Winterthur
Aus Muttermilch wird Schmuck – diese Frauen machen es möglich

Zwei Winterthurer Freundinnen verkaufen Kunstperlen, die sie aus Milch der Kundinnen herstellen.

Martin Gmür
Drucken
Teilen
Mirjam Glättli und Rahel Kappes (vorne) kennen sich seit ihrer Kindheit. Nun machen sie zusammen Schmuck.

Mirjam Glättli und Rahel Kappes (vorne) kennen sich seit ihrer Kindheit. Nun machen sie zusammen Schmuck.

Heinz Diener

Rahel Kappes wurde vor einem Jahr Mutter, und als Gotte von Elijah wählte sie ihre beste Freundin Mirjam Glättli. Die beiden 26-jährigen Frauen kennen sich seit der Kindheit, ihre Familien waren Nachbarn in Höri, die Schulzeit durchliefen sie gemeinsam, und nun haben sie gemeinsam ein Projekt gestartet, dem ihre Aufmerksamkeit gilt und das Aufmerksamkeit erregen wird.

Im Atelier an der Gottfried-Keller-Strasse unweit des Kantonsspitals Winterthur stellen sie Schmuck her, der teilweise aus Muttermilch besteht: Halsketten für 115 bis 330 Franken, Armkettchen ab 115 Franken, Ohrringe und Ohrstecker, preislich dazwischen. Den Schmuckstücken gemeinsam sind Perlen, die aus der Muttermilch der Kundin gefertigt werden.

 So sehen die Perlen aus: Es gibt sie rund oder in Tropfenform.  

So sehen die Perlen aus: Es gibt sie rund oder in Tropfenform.  

Zur Verfügung gestellt

Rahel Kappes ist gelernte Zahntechnikerin, sie kennt sich aus mit Kunstharz und Derartigem: «Wir verwenden ein hochwertiges Zweikomponenten-Epoxidharz.» Die beiden tüftelten mehrere Monate lang mit Kappes’ eigener Milch, bis sie die richtige Mischung fanden. Jetzt produzieren sie Perlen in verschiedenen Grössen und mit verschiedenen Oberflächen.

Wie bleibt die Milch frisch?

Die Kunstperlen hätten ähnliche Eigenschaften wie handelsübliche Perlen, versprechen die beiden. Sie hätten ihr Produkt extern prüfen lassen und gute Resultate erzielt. Trotzdem raten sie: den Schmuck nicht an der prallen Sonne liegen lassen, ihn beim Baden ablegen, ebenso beim Schlafen und beim Schwitzen. Sonst droht irgendwann eine Farbveränderung Richtung Gelb.

«Unser Design ist filigraner und die Materialien sind hochwertiger als bei vergleichbaren Angeboten.»

Mirjam Glättli, Mitgründerin Atelier Miah

Und noch eine Frage treibt mögliche Kundinnen um: Wer garantiert, dass wirklich die eigene Milch verarbeitet wird? «Unser Bestellprozess ist so durchdacht, dass wir vom ersten bis zum letzten Schritt immer genau wissen, um welchen Auftrag und welche Muttermilch es sich handelt», versprechen die beiden. Die Kundin erhalte nach der Bestellung einen mit Namen beschrifteten Beutel zugeschickt plus ein Retourcouvert zur Einsendung.

Damit die Milch, ob frisch oder gefroren, in guter Qualität verarbeitet werden kann, ist das Retourcouvert als A-Post frankiert, und die Kundin wird gebeten, das Milchpäckli zwischen Montag und Donnerstag aufzugeben, damit die Milch nicht ein ganzes warmes Wochenende lang irgendwo auf dem Postweg liegen bleibt.

Seit einem Monat im Geschäft

Die beiden frischgebackenen Geschäftsfrauen gehen gekonnt ans Werk. Als Model posierte Rahel Kappes mit Söhnlein Elijah gleich selber. Für die Vermarktung und die professionelle Gestaltung der Homepage www.miah.ch ist Mirjam Glättli verantwortlich, die als festes Standbein noch einen Teilzeitjob im Marketing einer Informatikfirma innehat.

Im Juni hätten sie ihr Angebot online geschaltet und seither bereits mehrere Aufträge ausgeführt, sagt Glättli: «Wir haben viel Lob und Begeisterung ernten können.» Ihre Geschäftsidee haben die beiden ebenfalls online gefunden: «Als sich Rahel nach Elijahs Geburt in Mütterforen umschaute, stiess sie auf eine australische Firma, die Schmuck aus Muttermilch anbot.»

Im deutschsprachigen Raum gebe es ähnliche Angebote, «aber unser Design ist filigraner und die Materialien sind hochwertiger». So achte man darauf, nur sogenanntes Green Gold mit ethisch sauberer Herkunft zu verarbeiten. Und ja: Sie wollen ihr Geschäft zum Erfolg mit rechtem Einkommen bringen.

Aktuelle Nachrichten