Zürich

«Carlos» droht sogar eine Verwahrung: «Schlimmer als die Todesstrafe»

"Carlos" ist wohl einer der bekanntesten Schweizer Straftäter – und wird möglicherweise verwahrt. (Archiv)

Der als «Carlos» bekannt gewordene junge Mann kommt nicht aus den Schlagzeilen. Immer noch sitzt er in Untersuchungshaft, weil er in der Justizvollzuganstalt Pöschwies in Regensdorf ZH mehrere Aufseher angegriffen hat. Nun könnte sogar eine Verwahrung auf ihn zukommen.

In den Tumult im Sommer 2017 waren insgesamt sieben Aufseher involviert. Einer musste zur Kontrolle ins Universitätsspital Zürich. Wahrscheinlich muss sich Carlos dafür wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und wegen Sachbeschädigung verantworten, wie Justizdirektorin Jacqueline Fehr damals sagte.

Im Rahmen des Vorverfahrens wird nun von Carlos ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Der Gutachter wird sich auch zur Frage einer "ordentlichen Verwahrung" äussern. Der zuständige Staatsanwalt Ulrich Krättli bestätigte gegenüber Keystone-SDA eine entsprechende Meldung in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom Donnerstag.

Über die Verwahrung entscheiden wird dann das Gericht. Wie Krättli weiter sagte, gibt es jedoch noch keinen Gerichtstermin, "da noch das Vorverfahren läuft".

Eine Verwahrung wäre für den mittlerweile 23-Jährigen "schlimmer als die Todesstrafe. Sie würden mich damit lebendig begraben", sagte er gegenüber der "NZZ". "Klar bin ich kein Engel, aber die machen mich zu einem Monster. Die Wahrheit aber liegt wohl irgendwo dazwischen."

18-monatige Freiheitsstrafe

In der Pöschwies befand sich "Carlos", weil er im März 2017 wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Er hatte 2016 einen flüchtigen Bekannten beim Aussteigen aus dem Tram niedergeschlagen. Dieser brach sich dabei den Kiefer und erlitt weitere Verletzungen.

Im vergangenen Jahr befand der Staatsanwalt eine Verwahrung als "nicht verhältnismässig". Allerdings waren sich schon damals Staatsanwalt und Richter einig, dass eine Verwahrung "ernsthaft geprüft werden müsse, falls es zu einem Vorfall kommen sollte".

"Carlos" war durch einen SRF-Dokumentarfilm über den damaligen leitenden Zürcher Jugendanwalt im Sommer 2013 landesweit bekannt geworden. Nach der Ausstrahlung entflammte eine hitzige Diskussion über Sinn und Kosten der Behandlung junger Straftäter.

Besonders zu reden gab sein "Sondersetting" mit Thaibox-Training. Sie war mit ein Grund, weshalb der grüne Zürcher Regierungsrat und Justizdirektor Martin Graf im Frühling 2015 abgewählt wurde.

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