Zürich
2020 fegte mit Corona die Strassen leer und liess KMUs leiden – aber es gab uns auch ein neues Tram und ein Stadion

Ein Rückblick auf Themen und Ereignisse, die Stadt und Kanton Zürich 2020 bewegten.

Matthias Scharrer
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April: Ein Schild fordert am HB Zürich dazu auf, wegen dem Coronavirus zu hause zu bleiben.
April: Leere Bahnhofstrasse im Lockdown – Sandra Claus lanciert virtuelle Stadtführungen durch Zürich
Juni: In Zürich demonstrieren 10'000 Menschen gegen Rassismus.
Oktober: Nach jahrelanger Planung ist das neue Flexity-Tram nun fahrplanmässig in Zürich unterwegs.
Dezember: Der Bund überrumpelt Regierungsräte Silvia Steiner und Mario Fehr.

zvg

Das Coronajahr 2020 geht zu Ende. Die Pandemie und ihre Folgen prägten fast alle Lebensbereiche, auch in Stadt und Kanton Zürich. Doch daneben gab es auch andere prägende Ereignisse.

Januar

Am 14. Januar meldet die Stadt Zürich, die 2007 beschlossene flächendeckende Einführung eines Glasfasernetzes sei nun fertig. Die Bedeutung der schnellen Internetverbindung im Home-Office wird vielen im Corona-Lockdown zunehmend bewusst.

Am 30. Januar ergeht das Urteil in einem Aufsehen erregenden Mordprozess: Das Bezirksgericht Zürich verurteilt den Seefeld-Mörder Tobias K. zu einer 20-jährigen Freiheitsstrafe. Der Mann hatte 2016 im Zürcher Seefeld ein Zufallsopfer erstochen. Dies, nachdem er aus einem Hafturlaub nicht ins Gefängnis zurückgekehrt war.

Februar

Das kantonale Stimmvolk beerdigt das Milliardenprojekt Rosengartentunnel: Über 60 Prozent der Stimmberechtigten stimmen am 9. Februar gegen den Bau des Autotunnels, der das Zürcher Quartier Wipkingen vom Durchgangsverkehr entlasten sollte. Damit entfällt bis auf Weiteres auch die oberirdische Verkehrsberuhigung und das geplante Rosengartentram. Das Projekt war von rechts und links kritisiert worden, nicht zuletzt wegen der Kosten in Milliardenhöhe.

Am 10. Februar beschliesst der Kantonsrat die Abschaffung des Nachtzuschlags im öffentlichen Verkehr. Wer am Wochenende das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) benützt, muss künftig keinen fünffränkigen Zuschlag mehr bezahlen. Die Neuerung sollte im Dezember in Kraft treten. Allerdings ist das ZVV-Nachtnetz wegen der Corona-Pandemie Ende Jahr ausser Betrieb. Doch das ahnt am 10. Februar noch niemand.

Am 27. Februar meldet die kantonale Gesundheitsdirektion den ersten Zürcher Corona-Fall: Es handelt sich um eine 30-jährige Frau, die kurz zuvor in Mailand war.

März

In der ersten Märzhälfte wird von Tag zu Tag spürbarer, wie das Coronavirus und die Angst davor das Leben auch hierzulande verändert: Umarmungen, Handschläge und Begrüssungsküsschen geraten ausser Mode. Immer mehr Firmen melden Kurzarbeit an. Stark betroffen ist die Eventbranche, nachdem Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden verboten sind.

Auf dem Flughafen Zürich herrscht gähnende Leere. An der Universität Zürich fallen erste Vorlesungen aus. Der Zürcher Kantons- und Gemeinderat tagen nicht mehr im engen Rathaus, der Parlamentsbetrieb fällt bis Ende März aus. Plexiglas-Trennwände eines Zürcher Herstellers finden reissenden Absatz: Behörden und Geschäfte mit viel Kundenkontakt wollen sich und ihre Kundschaft vor dem Virus schützen. Einige Kinos und Konzertlokale stellen bereits freiwillig den Betrieb ein.

Mitte März geht es dann Schlag auf Schlag: Ab 16. März sind die Schulen geschlossen und schalten auf Fernunterricht um, ab 17. März schliessen auf Anordnung des Bundesrats auch alle Geschäfte, die nichts Lebensnotwendiges verkaufen, sowie Restaurants, Klubs, Museen, Theater, Kinos. Der Lockdown ist da. Versammlungen mit mehr als 15 Personen werden verboten. Die Gesundheitsdirektion ordnet an, dass die Spitäler nur noch dringend notwendige Eingriffe vornehmen, um genug Kapazitäten für Corona-Patienten zu haben. Der Regierungsrat beschliesst ein erstes Hilfspaket für kleine und mittlere Unternehmen. Es umfasst hauptsächlich Bankkredite im Umfang von 500 Millionen Franken, wobei der Kanton Zürich für 425 Millionen bürgt.

April

Damit das kulturelle Leben wegen Corona nicht ganz zum Erliegen kommt, lancieren die Festspiele Zürich eine digitale Plattform namens «Festspiele X». Die Pandemie fördert die Digitalisierung vielerorts: Schulkinder treffen ihre Lehrpersonen nun online in Videokonferenzen; eine Stadtführerin bietet neu virtuelle Rundgänge durch Zürich an. Der Zürcher Stadtrat bittet in einer Videobotschaft die Bevölkerung, auf Osterausflüge zu verzichten.

Der Lockdown schlägt wirtschaftlich durch: Jeder dritte Angestellte im Kanton Zürich hat nun Kurzarbeit. Ende April dürfen Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen. Auch andere Läden drängen auf ein Ende des Lockdowns.

Mai

Auch die grösste jährliche Politkundgebung der Schweiz, der Tag der Arbeit in Zürich, findet dieses Jahr grösstenteils virtuell statt: Das Zürcher 1.-Mai-Komitee setzt auf Podcasts. Ab 11. Mai gehen die Zürcher Schulen wieder auf; auch die Restaurants öffnen wieder. Mit einer Maskenverteilaktion werben die Verkehrsbetriebe Zürich am 19. Mai dafür, im öffentlichen Verkehr Atemschutzmasken zu tragen. Noch herrscht dort keine Maskenpflicht – die kommt im Juli.

Juni

Ab 6. Juni sind wieder kulturelle Veranstaltungen mit maximal 300 Personen zulässig, mit entsprechenden Schutzkonzepten. Doch das Zürcher Kultur­leben erwacht nur zaghaft aus der Corona-Zwangspause. Die weltweite Black-Lives-Matter-Bewegung sorgt am 15. Juni trotz Corona für eine Grosskundgebung: In Zürich demonstrieren über 10'000 Menschen gegen die Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen.

Juli

Nachdem ein Corona-Infizierter im Zürcher Partyclub «Flamingo» fünf Personen angesteckt hat, zeigt sich: Das Contact-Tracing funktioniert nicht. Viele Clubbesucher hatten beim Einlass falsche Angaben zu ihrer Person gemacht. Der Regierungsrat führt daraufhin eine Ausweispflicht für Clubbesucher ein.

Rückschlag für ein Grossprojekt: Das Zürcher Verwaltungsgericht hebt den Gestaltungsplan für den geplanten Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf auf. Der Regierungsrat zieht den Fall später weiter ans Bundesgericht, wo er Ende Jahr noch hängig ist.

August

Trotz anders lautenden Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit verzichtet der Kanton Zürich zunächst darauf, eine Maskenpflicht in Läden einzuführenEnde August schwenkt er dann doch auf Maskenpflicht in den Läden um, teilweise auch in Gymnasien. Ein Partyclub-Betreiber hofft auf eine neue Chance: Styn Haueter stellt in Zürich den ersten Maskenautomaten auf. Und beim Albisgüetli veranstalten Schausteller eine wegen Corona stark verkleinerte Knabenschiessen-Chilbi. Auch das Zürcher Theater Spektakel schlägt sich mit einer abgespeckten Ausgabe durch. Die Street Parade fällt zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1992 aus.

September

Nachdem die Volksabstimmungen vom Frühjahr wegen Corona abgesagt wurden, gibt es die direkte Demokratie nun wieder. Am 27. September beschliesst das kantonale Stimmvolk einen gleichmässigere Verteilung der Soziallasten: Der Kanton übernimmt den Grossteil der Kosten, was Gemeinden mit vielen Sozialfällen entlastet. Und das Stadtzürcher Stimmvolk spricht sich erneut für das ge­plante Fussballstadion auf dem Hardturmareal aus.

Oktober

Kehrtwende des Bundesrats: Der Flugplatz Dübendorf soll nun doch nicht regelmässig für die Businessfliegerei umgenutzt werden. Seine künftige Nutzung bleibt vorerst unklar.

In Zürich ist nach langjähriger Planung nun das neue Flexity-Tram fahrplanmässig unterwegs.

November

Die Coronakrise spitzt sich zu: In den Zürcher Spitälern sind die Kapazitäten an Covid-19-Betten stark ausgelastet. Und es gibt Engpässe beim Personal. Am Universitätsspital Zürich sorgt eine weitere Krise für Schlagzeilen: Spitalratspräsident Martin Waser tritt nach Turbulenzen um fragwürdige Abrechnungen und Behandlungen mehrerer hochrangiger Ärzte zurück.

Dezember

Denkwürdiger Höhepunkt im Corona-­Hick-Hack zwischen Bund und Kantonen: Am 9. Dezember verkündet der Zürcher Regierungsrat schärfere Corona-­Massnahmen – wenige Stunden später lanciert der Bundesrat am Abend noch schärfere. Zu Weihnachten sind dann alle Restaurants geschlossen. Der Regierungsrat ordnet zudem die Schliessung der wenigen Zürcher Skigebiete an. Allerdings sind die Wiesen im Zürcher Oberland kurz vor Weihnachten ohnehin noch grün.

Der Kantonsrat heisst ein weiteres Corona-Hilfspaket für Firmen gut: Ab Anfang des kommenden Jahres können diese nebst Krediten auch À-fonds-­perdu-Beiträge beantragen. Ausserdem soll dann das Zürcher Corona-­Impfprogramm anlaufen.

Hier geht es zum Limmattal-Jahresrückblick. Der Sport-Jahresrückblick ist hier zu finden.