Schlieren

Vier neue Bäume für einen gefällten: Stadtrat sagt, er befolge Naturinventar

Die Schlieremer Buche hatte bewegt. Auch heute sorgt das Inventar für Diskussionen. (Archivbild: big)

Die Schlieremer Buche hatte bewegt. Auch heute sorgt das Inventar für Diskussionen. (Archivbild: big)

Der Schlieremer Stadtrat bekräftigt, dass ihm das Naturinventar für die Gestaltung des Stadtbildes wichtig ist. Gemeinderat Dominik Ritzmann (Grüne) hatte diesbezüglich mehrere Fragezeichen.

Die Stadt Schlieren führt Buch über ihre Flora: Sämtliche Bäume, Lebensräume und Landschaftsobjekte sind im Kommunalen Naturinventar aufgelistet. Der Schlieremer Gemeinderat Dominik Ritzmann (Grüne) bezweifelt allerdings, ob das Inventar seinen Zweck erfüllt und bei Fragen zu Raumplanung und Naturerhaltung überhaupt berücksichtigt wird. So hatte er am eine entsprechende Kleine Anfrage beim Schlieremer Stadtrat eingereicht. Darin fragt Ritzmann, ob das Naturinventar nicht bloss ein Alibi sei. In einer Vorlage zum Gestaltungsplan für das Schindler-Areal habe der Stadtrat gar nicht auf das Fällen inventarisierter Bäume hingewiesen.

Zudem seien in diesem Jahr in Schlieren zwei Bäume, die im Naturinventar verzeichnet waren, gefällt und erst danach aus dem Inventar genommen worden. Dies zeuge von einer klaren Gleichgültigkeit des Stadtrats, findet Ritzmann. Rhetorisch fragt er: «Wären die Bäume bei einem erfolgreichen Rekurs wieder eingepflanzt worden?» Zudem bemängelt er die Aktualität der Onlinedokumente: Deren letzte Aktualisierung liege mittlerweile schon mehr als vier Jahre zurück. «Transparenz sieht anders aus», schreibt Ritzmann.

Auch inventarisierte Bäume können gefährlich sein

Bei Planungs- und Baubewilligungsverfahren sei das Inventar zwingend als Grundlage zu beachten, hält nun der Stadtrat in seiner Antwort fest. «Gestützt auf einen allfälligen Inventareintrag und ein unabhängiges Fachgutachten wird jeweils entschieden, ob ein konkretes Objekt unter Schutz zu stellen oder aus dem Inventar zu entlassen ist.» Bei baurechtlichen Vorabklärungen werde das Inventar bereits früh konsultiert, um zu vermeiden, dass es beim späteren Baubewilligungsverfahren zu Einsprüchen kommt, schreibt der Stadtrat weiter.

Ob ein Baum krank und seine Fällung notwendig ist, werde von den Fachleuten der Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen zusammen mit externen Experten geprüft. So sei eine objektive Analyse garantiert. Eine Rolle spiele zudem die Haftungsfrage: «Auch von inventarisierten Bäumen kann eine grosse Gefahr ausgehen.» Gefällte Bäume würden zudem, soweit möglich, stets durch vier bis fünf neue Bäume ersetzt, «weil die Ersatzbäume deutlich kleiner sind als der zu fällende Baum, der meist über Jahrzehnte gewachsen war.»

Dass die Onlinedokumente seit vier Jahren nicht mehr aktualisiert wurden, begründet der Stadtrat mit Systemwechseln, die dazu führten, dass man auf die Papierversion angewiesen war. Das Inventar sei online nicht mehr zugänglich gewesen. Derzeit sei die Stadt jedoch dran, alle Bäume systematisch zu überprüfen. Danach werde das überarbeitete Inventar auch wieder online einsehbar sein.

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