Corona
Omikron verschärft den Personalmangel in den Spitälern

Rekordhohe Corona-Infektionszahlen sorgen gegenwärtig für den Ausfall von Arbeitskräften – auch in den Zürcher Spitälern.

Matthias Scharrer
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Coronabehandlung auf der Intensivstation des Stadtspitals Zürich.

Coronabehandlung auf der Intensivstation des Stadtspitals Zürich.

Keystone

Es ist ein neuer Rekordwert, den Peter Indra am Donnerstag an einer Medienorientierung bekannt gab: Die Zahl der nachgewiesenen neuen Corona-Infektionsfälle lag am Nachmittag im Kanton Zürich bei 6500, so der Leiter des kantonalen Amts für Gesundheit.

Doch die Fallzahlen seien trügerisch. Denn aufgrund des häufig eher milden Verlaufs mit der jetzt vorherrschenden Omikron-Variante des Coronavirus hätten viele das Gefühl, sie müssten sich nicht testen lassen. Indra rechnet daher mit einer hohen Dunkelziffer: Die Zahl der tatsächlich Infizierten dürfte demnach doppelt bis viermal so hoch sein wie die der nachgewiesenen Infektionsfälle.

Allein am Unispital fallen 111 Mitarbeitende aus

Bis jetzt hat im Zeichen von Omikron die Zahl der Hospitalisierten deutlich weniger zugenommen als bei früheren Wellen der nun seit zwei Jahren andauernden Coronapandemie. Doch das könne sich noch ändern, da die Hospitalisationen jeweils mit rund zwei Wochen Verzögerung auf die Ansteckungen folgten. Daher zählt laut Indra jetzt vor allem eines: «Wie sorgen wir dafür, dass es ein Nacheinander und nicht ein Miteinander der Ansteckungen gibt?»

Dies sei wichtig, um zu verhindern, dass gleichzeitig zu viele Arbeitskräfte ausfallen. Allein am Universitätsspital Zürich (USZ) fehlen aktuell 111 Mitarbeitende, weil sie in Quarantäne oder Isolation mussten, sagte USZ-Direktor Gregor Zünd. Die pandemiebedingte Personalausfallquote liege derzeit bei ein bis zwei Prozent, mit täglichen Schwankungen.

Im Spital Limmattal fielen am Donnerstag 15 Angestellte wegen coronabedingter Isolation und 9 wegen Quarantäne aus, wie ein Spitalsprecher auf Anfrage mitteilte.

Der Fachkräftemangel sei schon vor der Pandemie eines der grössten Probleme gewesen, sagte Marco Gugolz, Direktor der Klinik Hirslanden, an der Online-Medienorientierung. Nun habe sich die Situation verschärft: «Täglich rufen Mitarbeitende an, weil sie sich angesteckt haben, meistens im privaten Umfeld, von Kindern, die sich in der Schule infizierten.» Er sei daher dem Bundesamt für Gesundheit dankbar dafür, dass es die Quarantäne- und Isolationsfrist auf fünf Tage verkürzt hat.

Leere Intensivpflegebetten, weil Personal fehlt

Dennoch führten Personalausfälle in den Zürcher Spitälern derzeit immer wieder dazu, dass eigentlich vorhandene Betten auf den Intensivstationen zeitweise nicht nutzbar seien, erklärte Jörg Gruber, stellvertretender Leiter des kantonalen Amts für Gesundheit. Fazit von Amtschef Indra: «Die Spitäler sind hart an der Grenze der Belastbarkeit.» Laut Gruber sind die Intensivstationen derzeit relativ konstant zu 90 Prozent ausgelastet. Davon seien rund 30 Prozent Coronapatienten, die sich zumeist mit der Delta-Variante des Virus angesteckt haben.

Systematisch untersucht im Kanton Zürich nur das Unispital, mit welcher Virus-Variante sich Spitalpatienten infiziert haben. Laut Zünd musste dort bislang wegen Omikron niemand ins Spital.

Fest steht: Die Behandlung von Coronapatienten auf den Intensivstationen dauert in der Regel weitaus länger als sonst bei Intensivpatienten üblich, wie Bernd Yuen betonte. Zum Teil seien die Coronapatienten wochenlang auf der Intensivstation, so der Leiter des Instituts für Intensivmedizin im Stadtspital Zürich weiter. «Die Auslastung liegt bei uns jetzt bei 100 Prozent. Das heisst, wir müssen jeden Tag überlegen, wen wir verlegen können. Das ist im Moment die grösste Belastung», sagte Yuen. Auch Kündigungen wegen der hohen Arbeitsbelastung seien zu verzeichnen, so der Intensivmediziner des Stadtspitals.

Boostern, Homeoffice, Hygiene und Masken

Bleibt die Frage: Was tun, damit sich die Omikron-Welle nicht noch schneller und höher aufbaut und damit direkt oder indirekt die Belastung in den Spitälern weiter verschärft? Indra verwies an erster Stelle auf die Booster-Impfung. Eine soeben erschienene Studie der Harvard-Universität habe deren weitgehende Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante des Coronavirus bestätigt.

Zudem habe man vom Kanton aus diverse Firmen darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Mitarbeitenden jetzt möglichst wenig Kontakte haben sollten. Homeoffice bleibe daher wichtig. Dasselbe gelte auch für die bekannten Hygienemassnahmen wie Hände waschen und das Tragen von Atemschutzmasken.