Polybahn

Altes Kleid dafür moderne Technik: «Studenten-Express» soll fit für die Zukunft gemacht werden

Mit neuer Technik soll sie nun für die Zukunft fit gemacht werden. Allerdings ist es eine Zukunft mit Fragezeichen.

Sie ist aus dem Stadtbild von Zürich nicht mehr wegzudenken: Die Polybahn. Seit 1889 verbindet die rote Standseilbahn das Central mit der Polyterrasse. Zwei Millionen Fahrgäste sind mit dem «Studenten-Express» jährlich unterwegs.

Im kommenden Jahr müssen die Studierenden und Dozierenden allerdings auf ihr Polybähnli längere Zeit verzichten. Die Bahn wird wegen Sanierungsarbeiten voraussichtlich von Ende Mai bis Mitte September stillstehen. Drei Millionen Franken werden in die Modernisierung gesteckt – es ist die erste grosse Erneuerung seit 1996. Die Finanzierung der Kredite wird durch den Zürcher Verkehrsverbund sichergestellt.

Altes Kleid, moderne Technik

Stephan Stotz, Präsident der Besitzerin UBS-Polybahn AG, beruhigt erst einmal die Nostalgiker: «Das äussere Erscheinungsbild der Polybahn wird durch die Revision nicht verändert.» Allerdings ist es mit etwas Kosmetik nicht getan: Weil man an der Bahn Korrosionsschäden festgestellt hat, werden die beiden Fahrzeuge unter anderem bei der Aussenverkleidung grundlegend saniert, Böden und Sitze werden komplett erneuert.

Komplett ersetzt wird auch der Antrieb. Dieser entspreche nicht mehr dem neusten Stand der Technik, sagt Stotz: «Insbesondere die Elektronikkomponenten der Steuerung sind teilweise nur noch sehr aufwendig zu unterhalten und deshalb auch anfällig für Störungen.» Mit dem Antrieb wird auch das Zugseil ersetzt.

Dank der neuen Antriebstechnik halten die Fahrzeuge, die operativ von den VBZ betrieben werden, zukünftig immer an der gleichen Position in den Stationen. Damit wird der Übergang von der Bahn zur alten Steintreppe optimiert und die Stolperfallen, die es heute je nach Halteposition gibt, eliminiert. Der Umbau muss vom Bundesamt für Verkehr noch genehmigt werden.

Nostalgischer Charakter

Zu guter Letzt wird auch die Bergstation renoviert. Bei Abklärungen mit der Denkmalpflege der Stadt Zürich hat man entdeckt, dass die heutige fast durchgehend in Rot- und Grüntönen gehaltene Farbgebung nicht historisch ist. «Dem Verwaltungsrat liegt es am Herzen, den nostalgischen Charakter der Bahnanlage zu stärken. Die Polybahn ist eine Zeitzeugin und soll als solche erhalten bleiben», sagt Stephan Stotz.

Dass die Polybahn der Stadt Zürich erhalten bleibt, das war nicht immer garantiert – und ist es auch heute noch nicht, wie ein Blick in die wechselvolle Geschichte zeigt. Eigentlich ist die Polybahn eine zu kurz geratene Bergbahn. Die ursprünglichen Pläne in den 1880er-Jahren sahen nämlich vor, das Limmatquai mit dem Zürichberg zu verbinden. Überholt von der Entwicklung der Elektrotechnik, wurden diese Pläne allerdings schon in den 1890er-Jahren wieder fallen gelassen. Immerhin konnte die Bahn 1897 vom Antrieb mit Wasser auf elektrischen Betrieb umstellen, wenn auch für alle Ewigkeit nur auf der 176 Meter langen Strecke bis zur ETH.

Mitte des 20. Jahrhunderts rutschte die Polybahn dann immer wieder in die roten Zahlen. Die Tage der Bahn waren gezählt, als eine Totalrevision unabdingbar wurde. Als das Ende eigentlich schon beschlossene Sache war, rettete die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (heute UBS) die Bahn und sanierte die Bahnanlagen.

Die 5,7 Millionen Franken teure Automatisierung der Bahn 1996 sorgte für Kopfschütteln beim Zürcher Heimatschutz. Die damals komplett neuen Wagen hielt der Heimatschutz nämlich für eine «anbiedernd putzige Rekonstruktion», ja «billiger Nostalgiekitsch» sei das. Immerhin auf einen Rekurs verzichtete man.

Unsichere Zukunft

In Anbetracht der Idee, die der damalige städtische Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger 2016 ins Spiel brachte, wirkt der Kampf um die alten und neuen Bahnwagen geradezu kleinlich. Leutenegger präsentierte eine Rolltreppe als Ersatz, um mehr Menschen rasch ins Uniquartier zu bringen.

Die Idee mit der Rolltreppe verschwand schnell wieder in der Schublade. Das Thema Konkurrenz ist allerdings längst nicht vom Tisch. Die grossflächige Weiterentwicklung des Hochschulgebietes in den kommenden Jahren macht deutlich, dass Polybahn und Trams nicht reichen werden, um die Menschenmassen ins Uniquartier zu bringen. Es erstaunt wegen der vielen Verbindungsideen deshalb wenig, dass der Verwaltungsrat der UBS-Polybahn AG in den jährlichen Analysen auch eine Risikobewertung vornimmt. Droht ein drastischer Rückgang der Fahrgäste, so verliert die Polybahn einen wichtigen Teil ihrer Einnahmen.

Hat die Sanierung der Polybahn im kommenden Jahr also auch eine politische Komponente, die Zukunft der Verbindung zu sichern? Präsident Stephan Stotz gibt sich diplomatisch: «Der Umbau ist primär technisch bedingt und ermöglicht die Verlängerung der Konzession und Betriebsbewilligung.» Er fügt aber auch an: «Für mich ist die Polybahn ein Zürcher Wahrzeichen und gehört zum Stadtbild.»

Meistgesehen

Artboard 1