Weiningen
Von Jazz bis Filmmusik: Die Orgel probiert’s mit Gemütlichkeit

Ob Barock, Filmmusik oder Jazz – in der Kirche offenbarten talentierte Musiker die Vielfalt der Orgelmusik. Die Limmattalerin des Jahres 2017 Jackie Rubi und ihr Verein Neue Orgel Weiningen luden am Dienstagabend zum Konzert ein, wo neben Profis und Musikstudenten auch Einsteiger ihr Können zeigten.

Ly Vuong
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Orgelkonzert Jackie Rubi
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 Limmattalerin des Jahres Jackie Rubi begrüsste die Konzertbesucher.
 Der 7-jährige Anthony Tran spielte Beethovens Ode «An die Freude».
 Dank dem Aufsatz erreichen auch die Jüngsten die Orgelpedale.

Orgelkonzert Jackie Rubi

Ly Vuong

Die meisten kennen die Orgel vor allem als raumfüllendes Instrument in Kirchen. Nur wenige hören sich Orgelmusik auch zu Hause an. Auch deshalb braucht es Menschen wie Jackie Rubi. Mit ihrem Orgelsurium, das dieses Jahr in die letzte Saison geht, und als Präsidentin des Vereins Neue Orgel Weiningen setzt sie sich für den Erhalt und die Förderung der Orgelmusik ein. Dafür ist sie von den Lesern der Limmattaler Zeitung kürzlich als Limmattalerin des Jahres ausgezeichnet worden. Am Dienstagabend lud der Verein zum Orgelkonzert ein. Die Zusammensetzung der Musiker und die von ihnen vorgetragenen Stücke demonstrierten die Vielseitigkeit des grossen Instruments.

«Wer vor dem siebten Lebensjahr Orgel lernt, lernt es anders, vielleicht gefühlsmässiger und intensiver. Man kann sich dann leichter in die Musik denken und fühlen.»

Fabian Schenkel, Orgelspieler

Zwölf Orgelspieler traten auf. Von Profis, Hauptorganist Bernhard Hörler von der Dietiker St.-Agatha-Kirche über Musikstudenten wie Beni Graf und Hobbymusiker wie Jennifer To bis zu den Einsteigern Adrian Brütsch und Anthony Tran, die erst sieben Jahre alt sind, war alles dabei. Auch musikalisch wurde von Barock über Filmmusik bis zu Jazz eine grosse Vielfalt geboten.

Pedale nur dank Aufsatz erreichbar

Den Auftakt machte der siebenjährige Adrian Brütsch mit dem Kinderlied «Es Schöfli tuen em bringe». Nur dank Pedalaufsätzen, welche die Pedale der Orgel um 13 Zentimeter erhöhen, erreichten seine Füsse auch die Orgelpedale. Die spezielle Vorrichtung geht auf Musikerin und Lehrerin Yun Zunmayr zurück. Sie entwickelte vor einigen Jahren im Rahmen ihrer Masterarbeit zusammen mit der Luzerner Firma Orgelbau Goll die Holz-Pedalaufsätze, die man einfach auf die bestehenden Pedale montieren kann.

Mit dem Hit «Probier’s mal mit Gemütlichkeit» aus dem Dschungelbuch sorgte Musikstudent Beni Graf mit der Orgel in der Kirche für viel Schwung. Ebenfalls vertraute Töne spielte die 12-jährige Emilie Thut mit «Prélude» aus dem «Te Deum» von Marc-Antoine Charpentier. Das Stück erlangte unter anderem als Titelsong des Eurovision Song Contests Berühmtheit. Fabian Schenkel brachte mit «Georgia on my mind» von Ray Charles ein Stück Amerika in die Kirche. Aber auch klassische Kirchenmusik fand den Weg ins Programm. So spielte der 12-jährige Jonas Lissa fast schon wie ein Profi Bach, und Martin Behringer gab einen Choral in a-Moll von Cesar Franck zum Besten.

Mit Behringer und Daniel Orth waren zwei Amateure vertreten, die als Orgelbauer angestellt sind bei der Vorarlberger Rieger Orgelbau. Die Firma hat die Orgel in Weiningen hergestellt. Wer dort arbeitet, muss auch selbst Orgel spielen können oder gewillt sein, zu lernen. Orth begann im Alter von 16 Jahren mit dem Orgelspiel. Zuvor war er Klavierschüler. «Ich dachte immer, am idealsten lernt man Orgel ab 12 Jahren spielen, doch heute am Konzert habe ich gesehen, dass es auch früher geht», sagte er.

Früh üben lohnt sich

Hobbymusiker Fabian Schenkel sagte nach dem Konzert, dass es sich lohnt, früh mit dem Orgelspiel zu beginnen. «Wer vor dem siebten Lebensjahr Orgel lernt, lernt es anders, vielleicht gefühlsmässiger und intensiver. Man kann sich dann leichter in die Musik denken und fühlen», so der 35-Jährige. Wichtige Voraussetzung sei ein gewisses koordinatives Talent, weil beim Spielen Hände und Füsse jeweils etwas anderes machen. Für Orgellehrerin Yun Zunmayr sind das Wichtigste die Freude und das Interesse. Der Jüngste in ihrer Klasse sei im Moment etwas älter als fünf Jahre.

«Nach dem Gottesdienst durfte ich jeweils noch ein bisschen auf der Orgel klimpern. Von da an wollte ich das Instrument lernen.»

Adrian Brütsch, 7-jähriger Orgelspieler

Der 9-jährige Erik Weck war vor zwei Jahren an einem Konzert von Zunmayr so angetan von der Musik, dass er gleich beschloss, selbst Orgel zu lernen. Ebenfalls bereits früh von der Orgelmusik begeistert zeigte sich Adrian Brütsch. «Nach dem Gottesdienst durfte ich jeweils noch ein bisschen auf der Orgel klimpern. Von da an wollte ich das Instrument lernen», erzählte der Siebenjährige. Ihm gefalle vor allem die Vielfalt der Klänge. «Doch nicht alle meine Kameraden wissen, was eine Orgel ist», sagte er.

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