Urdorf

Wegen Pilzkrankheit: 40 kranke Eschen müssen weichen

Beat Schmid von der Gartenbaufirma Agroservice ist für die Fällung der Bäume zuständig. Er zersägt die Stämme, damit sie abtransportiert werden können.

Beat Schmid von der Gartenbaufirma Agroservice ist für die Fällung der Bäume zuständig. Er zersägt die Stämme, damit sie abtransportiert werden können.

Die Gemeinde Urdorf lässt die Bäume entlang des Stockacherbachs aus Sicherheitsgründen entfernen. Leichtsinnige Spaziergänger erschweren den Holzschlag für die Arbeiter.

Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche des Stockacherbachs. Beinahe übertönt ein lautes Brummen das Plätschern des Gewässers. Ein Bagger bewegt sich auf dem Spazierweg entlang des Bachs. Ein tiefes, dumpfes Geräusch ertönt und der Boden bebt, als die Baggerschaufel einen Baumstamm in eine Mulde plumpsen lässt. Beat Schmid mustert einen 25 Meter hohen Baum. Auf Kopfhöhe ziert die Rinde einen roten Punkt. «Wir fällen heute alle Eschen, die an Eschenwelke leiden», sagt der Birmensdorfer. Er ist gerade dabei, die Fällrichtung zu beurteilen, bevor er den Baum mithilfe der Motorsäge mit einer Fallkerbe versieht.

Schmid ist mit einem Arbeitskollegen und seinem Chef Hanspeter Huber von der Urdorfer Gartenbaufirma Agroservice am Stockacherbach in Urdorf für die Fällung von rund 40 Eschen verantwortlich. Die Gemeinde Urdorf hat die Firma mit den Fällarbeiten betraut. Am Donnerstag und Freitag wurde der Auftrag entlang der 700 Meter langen Strecke ausgeführt.

Pilzkrankheit Eschenwelke macht Triebe und Äste dürr

Grund für den grossen Holzschlag ist die Eschenwelke. Dabei handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die nur die Esche befällt. «Die Triebe und später auch die Äste sterben ab, weil der Pilz die Nährstoffzufuhr unterbricht. In fortgeschrittenem Stadium können die Äste leicht abfallen», sagt Janick Frei, Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Urdorf. Weil die verdorrten Äste eine Gefahr für Spaziergänger, Jogger, Velofahrer und Passanten auf dem Spazierweg entlang des Stockacherbachs darstellen, müssen sie weichen.

Bereits im Winter 2018 und 2019 fällte man kranke Eschen am gleichen Standort. «Damals waren es schätzungsweise 30 Stück», sagt Frei. 2016 entfernte man in Urdorf erstmals Bäume, die von der Eschenwelke befallen waren. Die gesunden Eschen wurden stehen gelassen. Als Prävention sieht Frei die aktuelle Fällaktion nicht: «Natürlich wäre es schön, wenn dadurch die jungen nachwachsenden Eschen nicht mehr krank würden, aber das ist derzeit schwer vorhersehbar.» Es handle sich einfach um eine Notwendigkeit aus Sicherheitsgründen.

Hanspeter Schmid von der Urdorfer Gartenbaufirma Agroservice und seine Mitarbeiter wurden von der Gemeinde Urdorf mit der Fällung betraut.

40 Eschen müssen entfernt werden

Hanspeter Schmid von der Urdorfer Gartenbaufirma Agroservice und seine Mitarbeiter wurden von der Gemeinde Urdorf mit der Fällung betraut.

Mit der Sicherheit nehmen es die Spaziergänger und Sportler entlang des Stockacherbachs während des Holzschlags zum Ärger der Arbeiter jedoch nicht so genau. Obwohl Schmid und Huber eine Absperrung sowie eine grosse Blache mit Verbotszeichen angebracht haben, kreuzen immer wieder Passanten auf. «Dürfen wir hier durch? Wir sind auch ganz vorsichtig» oder «Wir dachten, ihr seid in diesem Bereich bereits fertig», heisst es. Huber drückt ein Auge zu, weil zu diesem Zeitpunkt kein Baum gefällt, sondern nur das Gehölz am Boden zusammengelesen wird. Die Spaziergänger huschen lächelnd vorbei und Schmid schüttelt den Kopf.

Leichtsinn der Passanten erschwert die Arbeit

«Die Leute unterschätzen, wie gefährlich die Arbeit ist. Nicht nur die fallenden Bäume sind eine Gefahr, sondern auch die Äste. Sie können bis zu 20 Meter weit wegspicken», sagt Schmid. Spaziergänger hörten zumindest, wenn die Motorsäge oder der Bagger im Gang seien. «Jogger mit Kopfhörern oder Velofahrer tun das nicht.» Zum Glück hätten sie deswegen noch nie einen Unfall oder Zwischenfall gehabt. Der Leichtsinn der Menschen erschwert nichtsdestotrotz die Holzerei. «Es ist mühsam, weil wir uns nicht 100 Prozent auf unseren Job konzentrieren können, weil wir immer damit rechnen müssen, dass plötzlich jemand vorbeikommt», sagt Schmid.

Trotz Absperrung und Blachen mit Verbotszeichen: Spaziergänger kreuzen am Stockacherbach auf und wollen den Weg passieren.

Verbote helfen nicht

Trotz Absperrung und Blachen mit Verbotszeichen: Spaziergänger kreuzen am Stockacherbach auf und wollen den Weg passieren.

Schonzeit der Fische ist eine Herausforderung

Derweil zerkleinert Schmid mit der Motorsäge den Baumstamm der gefällten Esche und Huber, der im Bagger sitzt, schafft die Teile zur Seite. Eine weitere Herausforderung stellt der Standort am Gewässer dar. «Die Bäume dürfen nicht ins Bachbett fallen, sondern nur auf den Weg», sagt Huber. Hineinfallende Bäume und Äste würden den Bach trüben. «Derzeit ist Schonzeit. Die Fische sollen sich ungestört fortpflanzen können», sagt Huber. Erneut taucht eine Gruppe Spaziergänger auf. Huber winkt sie durch. Als sie ausser Sichtweite ist, setzt er sich wieder in den Bagger, während Schmid einen weiteren Baum zu Fall bringt.

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Autor

Sibylle Egloff

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