Der Verein Grassrooted setzt sich für eine enkelgerechte Zukunft der Stadt Zürich ein. Der englische Name kann als bodenständig oder Basiskampfbewegung ins Deutsche übersetzt werden. Getreu dem Motto verkauften die drei Initianten Dominik Waser, Martin Schiller und Valeria Falletta gestern Freitag 18 Tonnen Bio-Tomaten beim Güterbahnhof in Zürich. Es handelte sich um eine Rettungsaktion in letzter Minute.
Ein Bauer aus dem Kanton Zürich sitzt auf rund 30 Tonnen Bio-RispenTomaten fest. Diese sind laut Waser in «nahezu einwandfreiem und essbarem Zustand». Für den Verkauf im Handel aber würden sie sich wegen der schlechten Haltbarkeit nicht mehr eignen. Spätestens an diesem Wochenende wären sie in der Biogasanlage gelandet.

Deshalb organisierte der Verein kurzfristig mehrere Verkaufsaktionen. Die erste fand am Donnerstag in Bern statt. Wie Waser sagt, verkaufte der Lorraineladen in nur einem Tag 3,5 Tonnen. Am Freitag wurden vier weitere Tonnen nach Bern geliefert. Dort wird Grassrooted vor Ort von der Organisation Bio Loco unterstützt.

Komplett überrannt

Über die sozialen Netzwerke hat der Verein auf die Verkaufsaktionen in Bern und Zürich aufmerksam gemacht. Weil bereits am Freitagmorgen über 1000 Bestellungen für 10-Kilogramm-Kisten bei Grassrooted eingegangen waren, musste sie das Bestellformular vom Netz nehmen. «Wir wurden total überrannt und wir wussten, dass einige Leute direkt zum Güterbahnhof kommen, um Tomaten zu kaufen», sagt Waser vor Ort. Die Überwältigung ob des Ansturms sieht man ihm an: «Wir haben bereits erreicht, was wir wollten.»

Der Ansturm beim Güterbahnhof ist gross: Alleine am Vormittag gingen über 1000 Bestellungen für Bio-Tomaten ein.

Der Ansturm beim Güterbahnhof ist gross: Alleine am Vormittag gingen über 1000 Bestellungen für Bio-Tomaten ein.

Der Verein Grassrooted verkauft beim Güterbahnhof 18 Tonnen Tomaten, die sonst zu Biogas verarbeitet worden wären.


Ziel des Vereins Grassrooted ist, einen Dialog über die Lebensmittelproduktion und die daraus resultierenden Überschüsse anzustossen. «Es geht darum, die optischen Verkaufsnormen kritisch zu hinterfragen», sagt Waser. Dann fällt das Wort «Zweitklassengemüse». Er meine damit nicht, dass das Gemüse tatsächlich zweitklassige Qualität habe. «Diese Definition stammt von Grossisten und Händlern, die optische Verkaufsnormen haben», so Waser. Das heisse aber nicht, dass das Gemüse nicht verkauft werden dürfe.

Der Verkauf beim Güterbahnhof startete am Mittag. Bereits um zehn nach zwölf standen bis zu 100 Personen in der Schlange um ihre Bestellung abzuholen. Eine junge Frau hievt gerade Einkaufstüte um Einkaufstüte voll Tomaten in den Kofferraum ihres Wagens. «Ich habe von der Aktion gehört und dann in meinem Umfeld gefragt, wer noch Tomaten wolle», sagt sie zufrieden. Mit den Tomaten könne sie wunderbares Sugo machen, sagt sie, bevor sie ins Auto steigt und losfährt.

Gemüse in den Umlauf bringen

Die Verkaufsaktionen mit den Bio-Rispen-Tomaten ist die Feuertaufe für den Verein. Am Thema Foodwaste wollen die drei Studenten des Lebensmittelingenieurwesens auch weiterhin dranbleiben. Wir planen, im Herbst eine Plattform zu lancieren, damit Bauern ihr «Zweitklassengemüse» an Private und die Gastronomie verkaufen können, so Waser. «Wir wurden von der Anfrage des Bio-Bauern zu Beginn dieser Woche etwas überrascht», sagt Waser. Aber solche Gelegenheiten müsse man beim Schopf packen.

Auch künftig werde man mit dem besagten Biobauern aus dem Kanton Zürich zusammenarbeiten. Warum dieser auf so vielen Tomaten sitzen blieb, lässt sich nicht abschliessend beantworten. Es sei das erste Mal, dass er mit einem solchen Überschuss konfrontiert sei, weiss Waser. Es läge wohl daran, dass die Lebensmittelhändler derzeit ausreichend ausländische Tomaten in ihren Regalen liegen haben. Wohl deshalb konnten die Bio-Tomaten aus dem Kanton Zürich nicht im Handel verkauft werden.