Geroldswil

Vom Galadinner-Zückerli zum Dorfereignis: Wie die Gemeinde zu ihrem Silvesterfeuerwerk kam

Seit über 20 Jahren veranstaltet die Gemeinde Geroldswil ein Silvesterfeuerwerk. Symbolbild: Philipp Schmidli

Seit über 20 Jahren veranstaltet die Gemeinde Geroldswil ein Silvesterfeuerwerk. Symbolbild: Philipp Schmidli

Der Anlass am 31. Dezember gehört in Geroldswil zur Tradition. Seit über 20 Jahren veranstaltet die Gemeinde das Feuerwerk. Die zündende Idee dazu hatte Hotelier Elio Frappoli.

Die Gemeinde Geroldswil lässt seit über 20 Jahren das Jahr mit einem Silvesterfeuerwerk ausklingen. Am 31. Dezember lädt sie die Bevölkerung deshalb auch dieses Jahr zum Traditionsanlass auf den Dorfplatz. Sicherheitsvorstand Martin Conrad (SVP) empfängt die Geroldswilerinnen und Geroldswiler im Foyer des Gemeindehauses. «Wir offerieren allen ein Cüpli. Ich schenke den Prosecco persönlich ein», sagt Conrad. Es sei eine schöne Veranstaltung, an dem Jung und Alt, Kind und Kegel zusammenkommen würden. Der Anlass ist beliebt. «Bis zu 300 Personen erscheinen. Ich habe sogar das Gefühl, dass jedes Jahr etwas mehr Leute vorbeikommen», sagt Conrad. Speziell sei, dass das Feuerwerk erst nach Mitternacht um zirka 00.07 Uhr stattfinde. «Dadurch verhindern wir, dass das Feuerwerk das Kirchengeläut übertönt.»

Die Gemeinde beauftragt für das 15 bis 20 Minuten lange Spektakel am Himmel seit längerer Zeit einen Pyrotechniker, der das Feuerwerk am Silvestertag auf der Wiese beim Schulhaus Huebwies vorbereitet. Dort werden die Feuerwerkskörper auch abgefeuert. «Bis das Feuerwerk losgeht, bewachen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma das Ganze, damit Dritte es nicht sabotieren oder reinpfuschen können. Das wäre viel zu gefährlich», sagt der Sicherheitsvorstand. Er weiss: «Die beste Sicht auf das Feuerwerk hat man, wenn man neben der Post steht.»

Der ganze Anlass kostet die Gemeinde 10000 Franken. «Dazu gehören auch alle Ausgaben für die Getränke, den Pyrotechniker und die Sicherheitsleute», sagt Conrad. Das Feuerwerk selbst belaufe sich auf 8500 Franken. «Feuerwerke sind nicht günstig. Deshalb bin ich jedes Jahr von Neuem erstaunt, was für einen schönen Anlass wir mit diesem Betrag auf die Beine stellen können.»

Nicht mit der Tradition brechen

Das Feedback der Bevölkerung sei stets sehr positiv. «Die Leute finden das Feuerwerk sensationell. Ich höre oft, dass wir nie damit aufhören sollen», sagt Conrad. Doch ihm sei auch bewusst, dass es im Dorf nicht nur Befürworter gebe. «Die einen werden wohl denken, dass wir spinnen. Und andere interessieren Feuerwerke halt nicht.» Dass das Schauspiel am Himmel die Luft verschmutzt und für Feinstaub sorgt, ist dem Sicherheitsvorstand bewusst. «Nichtsdestotrotz möchten wir deswegen nicht mit dieser Tradition brechen. Wir finden, dass das derzeit höher zu werten ist als der Umweltgedanke.» Offiziell habe man noch keine negative Reaktion erhalten. Falls man aber extremen Widerstand aus der Bevölkerung spüre, werde man sich nach dem Wunsch der Einwohnerinnen und Einwohner richten, sagt Conrad.

Der traditionsreiche Anlass wurde von Hotelier Elio Frapolli ins Leben gerufen. Er und seine Familie führten das gemeindeeigene Hotel Geroldswil zwischen 1994 und 2009. «1996 begannen wir damit, Gala-Silvesterdinners im grossen Saal durchzuführen. Mit dabei war auch immer musikalische Begleitung, teilweise kamen renommierte Musiker und Bands nach Geroldswil, so zum Beispiel der bekannte Unterhaltungsmusiker Willy Schmid», erinnert sich Elio Frapolli.

Irgendwann klopfte die Kulturkommission an

Auf dem Programm stand an diesem Abend auch immer ein kleines Silvesterfeuerwerk. «Das fand bei unseren 200 bis 300 Gästen grossen Anklang.» Und nicht nur bei ihnen. «Irgendwann kam die Kulturkommission auf mich zu und fragte, ob man das Feuerwerk nicht nur für die Gala-Gäste, sondern für die ganze Bevölkerung veranstalten könnte», erzählt Frapolli. Und so spannten die Gemeinde und die Frapollis zusammen. «Wir offerierten die Getränke und ein paar Häppchen. Meine Mutter und meine Frau schenkten Orangensaft, Cüpli und Mineralwasser aus. Die Gemeinde kümmerte sich um die Organisation des Feuerwerks und finanzierte es.» Es seien irrsinnig tolle Anlässe mit jeweils über 500 Zuschauern gewesen. So toll, dass die Geroldswiler auch nach dem Ende der Ära Frapolli im Hotel Geroldswil weiterhin auf das Feuerwerk setzten.

Und auch die Frapollis nahmen die Tradition mit nach Dietikon. Im Hotel und Restaurant Sommerau Ticino organisieren der Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon, die sich Ende Jahr auflösen wird, und seine Familie stets ein Gala-Silvesterdinner samt Feuerwerk. «Auch hier ist es zur Tradition geworden. Unsere Köche zünden das Feuerwerk jeweils auf unserem Dach an. Das gefällt unseren Gästen und unseren Nachbarn.»

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