Unbestritten ist, dass das Seniorenzentrum Im Morgen in Weiningen nicht mehr dem Stand der Zeit entspricht. Seit vielen Jahren ist die Warteliste lang und bereits in den 1990er-Jahren wurde erstmals eine Sanierung diskutiert. Mit dem Projekt «Casa Nova» soll ein Neubau nun endlich die gewünschte Modernisierung bringen.

An ihrer Versammlung am Dienstagabend trafen die zehn Delegierten des Zweckverbands Seniorenzentrum – dem die Gemeinden Geroldswil, Oberengstringen, Oetwil, Unterengstringen und Weiningen angehören – einen wegweisenden Entscheid. Einstimmig beschlossen sie, dass das Seniorenzentrum durch einen Neubau ersetzt werden soll und die bestehenden Bauten abgerissen werden. In einem separaten Entscheid bewilligten sie ebenso einstimmig einen Planungskredit von 292'000 Franken, um einen Studienwettbewerb durchzuführen.

Der Weg zu den Entscheiden verlief aber nicht so reibungslos, wie das Abstimmungsresultat vermuten lässt. Über Details und Umsetzungsfragen wurden Diskussionen geführt, die zeigen, dass auf das Projekt noch einige Herausforderungen zukommen werden.

140 Pflegeplätze geplant

Der geplante Neubau soll 140 Pflegeplätze bieten – bisher sind es rund 90. 28 Betten im Neubau sind für eine Demenzabteilung vorgesehen. Die Kosten werden auf 48,9 Millionen Franken geschätzt, bei einer möglichen Abweichung von 20 Prozent.

Bauherrenberater Gian-Reto Peer von der Helbling Beratung und Bauplanung AG, der den geplanten Neubau an der Versammlung vorstellte, hob viele Vorteile hervor. So wird erwartet, dass der Energieverbrauch tiefer ausfällt, weil weniger geheizt werden müsste. Zudem wären die Arbeitswege dank kompakterer Bauweise deutlich kürzer. Dies führe zu weniger ungenutzter Arbeitszeit und würde die Personalkosten senken, sagte Peer. Ein motorisiertes Hebesystem, das in jedem Zimmer installiert werden kann, ermögliche zudem, dass künftig gewisse Arbeiten von einer Pflegeperson ausgeführt werden können, für die bisher zwei bis drei Personen nötig waren. Nicht zuletzt könnte auch die Küche besser organisiert werden. Dank der neuen Abläufe könnten zwölf Stellen eingespart werden, bei den Personalkosten würde das Seniorenzentrum jährlich 800'000 Franken einsparen, rechnete Peer vor.

Weitere Eckpunkte des Projekts sind eine grosse Parkanlage für die Bewohner, die auch den Zugang zum Zentrum attraktiver gestalten soll. Und eine Einstellhalle mit etwa 100 Parkplätzen, die vor allem für Personal gedacht sind. Oberirdisch sollen 20 BesucherParkplätze zur Verfügung stehen. «Der wichtigste Faktor für den Neubau sind die Mitarbeiter», sagte Zentrumsleiter René Brüggemann an der Versammlung. Es gestalte sich immer schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt gutes Personal zu finden. «Es nützt uns nichts, wenn wir 140 Betten füllen können, aber nicht die dafür nötigen Mitarbeiter haben», so Brüggemann.

Aus vergangenen Fehlern lernen

«Wie stellen wir sicher, dass es nicht das gleiche Debakel gibt wie mit Nusus?», fragte die Geroldswiler Sozial- und Gesundheitsvorständin Veronika Neubauer (SVP). Damit sprach sie das vorherige Kapitel in der langjährigen Planungsgeschichte an. Mitte 2017 gewann das Zürcher Architekturbüro Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG, bekannt unter dem Kurznamen Nusus, den Studienauftrag für eine Erweiterung des Seniorenzentrums.

Doch Anfang 2018 scheiterten die Vertragsverhandlungen mit dem Architekturbüro wegen unterschiedlicher Honorarvorstellungen. Auch weil in den bestehenden Bauten Spuren von Asbest gefunden wurden, was die Sanierung verteuert und erschwert hätte, wurde ein Erweiterungsbau in der Folge aufgegeben. Die Resultate einer vom Fachvorstand des Zweckverbands in Auftrag gegebene Schadstoff-Untersuchung führten dazu, dass die aktuelle Planungsvariante mit kompletten Neubau ins Spiel kam. Im September 2018 wählten die Delegierten eine fünfköpfige Baukommission. Deren Präsident Peter Mohr versicherte den Delegierten, dass der Architektenvertrag dieses Mal nicht erst nach dem Wettbewerb ausgehandelt werde, sondern bereits im Vorfeld von allen Büros akzeptiert werden müsse.

Robert Nitschke, der als Delegierter Unterengstringen vertritt, lancierte die Diskussion über das mögliche Aussehen des Gebäudes und betonte die Wichtigkeit, die Bevölkerung klar und transparent zu informieren. «Es wird viele Nostalgiker geben, die einen Neubau kritisch sehen», sagte er. «Wir wollen keine Schuhschachtel», bekräftigte Mohr. Ein Gebäude mit Flachdach sei keine Option. Man wolle auch besser informieren als beim letzten Projekt: «Wir nehmen den Aufwand gerne auf uns und kommen in den Gemeinden vorbei», sagte Mohr.

Der Oetwiler Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Matthias Zehnder (FDP) konstatierte, dass man sich über die Notwendigkeit von Kredit und Studienauftrag grundsätzlich einig sei. «Wer aber formuliert den Studienauftrag und sorgt dafür, dass er für alle Gemeinden stimmt?» Ihn interessierte, ob die Delegierten die Ausarbeitung des Auftrags beeinflussen können. «Wenn Sie sagen, wir wollen den Studienauftrag sehen, dann legen wir den vor. Sie sind die Auftraggeber», antwortete Mohr.

Abstimmung wohl im Mai 2020

Vor der Schlussabstimmung befanden die Delegierten über einen Antrag der Gemeinde Geroldswil. Diese forderte, bei der Planung zwei Varianten zu berücksichtigen – mit 100 und mit 140 Betten –, um flexibler auf Entwicklungen reagieren zu können. Der Oberengstringer Sozialvorstand Kurt Leuch (PFE) reagierte auf die neulancierte Diskussion über Pflegeplätze. «Wir diskutieren jetzt schon viele Jahre darüber, wie viele Plätze nötig sind. Irgendwann müssen wir auch mal was realisieren.» Der Antrag für zwei Planungsvarianten wurde mit 6 zu 4 Stimmen abgelehnt.

Läuft alles nach Plan, sollen die Stimmbürger in den Zweckverbandsgemeinden im Mai 2020 über einen Planungskredit abstimmen und im Winter 2022 über den Baukredit. Bis Sommer 2024 soll der Neubau stehen und im Frühjahr 2025 soll auch der Abbruch des Altbaus abgeschlossen sein.

An ihrer Versammlung beschlossen die Delegierten auch einstimmig, das Leitbild von 1999 zu erneuern. Zudem wurde die Höhe der Entschädigungsbeiträge für die Arbeit der Baukommissionsmitglieder einstimmig festgesetzt.