Shopping
Wo Manor war, soll Brannhof werden: Jetzt beginnt eine kritische Bauphase

Der Umbau des ehemaligen Manor-Gebäudes an der Zürcher Bahnhofstrasse schreitet voran. Das einstige Warenhaus soll künftig Läden und Büros bieten ‒ und erhält nun ein drittes Untergeschoss.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Die Brannhof-Baustelle in der Zürcher City.

Die Brannhof-Baustelle in der Zürcher City.

Keystone

Handwerker sitzen auf dem Gerüst um das einstige Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse, vertieft in ihre Arbeit. Einer klopft mit Hammer und Meissel die Sandstein-Fassade ab, ein anderer kontrolliert die über 100-jährigen Fenster, um Schwachstellen zu flicken. Journalisten staksen durchs Gestänge, um sich den Umbau des geschichtsträchtigen Hauses neben der Pestalozziwiese anzuschauen. Ende Januar 2020 zog Manor hier aus, nach 35 Jahren als Warenhaus inmitten der City. Und nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit dem Immobilienbesitzer Swiss Life. Es ging um eine massive Mieterhöhung. Nun investiert Swiss Life 100 Millionen Franken in den Umbau.

Im Untergeschoss, im Erdgeschoss und im ersten Stock entstehen Läden. Bis zu zehn Geschäfte können einziehen, sagt Projektleiter Christoph Kling beim Baustellenrundgang am Dienstag. Was für Läden kommen, sei noch offen. Vielfalt werde angestrebt. Und eine Eröffnung aufs Weihnachtsgeschäft 2023 hin.

Vom zweiten bis zum sechsten Stock entstehen Büros. Diese seien weiterhin gefragt, trotz Corona und Homeoffice, meint Giorgio Engeli, Portfoliomanager bei Swiss Life. Er preist das Büro als Ort des Austauschs und der Kreativität. Und den Umbau als Rückkehr zu den Ursprüngen des Warenhauses an der Bahnhofstrasse 75-79.

Ein Lichthof und eine Halle erinnern an die Ursprünge

Der Kaufmann Julius Brann hatte das Warenhaus 1912 eröffnet. Bis 1930 wurde es erweitert. Im Inneren gab es damals einen grossen Lichthof. Zur Linthescher-Gasse hin prägten farbige Fenster den Gebäudekomplex. Mit dem Einbau von Rolltreppen in den 1960er- und 70er-Jahren rückten diese jedoch aus dem Blickfeld. Auch der geräumige Lichthof musste Einbauten weichen.

Das Warenhaus Brann in den 1930er-Jahren.

Das Warenhaus Brann in den 1930er-Jahren.

Baugeschichtliches Archiv Zürich

Nun soll die ursprüngliche Architektur wieder erlebbar werden. Projektleiter Kling sagt: «Das Gebäude soll so erscheinen, wie es 1910 bis 1930 gebaut wurde.» Entsprechend wird es jetzt als «Brannhof» vermarktet.

Konkret sei ein Lichthof geplant, der in den Büros vom zweiten bis zum sechsten Stock für Tageslicht sorgt. Und eine Halle, die bis hinunter ins Erdgeschoss reicht. Durch den Wegfall der Rolltreppen werden in der Halle auch die farbigen Bleiglasfenster wieder von innen sichtbar.

Der Lichthof lässt sich erst erahnen.

Der Lichthof lässt sich erst erahnen.

Keystone

Noch ist dies allerdings Zukunftsmusik. Die Bleiglasfenster sind ausgebaut und gerade bei einem Spezialisten zur Revision. Die Wände und Böden im Inneren sind so weit herausgerissen, dass sich die künftige Halle und der Lichthof erahnen lassen. Doch der Glamour des Belle-Epoque-Warenhauses ist weit weg. Stattdessen fühlt sich ein Fotograf an Bilder ausgebombter Häuser im Nahen Osten erinnert.

Eine heikle Bauphase steht nun bevor: Der Einbau eines dritten Untergeschosses an der Bahnhofstrasse 75, für verbesserte Anlieferung und zusätzliche Technikflächen. Zusätzliche Stützen sind bereits eingebaut. Kling sagt:

«Jetzt kommt der kritische Moment, wo wir anfangen, auszugraben.»

Doch es sei vorgesorgt, damit nichts einstürze. Kritisch ist auch das Thema Energieversorgung in Zeiten des Klimawandels. Modernste Gebäudetechnik trage zu Verbesserungen bei, ebenso die neuen Fenster, die innen zu den über hundertjährigen hinzugefügt werden, betonen die Swiss-Life-Vertreter. Geheizt werde aber vorerst mit Gas, weshalb noch kein Minergie-Standard erreichbar sei. Doch eventuell sei in ein paar Jahren ein Anschluss an den Seewasserverbund Coolcity möglich – ein Projekt des Elektrizitätswerks Zürich zur Nutzung der Wärme und Kälte des Zürichsees.

Bleibt noch die Frage nach der Mietzins-Entwicklung. Um wie viel höher als früher der erwartete Ertrag sei, will Engeli nicht sagen. Nur so viel lässt er sich entlocken: Trotz des Verlusts von Mietflächen durch den Einbau des Lichthofs und der Halle rechne er mit höheren Erträgen als zu Manor-Zeiten. Und selbstverständlich solle auch die 100-Millionen-Investition rentieren.

So soll der Brannhof 2023 aussehen.

So soll der Brannhof 2023 aussehen.

Visualisierung Zvg

Aktuelle Nachrichten