Kostümverkauf

Angezogen wie «Der Bestatter» Luc Conrad: «Dieses Hemd hat eine Geschichte»

Für wenig Geld liessen sich am Samstag Kleider der Schweizer Erfolgsserie ergattern. Ein Anzug von Luc Conrad für 50 Franken, ein T-Shirt der Kommissarin Anna-Maria Giovanoli für 5 Franken – für alle hatte es was dabei. Die Atmosphäre war familiär und sehr gemütlich.

«Der Bestatter» wird bald beerdigt, doch seine Kleidung lebt weiter. Am Samstag wurden die Kostüme der SRF-Erfolgsserie im Kostümfundus in Zürich Altstetten verkauft. Falls man sich eine edle Versteigerung vorgestellt hatte, wurde man enttäuscht. Denn die Atmosphäre im Industriegebäude, das bald abgerissen wird und in dem sich auch das Polizeibüro des Filmstudios befindet, erinnerte eher an die eines Flohmarkts.

Es ging familiär zu und her. Die Preise waren tief, keinerlei Allüren zu erkennen. Auch wenn hier im Kostümfundus die Kleider von Mike Müller und Co angepriesen wurden. Doch die Organisatoren wussten: Die Kleider sind Secondhand und können deshalb nicht teuer verkauft werden, nur weil sie Teil der Erfolgsserie waren.

Der grosse Ansturm fand um 12 Uhr statt, als der Kostümverkauf seine Tore öffnete. Rund 30 Personen warteten darauf, ein Kleidungsstück ihrer Lieblingsserienfigur zu ergattern. Ein Mann war sogar schon seit 10 Uhr dort — er hatte die Uhrzeit falsch im Kopf. Dennoch blieb er zwei Stunden da, ehe der Verkauf startete.

Prall gefüllte Taschen

Im Verlauf des Tages waren dann zwar weniger Leute zugegen, aber nichtsdestotrotz herrschte reges Treiben: Vier Frauen hätten den Laden am liebsten leer gekauft. Anna Schmid, die Schwester der Organisatorin und Kostümbildnerin Ursina Schmid, nahm gleich ihre Freundinnen mit. Diese schlugen zu und gingen mit prall gefüllten Taschen nach Hause. Aber nicht nur die Besucher probierten fleissig Kleider an — auch die Mitwirkenden der Produktion. Sie berieten sich gegenseitig, bis sie Kleider auf den «Kaufen»-Stapel legten. Man merkte, wie eng die Dreharbeiten diese Leute miteinander verbunden hatten. Auch der Regisseur Chris Niemeyer stattete dem Flohmi der etwas anderen Art mit seiner Familie einen Besuch ab.

Es gab natürlich auch noch einige Käufer, die nicht mit der Schwester der Kostümbildnerin befreundet oder Teil des Produktionsstabs waren. Zum Beispiel Guido Arnold, der extra mit seiner Frau aus Zug angereist war. Die Freude über die zur Verfügung stehende Kleidung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er den Raum betrat. Sofort steuerte er auf die Kleiderstange zu, wo die Anzüge von Hauptfigur Luc Conrad aufgehängt waren.

Ein spitzbübisches Grinsen umrahmte sein Gesicht, als er die Stange durchwühlte. Er probierte einen Anzug von Luc Conrad an – «er passt wie angegossen», stellte Arnold freudig fest. Als Nächstes war ein rotes Hemd an der Reihe. Seine Frau fand, es sei viel zu gross. Arnold sagte: «Ach was, das ist gekauft! Dieses Hemd hat eine Geschichte.» Dass Arnold ein grosser «Bestatter»-Fan ist, war unschwer zu erkennen. Er schwärmte von Mike Müller und der Serie, und war überglücklich, dass er Kleidung kaufen konnte, die von Luc Conrad getragen wurde.

Als um 18 Uhr der Verkauf beendet war, gab es müde, aber auch fröhliche Gesichter zu sehen. Eine Flasche Sekt wurde aufgemacht, die Stimmung war ausgelassen. «Etwa 200 Stücke haben wir schon verkauft», sagte Ursina Schmid. Doch weil es so viele Kleider seien, sehe es halt immer noch aus wie am Anfang. Und die erfreulichste Bilanz ist: Jeder, der gekommen ist, hat mindestens ein passendes Kleidungsstück für sich entdeckt und sich richtig wohlgefühlt.

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Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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