Wahlen 2019

Badran ist die Panaschierkönigin — sie holt sich auch Stimmen von SVP-Wähler

Jacqueline Badran erhielt 1800 Stimmen von SVP-Wählern und 3000 von FDP-Wählern.

Jacqueline Badran erhielt 1800 Stimmen von SVP-Wählern und 3000 von FDP-Wählern.

Politiker von SP, Grünen und GLP haben bei der Nationalratswahl am meisten Stimmen von fremden Listen geholt. Nach Jacqueline Badran (SP) landen Bastien Girod (Grüne) und Tiana Moser (GLP) auf dem Panaschier-Podest.

Auf Nationalrätin Jacqueline Badran (SP) passt die Beschreibung einer politischen Naturgewalt. Wer sich ihr in den Weg stellt, muss aufpassen, dass er oder sie nicht unter die Räder gerät. Diese Politikerin ist bei anderen Parteien aber nicht nur gefürchtet, sondern auch beliebt. Das zeigt die vom Statistischen Amt des Kantons Zürich gestern publizierte Panaschierstatistik der jüngsten Wahlen. Die Statistiker zählten die Fremdstimmen, die Stimmen also, welche die Kandidaten von anderen als den eigenen Listen erhalten haben. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, mussten sie die Werte umrechnen. Auf Panaschierstimmen pro 1000 listenfremde Wahlzettel.

Die so bereinigte Rangliste ergibt folgendes Bild: Auf dem ersten Platz figuriert mit dem höchsten Wert von 89 Fremdstimmen (pro 1000 fremde Wahlzettel) besagte SP-Frau Jacqueline Badran. Sie startete auf der SP-Liste von Platz drei aus und schaffte es an die Spitze. Den zweiten und dritten Platz holten Bastien Girod (Grüne) und Tiana Moser (GLP) mit 84 beziehungsweise 80 Stimmen. Die Rangliste (siehe Grafik) zeigt auch, dass die grüne Ständeratskandidatin Marionna Schlatter zwar etwas schlechter abschneidet als Moser, aber ebenfalls weit vorne liegt. Weiter wird deutlich, dass das Personal der SP, Grünen und GLP die ersten zehn Ränge unter sich aufteilen. Bürgerliche sind auf der Liste spärlich. Als erste erscheint Doris Fiala (FDP) auf Platz zehn.

SVP erhält Stimmen von FDP- und GLP-Wählern

Nicht nur die Kandidierenden, auch die Parteien als Ganzes unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, Fremdstimmen anzuziehen. Die SVP ist bekannt dafür, dass sie eher wenig Stimmen von anderen Listen abzuzügeln vermag. Ihre Stärke basiert fast ausschliesslich auf den listeneigenen Stimmen. Die Auswertung des Statistischen Amtes bestätigt dies. Der Anteil der Panaschierstimmen an allen Stimmen beträgt bei der SVP nur 1,5 Prozent. Bei der SP sind es 6,1 Prozent. Die FDP bringt es auf 4,3, die GLP auf 5,3, die grüne Partei auf 8,1, die CVP auf 8,2 und die EVP auf 7,8 Prozent.

Die SVP holte rund 57 000 Panaschierstimmen, wobei die FDP mit rund 28 000 den Hauptharst beisteuerte, gefolgt von der GLP mit knapp 7000. Unter den SVP-Kandidaten bezog Gregor Rutz am meisten fremde Stimmen, nämlich rund 5600. Die Plätze zwei und drei belegen Roger Köppel und Alfred Heer, beide mit etwa 4800 Stimmen gleichauf. Auffällig ist, dass Rutz weitaus am meisten FDP-Stimmen von allen holte – deutlich mehr als die Hälfte.

Badran holt sich auch Stimmen von SVP-Wählern

Die Zahl der SP-Panaschierstimmen beträgt rund 143 000, wobei der Löwenanteil von den Grünen (73 000) und der GLP (33 000) stammt. Kandidatin Jacqueline Badran holte wie erwähnt mit Abstand am meisten Fremdstimmen im SP-Lager, nämlich rund 30 000. Das sind mehr als doppelt so viele wie die drei nachfolgenden Frauen Mattea Meyer, Min Li Marti und Priska Seiler. Badran bezog von den Grünen rund 13 000, von der GLP 7200 und von der FDP 3000 Stimmen. Sogar die SVP spendete 1800 Stimmen.

Die FDP machte rund 83000 Fremdstimmen und hat zwei etwa gleich grosse Hauptlieferanten: die SVP mit 29 000 und die GLP mit 26 000 Stimmen. Eher knausrig zeigte sich die SP mit knapp 9000 Stimmen. Doris Fiala ist bei der FDP die Klassenbeste mit ihren rund 14000 Panaschierstimmen, die sie von der GLP (4600), der SVP (4000), der SP (2000) und andern verdankt. Mit einigem Abstand auf Fiala folgen Hans-Peter Portmann und Beat Walti.

GLP erhält Stimmen von SP, Grünen und FDP

Der Fremdstimmenanteil der GLP beziffert sich auf rund 91 000, wobei SP, Grüne und FDP die Grosslieferanten sind mit je rund 23 000. Tiana Moser ist mit gut 28 000 Stimmen Panaschierkönigin. Die fremden Stimmen verdankt sie den drei erwähnten Hauptlieferanten. Moser erreicht etwas mehr Fremdstimmen als Martin Bäumle. Hinter diesen beiden folgt weit abgeschlagen Corina Gredig.

Die Grünen holten rund 140 000 Fremdstimmen. Die SP fungiert als grosse Spenderin. Sie steuerte mit knapp 83 000 deutlich mehr als die Hälfte aller grünen Panaschierstimmen bei. Zweite wichtige Lieferantin ist die GLP mit 30 000 Stimmen. Unter den grünen Kandidaten erweisen sich Bastien Girod und Balthasar Glättli als beste Fremdstimmen-Magneten, wobei Girod die Nase mit gut 29 000 Stimmen vorn hat.

Eine deutliche Diversifizierung zeigt sich bei der CVP. Sie holte ihre 41 000 Fremdstimmen zu ähnlich grossen Teilen im rechten und linken Lager, wobei FDP und GLP dominieren.

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