Zürich

Zehnjähriger darf seine Vorhaut behalten — die Mutter wandte sich erfolglos ans Obergericht

Der Junge wird dereinst selber entscheiden können, ob er sich beschneiden lassen will oder nicht. (Symbolbild)

Der Junge wird dereinst selber entscheiden können, ob er sich beschneiden lassen will oder nicht. (Symbolbild)

Eine Alleinerziehende Mutter plante in den Sommerferien ihren Sohn beschneiden zu lassen. Nach Rücksprachen untersagte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Frau dieses Vorhaben. Beim Bezirksgericht beschwerte sie erfolglos un wandte sich daher ans Obergericht.

Das Zürcher Obergericht hatte sich mit einem delikaten Fall zu befassen. Nach der Scheidung hatte eine Mutter die Obhut über die Kinder erhalten. Gleichzeitig stellte man diesen eine Beiständin zur Seite. Im April 2017 kündigte die Mutter dann der Beiständin an, sie plane, ihren Sohn in den Sommerferien beschneiden zu lassen. Nach Rücksprachen untersagte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Frau dieses Vorhaben. Sie beschwerte sich erfolglos beim Bezirksrat und wandte sich ans Obergericht.

Unstrittig ist laut schriftlichem Urteil des Obergerichts, dass der Knabe bezüglich seiner Beschneidung noch nicht urteilsfähig ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Mutter alles entscheiden darf. Ihrer Entscheidungskompetenz sind Grenzen gesetzt, wenn das Kindeswohl und die Achtung der Persönlichkeit des Kindes betroffen sind. In der Schweiz gebe es weder eine gesetzliche Grundlage noch einschlägige Gerichtsentscheide zum Thema, hält das Gericht fest. Hingegen existiert ein Grundlagenpapier des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte. Darin ist festgehalten, dass die Zirkumzision (Beschneidung) den Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfülle.

Keine medizinische Notwendigkeit

Im konkreten Fall kommt das Gericht zum Schluss, dass keine medizinische Indikation für den Eingriff vorliege. Das wurde von mehreren angefragten Ärzten festgestellt. Die Mutter hatte zwar anfänglich behauptet, ihr Sohn habe Probleme beim Urinieren. Sie hielt aber nicht an diesem Argument fest. Zwei Ärzte äusserten sich dahingehend, dass die Beschneidung das Kindeswohl nicht gefährde. Anders sah dies der befragte Kinderpsychiater. Er erwähnte eine Episode um die Anpassung der Zahnspange des Jungen. Bei der Behandlung habe dieser komplett die Fassung verloren, herumgeschrien und Mobiliar zerstört. Der Eingriff sei aus seiner Sicht nicht zumutbar, wenn er medizinisch nicht notwendig sei.

Der Vorfall wurde von der Kindsmutter nicht bestritten. «Das Wohl des Kindes erscheint durch die Vornahme der Beschneidung derzeit gefährdet», schreibt das Obergericht demzufolge in seinem Entscheid. Der Junge wird dereinst selber entscheiden können, ob er sich beschneiden lassen will oder nicht. (pag)

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