Zürich

«Aus einer Krise neue Möglichkeiten schaffen» – Hotel Fly Away wird zu Wohngemeinschaft

In Kloten startet ein Jungunternehmer ein Co-Living-Projekt. Die ersten Reaktionen fallen positiv aus.

Die Hotellerie in städtischen Gebieten hat wegen des Coronavirus und der damit verbundenen Reiseeinschränkungen eine harte Landung hinter sich. Doch in der Flughafenstadt Kloten lässt man sich nicht so einfach «grounden». Das gilt schon gar nicht, wenn sich ein Haus seit Jahrzehnten als «Fly Away» einen Namen gemacht hat. Der Betrieb an der Marktgasse 19 scheint nun wieder abzuheben.

Seit 1. Oktober beherbergt das Haus allerdings keine Touristen, Geschäftsreisende und Kongressgäste mehr, wie dies bis anhin der Fall war. Neuerdings wird es als Wohnhaus genutzt. Dahinter steht die junge Firma Tomo Domo und dessen Gründer Johannes Peter.

Unter der Philosophie des gemeinschaftlichen Wohnens – neudeutsch auch Co-Living genannt – will der findige Mittdreissiger mit seinem Vorhaben «Wege aus der Krise für leer­stehende Hotels» aufzeigen. Pünktlich zum grossen Zügeltermin im Herbst eröffnete Peter in Kloten gemäss eigenen Angaben «das erste Co-Living-­Projekt der Schweiz».

Dazu wurden im ehemaligen Hotel Wände herausgebrochen und zwei Grossküchen samt Bar eingebaut, welche die künftigen Bewohner des Hauses gemeinsam nutzen werden. Ausserdem wurden alle Zimmer von der Tomo-Domo-Crew aufgepeppt. Dazu seien rund 200000 Franken investiert worden, sagt Johannes Peter.

Möglich gemacht hat diesen schnellen Neustart unter dem Namen «Domo Vuelo» auch der Hotelier und Direktor der Klotener Unternehmensgruppe Welcome Hotels, Marcel Wohlgemuth. Er hat auch den Umbau finanziert. Auf Anfrage mag er am Telefon nicht gross über die Begleitumstände dieser Umnutzung und den derzeitigen Zustand der Hotelbranche reden.

Eine neue Idee, die zur rechten Zeit kommt

Der CEO des Hotelimperiums mit Häusern in Kloten (Allegra, Welcome Inn), Basel und Bern findet aber lobende Worte für das Konzept und den Innovationsgeist seines neuen Geschäftspartners Tomo Domo. «Das ist eine sehr gute Idee, die super in diese Zeit passt.» Der gemeinschaftliche Aspekt bei der neuen Nutzung der einstigen Hotelzimmer im Zentrum von Kloten gefällt ihm. Wieso ist er dann nicht selber auf diese Idee gekommen und setzt das in Eigenregie um? «Wir könnten das nicht. Wir sind Hoteliers, das ist etwas ganz anderes», sagt Wohlgemuth.

Natürlich sei man ständig herausgefordert, neue Konzepte zu entwickeln und die Hotelliegenschaften auf die Bedürfnisse der Gäste abzustimmen, lässt Wohlgemuth überdies in einer Pressemitteilung zur Neueröffnung seines Hauses als Co- Living-Space verlauten. «Mit Tomo Domo haben wir einen Partner gefunden, der ein zukunftweisendes Projekt mit viel Hingabe, Kreativität und höchster Professionalität umsetzt. Unser Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie wir aus einer Krise neue Möglichkeiten schaffen.»

Das neuartige Wohnangebot scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Jungunternehmer Peter kann schon erste Erfolge vermelden. «Es sind bereits mehr als 100 Bewerbungen für die Zimmer eingegangen.» Gemäss aktuellem Stand sind schon 70 Prozent der Zimmer vermietet.

Im ehemaligen «Fly Away» an der Marktgasse sind auf zwei Etagen verteilt insgesamt 38 Zimmer vorhanden. Diese sind ab 1095 Franken pro Monat für eine Mindestdauer von drei Monaten zu mieten. Hinzu kommen monatlich 95 Franken, die in eine separate WG-Kasse fliessen. Dieses Geld soll für gemeinschaftliche Auslagen gebraucht werden.

Überhaupt spielt im Ex-Hotel das Kollektiv wie in einer Wohngemeinschaft eine zen­trale Rolle, wie Peter ausführt. Der Firmenname Tomo Domo stammt aus dem Japanischen und steht für «zusammen». Die Bewohnerinnen und Bewohner mieten ihr privates Zimmer und teilen sich Gemeinschaftsflächen wie die Küche, ein Wohnzimmer und eine Terrasse. Das Alter sowie der persönliche Hintergrund der Bewohner seien dabei weniger wichtig als «die Freude und Bereitschaft, mit anderen Menschen zusammenwohnen zu wollen», sagt Peter.

Das ehemalige Hotel soll denn auch keinesfalls zu einem reinen Studentenheim werden, wo es ständig wilde Partys gebe. «Wir streben eine gute Durchmischung an.» Zwar seien die meisten Mieter in der Tat jung und in der Regel zwischen 20 und 30 Jahre alt. Es seien aber auch einige Mittvierziger und ein paar über 50-jährige Neuzuzüger unter den künftigen Bewohnern des Hauses.

«Das Ziel ist es, eine möglichst langfristig orientierte Mietergemeinschaft aufzubauen», sagt Peter zu seinem Planungshorizont. Sein Unterfangen in Kloten ist zunächst auf mindestens drei Jahre angelegt. Dann zeichnet sich anstelle der heutigen Bauten ein neues Immobilienprojekt mit einer neuen Bebauung des Grundstücks ab.

Im Erdgeschoss des ehe­maligen Klotener Hotels bleibt das bisherige Restaurantangebot bestehen. Das Ristorante Mercato wie auch die Pizzeria Giardino haben weiterhin normal geöffnet.

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