zertrampelt wird. Gleich nebenan verbindet eine neue Standseilbahn den Hügel mit der Grossüberbauung The Circle, wo Bauarbeiter eilig letzte Arbeiten erledigen.

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