Zürich

Von der «Fischstube» auf die Alp — die gesamte Einrichtung wird liquidiert

Seit ein paar Tagen ist es nun vorbei mit Fischspezialitäten direkt am Wasser. Die «Fischstube» hat den Betrieb eingestellt. Nächste Woche beginnt der Abbruch am Zürichhorn. Zuvor wird aber die gesamte Einrichtung liquidiert.

Das Hinweisschild am Zürichhorn steckt schräg im Gras. Der «Fischstube»-Schriftzug ist unter den vielen Klebern kaum noch zu erkennen. Unweit davon steht derzeit eine zweite Tafel: «Heute Liquidation».

Als Erster betritt ein Mann mit roter Mütze das Fischrestaurant. Er wohnt in der Nähe und war schon am ersten Liquidationstag am Samstag hier. Zuhause habe er gemerkt, dass bei einem der grossen Spaghetti-Teller am Rand ein Stückchen fehle. Deshalb kaufe er nun am Montag nochmals einen. Es sei schade, dass das Restaurant jetzt schliesse, sagt er. Seine Mutter kenne es schon seit der Eröffnung der ursprünglichen «Fischstube» an der Landesausstellung 1939.

Die «Fischstube» mit der Fischerhütte daneben war während der Landi zu einem Publikumsmagneten geworden. Deshalb liess man sie als eine der wenigen Landi-Bauten stehen und baute sie sofort wieder auf, als sie 1956 abgebrannt war. Der damalige Neubau erhielt ein pflegeleichteres Dach und wurde um die beliebte Terrasse zum See ergänzt.

Bereits 2010 wollte die Stadt das inzwischen baufällige Seerestaurant abbrechen und durch einen Neubau ersetzen. Koordinationsschwierigkeiten, Projektanpassungen und höhere Kosten verzögerten aber den Fortschritt. Seit 2011 wird die «Fischstube» zwischengenutzt. Erst im vergangenen Dezember sprach der Gemeinderat den Kredit von 18,6 Millionen Franken für den Ersatzneubau.

Seit ein paar Tagen ist es nun vorbei mit Fischspezialitäten direkt am Wasser. Die «Fischstube» hat den Betrieb eingestellt. Am kommenden Montag beginnen die Abbrucharbeiten.

Eine Frau mit einer schwarzen Daunenjacke war öfters Gast im Fischrestaurant und wollte nochmals reinschauen, bevor es abgerissen wird. Sie interessiert sich für hochwertige Silberware. Doch nicht das Fischbesteck oder die Saucièren, sondern die Glace-Schälchen haben es ihr angetan: «Ich koche gerne und mache auch selber Glace», sagt sie und geht zum Kassentisch, wo ihr die Kassierin beim Einwickeln hilft.

«Sie standen Schlange bis raus in den Regen»

80 Prozent der Silberware und des Porzellans sei bereits am Samstag verkauft worden, sagt Jürg Hoss. Der Liquidator aus Zollikon ist zufrieden mit dem bisherigen Verkauf: «Am Samstag standen die Interessenten Schlange bis raus in den Regen.»

Die meisten der hellgrauen Loungemöbel, viele Lampen und fast alle Tische tragen den roten Kleber «verkauft». Ein Teil der gusseisernen Gartenstühle erhält ein zweites Leben in einem Café am rechten Zürichseeufer, erzählt Hoss. Und auch die grosse Bar auf der Terrasse ist bereits verkauft.

Die Kaffeemaschine (3800 Franken), der Gasherd (1600) und das Kassensystem (1500) haben zwar noch keinen Aufkleber, es seien aber schon Offerten von Gastronomen eingegangen, sagt Hoss. Wer kaufen darf, wird er im Laufe des Tages entscheiden. Zwar trage jedes Stück sein Preisschild, märten gehöre aber dazu. Was er nicht verkaufen kann, bietet Hoss gemeinnützigen Institutionen an. Lehnen die ab, wird die Ware entsorgt.

Auch in Deutschland landet ein Teil des Inventars

Gestern Montag, am zweiten Liquidationstag, kommen manche Käuferinnen und Käufer nochmals, um ihre Ware zu holen. Für den Transport sind sie zuständig. Eine Ausnahme hat Hoss aber gemacht: «Wir haben Fischbesteck nach Deutschland transportiert.» Eine Frau, die im September in der «Fischstube» geheiratet hat, wollte graviertes Besteck als Andenken.

Die Chromstahlablagen gehen nach Mollis

Zum Abholen ist auch Christian Drescher gekommen. Im Faserpelz und mit Dächlikappe über den schulterlangen Haaren steht er in der Küche und schraubt Chromstahlablagen von den Wänden. Darunter kommt altes Bratfett zum Vorschein.

Drescher betreibt die Sauna in der Seebadi Utoquai, die «Fischstube»-Ablagen ziehen aber in die Berge: «Ich habe eine Alp gekauft», sagt er. Derzeit baut Drescher das Berggasthaus «Fronalpstock» im glarnerischen Mollis zum Event-Lokal um. «Die Küche wird auf Mass eingebaut, aber solche Chromstahlablagen kann man immer gut gebrauchen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1