Limmattaler Sport

Von Kleinkindern bis Senioren: Der Orientierungslauf ist ein Sport für jedes Alter

Mit Kompass und Karte geht Alois Achermann auf die Jagd nach OL-Posten.

Alois Achermann ist leidenschaftlicher Orientierungsläufer und Mitglied des Limmattaler OL-Klubs Piz Hasi. Am 17. März organisiert der Verein den 26. Dietiker OL im Hasenberg. Achermann wirkt dabei als Bahnleger mit.

Eine Karte und einen Kompass, mehr braucht der Dietiker Alois Achermann nicht, um sich in den tiefsten Wäldern zurechtzufinden. Seit 15 Jahren geht der Orientierungsläufer in den entlegensten Ecken der Schweiz auf die Suche nach orange-weissen Flaggen. Zur Sportart hat der heute 59-Jährige durch seine Frau gefunden, die in der Schweizer Orientierungslauf-Szene sehr aktiv ist.

«Ich habe den Orientierungslauf immer als Gesundheitssport gesehen, der mich fit hält», sagt Achermann. Die körperliche Arbeit bekomme er durch das Kartenlesen jedoch kaum zu spüren. «Ich brauche nicht die Aktivität, sondern die Ablenkung», sagt der Sportler.

Da er sich immer auf die Karte konzentrieren müsse, könne er an Orientierungsläufen vom Alltag abschalten. «Während eines Laufes muss man sehr intensiv arbeiten. Auf keinem Meter darf man seine Gedanken abschweifen lassen. Sonst läuft man schnell einmal an einem Posten oder an einem Objekt vorbei.»

Die auf der Karte abgedruckten Posten müssen in der vorgegebenen Reihenfolge abgelaufen werden. Die Karte bekommt der Läufer beim Startsignal, die Zeit wird durch einen elektronischen Speicherchip am Finger gemessen. Dadurch können die Läufer auch die Zwischenzeiten miteinander vergleichen und sehen, bei welchen Posten sie vielleicht einen Fehler gemacht und Zeit verloren haben. «Im Orientierungslauf muss man nicht nur läuferisch schnell sein, sondern auch den Kopf beisammen haben, sich gut orientieren und schnelle Routenentscheide treffen können», sagt Achermann.

Die Routenwahl ist entscheidend

Durch den Sport ist Achermann schon viel um die Welt gekommen. An internationalen Wettkämpfen entdeckte er unter anderem die schier unendlichen Wälder Skandinaviens, die offenen Landschaften Frankreichs und das steinige Gelände Tschechiens. «Der Orientierungslauf ist sehr abwechslungsreich», meint der Dietiker.

Je nach Geländeform unterscheidet sich die Belaufbarkeit und somit auch die Routenwahl. In einem Sprint-OL, der meistens in der Stadt durchgeführt wird, ist die direkteste Route oftmals die schnellste. In einem sehr hügeligen Gelände kann eine Umlaufroute jedoch manchmal sowohl Höhenmeter als auch Zeit einsparen. «Man muss sich immer die Frage stellen, welche Route am besten belaufbar ist», sagt Achermann.

Die Routenwahl spielt auch am 17. März im Dietiker Hasenberg eine wichtige Rolle. Dort organisiert der regionale Orientierungslaufklub Piz Hasi den 26. Dietiker OL. Achermann wirkt dabei als Bahnleger mit. «Regionale Laufwettkämpfe sind meistens Langdistanzen. Dabei ist die Wahl der Route oft entscheidend», sagt der Läufer.

Einige Postenverbindungen führen von einem Kartenende bis zum anderen. Dies sei typisch für eine Langdistanz, da es meistens nur wenige Posten gebe. «Dadurch werden mehr Routenwahlen provoziert. Die Läufer werden weniger geleitet und müssen sich selber Zwischenpunkte setzen, an denen sie auf dem Weg zu ihrem nächsten Posten vorbeikommen wollen..»

Jede Minute ein neuer Läufer

Achermann ist zum ersten Mal Bahnleger. Obwohl er darin noch wenig Erfahrung hat, fühlt er sich seiner Aufgabe gewachsen. «Ich habe grossen Rückhalt aus dem Verein. Der Kontrolleur, der die Bahnen und die Postenstandorte kontrolliert, ist sehr erfahren und hat fast genauso viel an den Bahnen gearbeitet wie ich», sagt Achermann. Auch seine Frau sei ihm eine grosse Hilfe gewesen. Mit dem Computerprogramm, mit dem die Bahnen auf der Karte eingezeichnet werden, kenne sie sich bestens aus.

Das Programm selber rechnet aus, wie viele Läufer und wie viele Kategorien denselben Posten anlaufen und ob sich die Weglaufrichtungen kreuzen. Das Ziel sei es, möglichst wenig Posten im Wald zu haben, ohne dass sich die Läufer der unterschiedlichen Kategorien gegenseitig in die Quere kommen. «Man muss einfach die ersten Posten gut aufteilen, damit sich die Leute zerstreuen. Ansonsten kann man nicht jede Minute einen neuen Läufer starten lassen», erklärt Achermann.

Schwierige Bahnen für Senioren

Im Gesamten hat Achermann für den Dietiker OL 42 verschiedene Bahnen gelegt. «An so einen Lauf kommen OL-Enthusiasten im Alter von 7 bis 90 Jahren. Dementsprechend müssen auch die Bahnen angepasst werden», sagt der Orientierungsläufer.

Die Kinder haben die kürzesten Bahnen. Diese müssen immer Leitlinien wie etwa einem Weg, einem Zaun oder einem Bach folgen, um den Schwierigkeitsgrad möglichst tief zu halten. Die Senioren hingegen seien technisch in Höchstform und bräuchten Bahnen mit einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad. Dafür könnten sie läuferisch nicht mehr mit den Jungen mithalten und liefen mit dem steigenden Alter immer kürzere Distanzen.

Bei der Bahnlegung konnte sich Achermann dementsprechend nicht ganz frei ausleben. «Sehr vieles ist vom Schweizer Orientierungslaufverband vorgegeben und reglementiert», sagt er. Für jede Kategorie gibt es eine Richtzeit für Langdistanzen, der Achermanns Bahnen entsprechen sollten. Die ungefähre Laufzeit lässt sich dabei durch die Luftlinienlänge der Bahn, die zu bezwingenden Höhenmeter und die Belaufbarkeit des Waldes berechnen.

Zudem wird Achermanns Kreativität von Sperrgebieten eingeschränkt. Letzten Sommer mussten er, der Laufleiter, der Kontrolleur und der Umweltverantwortliche das Grundkonzept des Laufs mit der Gemeinde, den Förstern und den Jägern besprechen. Dabei wurden der Franzosenweiher und der Egelsee als Sperrgebiete erklärt.

Zudem können einige Waldränder nicht genutzt werden, weil dem Wild ein gewisses Rückzugsgebiet gewährt werden muss. «Das hat uns schon einiges an Möglichkeiten weggenommen. Aber man soll sich in den Gesprächen ja irgendwie finden und auch dazu bereit sein, Kompromisse einzugehen», sagt Achermann.

Aufwendige Organisation

Seit Anfang November zieht Achermann nun durch den Wald, markiert die Posten und überprüft deren Standorte. «Die Karte des Hasenbergs wurde vor drei Jahren aufgenommen. An einigen Stellen stimmte deshalb die Vegetation nicht mehr ganz überein und musste auf der Karte angepasst werden», sagt der Bahnleger. Ungefähr 15 der insgesamt 65 Posten musste er noch umstellen, da sich das Gelände verändert hatte. Alles in allem habe Achermann wohl ungefähr eine Woche an der Bahnlegung gearbeitet.

Nun hofft er auf positive Rückmeldungen der Läufer. Erwartet werden am 17. März 400 bis 500 Teilnehmende, zudem zählt der Lauf für die kantonale Jugendmeisterschaft. Achermann wisse genau, wie viel Arbeit hinter der Organisation eines solchen Anlasses stecke. Deshalb nehme er auch regelmässig an Ski- und Bike-OLs teil, die in der Schweiz eher weniger frequentiert werden. «Die Organisatoren arbeiten und knobeln sehr viel daran. Sie verdienen es, dass dann auch jemand an den Läufen teilnimmt.»

Autor

Flavia Lehmann

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