Die Rathausbrücke im Herzen der Zürcher Altstadt soll ab 2023 abgebrochen und neu gebaut werden. Gemäss den gestern veröffentlichten Plänen wird die neue Brücke etwas schmaler als die alte. Als einzige ständige Möblierung sind Sitzbänke an den Rändern der Brücke zur Limmat hin geplant. Die heutigen Kioskbauten für Verpflegungsstände entfallen; die Idee sei, Freiraum zu schaffen, erklärte Stadtrat Richard Wolff (AL) gestern vor den Medien. Mobile Verpflegungsstände könne es aber auch in Zukunft auf der Rathausbrücke geben.

Die neue Brücke werde kleiner als die heutige, sagte Simone Rangosch, Direktorin des Stadtzürcher Tiefbauamts. Auch die Brückenpfeiler würden schlanker als bisher. Dies soll dazu beitragen, dass bei Hochwasser genug Wasser unter der Brücke hindurchfliessen kann. Zu diesem Zweck wird auch das Flussbett beim Rathaus um bis zu zwei Meter vertieft.

Hintergrund ist das neue Hochwasserkonzept des Kantons. Es sieht den Bau eines Stollens zwischen der Sihl und dem Zürichsee bei Langnau am Albis und Thalwil vor. Dieser soll die Hochwassergefahren entlang der Sihl entschärfen. Heute drohen in Zürich Milliardenschäden, sollte die Sihl über die Ufer treten – was 2005 beinahe geschah. Aufgrund des Klimawandels wird künftig vermehrt mit Hochwasser gerechnet.

Weil mit dem neuen Stollen mehr Wasser in den Zürichsee fliessen soll, muss auch die Abflusskapazität der Limmat erhöht werden. Dabei ist die Rathausbrücke, die wegen des traditionell darauf stattfindenden Marktes auch Gemüsebrücke genannt wird, eine entscheidende Stelle: Hier ist die Limmat am schmalsten. Und unter der heutigen Rathausbrücke mit ihren breiten Pfeilern wäre zu wenig Platz für die künftig grössere Wassermenge bei Hochwasser, wie Wolff erklärte.

Schmalere Brückenpfeiler sollen sicherstellen, dass beim Engpass Rathausbrücke genug Wasser abfliessen kann.  ZVG/ZH

Schmalere Brückenpfeiler sollen sicherstellen, dass beim Engpass Rathausbrücke genug Wasser abfliessen kann. ZVG/ZH

Nach den Plänen des Kantons soll der Stollen zwischen Langnau und Thalwil bis 2024 gebaut sein. Der Zürcher Stadtrat will 2023 mit dem Bau der neuen Rathausbrücke beginnen und diese bis Ende 2025 fertigstellen.

Zuvor sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. So wird das Stadtzürcher Stimmvolk über den Brückenbau zu entscheiden haben. Die Gesamtkosten veranschlagt der Stadtrat auf 32 Millionen Franken. Einen Teil davon, nämlich rund 6 bis 7 Millionen, werde voraussichtlich der Kanton als Gewässerbesitzer übernehmen, sagte Rangosch.

Heimatschutz übt Kritik

Einsprachen könnten den Bau der Brücke verzögern. Barbara Truog, Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes, kritisierte das Projekt an der gestrigen Medienkonferenz des Stadtrats: Die Aufhängung der Brückenbeleuchtung an geschützten Gebäuden sei unschön. «Da muss die Stadt möglicherweise über die Bücher», sagte Truog. Rangosch entgegnete, die Denkmalpflege stütze das vorliegende Projekt. Man werde die Lampenaufhängung aber vielleicht nochmals überprüfen.

Das Projekt für die neue Rathausbrücke wurde von einer Jury mit stadtinternen und externen Fachleuten aus acht Vorschlägen zum Sieger erkoren. Gestaltet hat es ein Team um die Zürcher Architektur- und Ingenieurbüros Bänziger Partner AG, 10:8 Architekten und F. Preisig AG.

Stadtrat Wolff betonte die historische Bedeutung des Ortes: «Rund um die heutige Rathausbrücke ist Zürich entstanden.» Vielleicht habe es an dieser Stelle schon in der Römerzeit eine Brücke gegeben; wissenschaftlich belegt sei dies allerdings nicht. Doch seit dem Spätmittelalter gab es eine Holzbrücke, die bereits als Marktplatz diente. 1888 entstand gleichenorts eine gusseiserne Brücke. Sie wurde 1973 durch die heutige Betonbrücke ersetzt. Prägend für die nun geplante neue Brücke sei neben der trapezartigen Form auch der hochwertige Belag aus Gussasphalt, sagte Rangosch.

Als Verkehrsverbindung ist die Rathausbrücke weiterhin Fussgängern und Velofahrern vorbehalten. Wer wo verkehrt, sei durch die Platzierung der Sitzbänke und die anschliessenden Strassenräume selbsterklärend, meinte Rangosch. Velo- und Fussgängerbereiche würden daher nicht eigens markiert.

Die neue Brücke muss auch für schwere Lieferfahrzeuge benutzbar sein, die etwa den samstäglichen Markt beliefern. Zudem ist sie laut Wolff wichtig fürs Crowdmanagement bei Grossanlässen wie der Street Parade, wenn die flussaufwärts liegende Quaibrücke überlastet ist. Neben dem Gemüsemarkt, der jeweils am Samstagvormittag stattfindet, soll auch das Karussell Rösslirytschuel traditionsgemäss im Herbst seinen Platz auf der neuen Rathausbrücke haben, wie das Tiefbauamt mitteilt.