Jagdgesetz

Umstrittenes Hobby: Fuchsbaujagd soll im Kanton Zürich verboten werden

Die Baujagd ist in einigen Kantonen, etwa dem Thurgau, bereits verboten. Dies soll nun auch im Kanton Zürich geschehen.

Die Baujagd ist in einigen Kantonen, etwa dem Thurgau, bereits verboten. Dies soll nun auch im Kanton Zürich geschehen.

Jagdhunde sollen im Kanton Zürich künftig nicht mehr in den Fuchsbau geschickt werden dürfen, um Tiere ins Freie und vor das Gewehr des Jägers zu treiben. Grundsätzlich fällt der Entwurf des neuen Jagdgesetzes umweltfreundlicher aus als das geltende Gesetz aus dem Jahr 1929.

Es sind Szenen, an die man lieber nicht denken möchte: Jagdhunde, die sich im Fuchsbau in ein Tier verbeissen, sodass dieses unter der Erde qualvoll verendet und nicht im Freien mit einem erlösenden Schuss erlegt werden kann. Oder Jagdhunde, die im Dachsbau verschüttet werden oder stecken bleiben und nicht mehr zu retten sind.

Solche Vorfälle soll es im Kanton Zürich nicht mehr geben. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) beantragt dem Kantonsrat, die sogenannte Baujagd zu verbieten. Die Kommission nimmt damit eine Änderung am regierungsrätlichen Entwurf des neuen Jagdgesetzes vor. Der mittlerweile abgetretene Regierungsrat Markus Kägi (SVP) hatte das Verbot der Baujagd ursprünglich in Aussicht gestellt – im Gesetzesentwurf tauchte es dann aber nicht mehr auf.

Ausschlaggebend dafür war offenbar die Befürchtung, im Seuchenfall nicht mehr Jagdhunde in einen Fuchs- oder Dachsbau schicken zu können, um infizierte Tiere zu erlegen. Die WAK trägt dieser Sorge Rechnung, wie Kommissionspräsident Bloch sagt. Gemäss der geänderten Vorlage kann die für die Jagd zuständige Baudirektion in Seuchenfällen Massnahmen wie die Baujagd anordnen.

Jäger lehnen sich nicht auf

Die Baujagd ist in einigen Kantonen, etwa dem Thurgau, bereits verboten. Dass dies nun auch im Kanton Zürich geschehen soll, dürften die Jäger verkraften. Vom Verein Jagd Zürich, dem rund 80 Prozent der Zürcher Jäger angeschlossen sind, ist zumindest keine Opposition zu erwarten. Dies sagt dessen Präsident Christian Jaques auf Anfrage.

Die Baujagd habe ohnehin an Bedeutung verloren und werde kaum noch betrieben. Unter anderem habe dies damit zu tun, dass Jagdhunde heutzutage Haustiere seien, zur Familie gehörten und kein Jäger sie einem Risiko aussetzen ­wolle.

Der Vorschlag der Kommission sieht ausserdem neue Bestimmungen für die ebenfalls umstrittene Bewegungs- beziehungsweise Treibjagd vor. Bei ihr werden Wildtiere, oft sind es Wildschweine, mit Lärm aufgeschreckt und in Richtung der Jäger getrieben. Die WAK beantragt, dass die Baudirektion die Anzahl der Bewegungsjagden sowie die Zahl der Treiber und Jagdhunde beschränken kann. Hierzu äussert sich der Verein Jagd Zürich noch nicht. Er will die Vorlage mit all ihren Details zuerst studieren.

Aus für den Flachmann?

Klar Position beziehen kann ­Jaques lediglich schon zur neuen Regelung bezüglich Alkoholkonsum. Wer wiederholt in angetrunkenem Zustand oder unter Drogeneinfluss jagt, soll künftig von der Jagd ausgeschlossen werden können.

Hemmungsloser Schnapskonsum aus dem mitgeführten Flachmann wäre demnach nicht mehr erlaubt. Jacques begrüsst dies – er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass Alkoholexzesse während der Jagd selten seien. Am System der Milizjagd rüttelt die Vorlage hingegen nicht. Es soll beibehalten werden, anders als es die 2018 vom Stimmvolk abgelehnte Initiative «Wildhüter statt Jäger» vorsah.

Das neue Gesetz regelt nicht nur die Jagd, sondern auch die sonstige Nutzung des Waldes. Es sei nicht einfach, die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, sagt Kommissionspräsident Bloch. Nebst den Wildtieren und den Jägern gelte es auch die Ansprüche der Forst- und Landwirtschaft, von Joggern, Bikern, Hündelern, Spaziergängern und vielen mehr zu berücksichtigen.

Umstrittene Leinenpflicht

Dass hier ein Spannungsfeld besteht, zeigt sich unter anderem darin, dass sich die Mitglieder der Kommission nicht in allen Punkten einig sind. Die Mehrheit befürwortet es beispielsweise, dass Hunde während der Brut- und Setzzeit im Frühling und Sommer im Wald angeleint sein müssen. In einigen Kantonen, etwa im Aargau, in Luzern und Schaffhausen, gilt diese Leinenpflicht bereits.

Eine Minderheit der Kommission – die FDP sowie teils die SVP – ist jedoch dagegen. Die beiden bürgerlichen Parteien lehnen überdies mehrere Paragrafen ab, mit denen die Mehrheit der Kommission den Lebensraum der Wildtiere und den Artenschutz stärken will. Dafür verlangen FDP und SVP, dass Schäden, die Biber oder Wildschweine an Drainagen und Flurstrassen verursachen, überwacht und begrenzt werden.

Weiter ist eine Minderheit aus Vertretern der beiden Parteien dagegen, dass künftig auch Ausländer mit einer Niederlassungsbewilligung die Aufsicht eines Revieres ausüben dürfen und nicht wie heute nur Schweizer.

Unumstritten ist dafür, dass die Jagdreviere nicht mehr wie bis anhin versteigert, sondern zu einem festen Preis vergeben werden sollen. Vorgesehen ist weiter, dass in besonders sensiblen Gebieten Wildruhezonen ausgeschieden und bestehende Wildtierkorridore erhalten werden können. Alles in allem fällt der Entwurf des neuen Jagdgesetzes somit umweltfreundlicher aus als das geltende Gesetz aus dem Jahr 1929. Im links-grün dominierten Kantonsrat dürfte es somit gute Chancen haben.

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