Pandemie

Über 170 Zürcher Sportvereine haben beim Kanton insgesamt 1,5 Millionen Unterstützung beantragt

Die Coronakrise hat in der Schweiz unter anderem den Spielbetrieb der Fussballjunioren lahmgelegt. Davon betroffene Vereine erhalten vom Kanton Zürich Unterstützung. (Symbolbild)

Die Coronakrise hat in der Schweiz unter anderem den Spielbetrieb der Fussballjunioren lahmgelegt. Davon betroffene Vereine erhalten vom Kanton Zürich Unterstützung. (Symbolbild)

Der Kanton Zürich hat bereits etwa drei Viertel der 2 Millionen Franken ausbezahlt, die er aufgrund der Coronakrise als Soforthilfe für Sportvereine bereitgestellt hat. Der Sport habe in der Krise eine enorm wichtige Funktion, ist Regierungsrat und Sportminister Mario Fehr (SP) überzeugt.

Am 16. März begann der Lockdown und damit auch der Stillstand für die 2400 Sportvereine im Kanton Zürich. «Wir waren bisher überzeugt, dass immer Fussball gespielt wird. Keiner hätte geglaubt, dass das einmal nicht mehr stimmen könnte», sagte Theo Widmer, Vereinsunterstützer des Fussball-Regionalverbands Zürich, gestern vor den Medien.

Bereits am 18. März gab es für die Sportvereine und -verbände aber gute Nachrichten. Der Regierungsrat hatte aus dem Lotteriefonds zwei Millionen Franken Soforthilfe à fonds perdu gesprochen. Ein «Erste-Hilfe-Paket» für die Vereine, wie Widmer sagte.

Auch der Volleyballclub Smash Winterthur war froh um die Nachrichten vom Kanton, wie Ursula Staufer, Co-Präsidentin des Clubs sagte: «An der ersten Videokonferenz war die Erleichterung der Vorstandsmitglieder sichtbar, als ich verkünden konnte, dass der Regierungsrat uns Geld zugesichert hat.»

171 Vereine und Verbände aus über 25 Sportarten und aus allen Bezirken des Kantons haben bis Ende Juni ein Gesuch um Soforthilfe beim Sportamt des Kantons eingereicht. 28 Prozent davon machen die Fussballvereine aus, gefolgt von den Turnvereinen mit 12 Prozent. Das sei nicht erstaunlich, da Fussball auch die Sportart sei, die von den meisten Zürcherinnen und Zürchern in einem Verein ausgeübt werde, sagte Stefan Schötzau, Chef des Sportamts.

1,3 Millionen Franken sind bereits ausbezahlt worden. Der fehlende Teil werde im Laufe des Sommers bei den Vereinen eintreffen, sagte Schötzau. Durchschnittlich erhielten die Vereine 14000 Franken. Der kleinste Betrag liegt bei 1000 Franken, der Höchstbetrag bei 160000 Franken. Dieses Geld bekam der Zürcher Turnverband. Die Gesuche für Beträge über 50000 Franken – etwa für Pfadi Winterthur, den Unihockeyclub Kloten-Dietlikon Jets oder Handball Stäfa, die über halbprofessionelle Strukturen verfügen – liefen durch die Hände des Sportministers Mario Fehr (SP). Die kleineren Beträge bewilligte das Sportamt direkt.

Die Hälfte aus eigener Kraft stemmen

Die Vereine waren angehalten, im Onlineformular ihre finanziellen Schäden auszuweisen. Wenn der zu erwartende Verlust 20 Prozent des Vereinsvermögens überstieg, erhielten die Clubs Unterstützung. Allerdings übernahm der Kanton durchschnittlich nur die Hälfte des Verlusts. Die andere Hälfte mussten die Vereine aus eigener Kraft, über ihre Unterstützer oder mit Hilfe der Gemeinde stemmen. Ganz wenige Vereine erhielten trotz Gesuch kein Geld, etwa weil sich ergab, dass ihnen Jugend- und Sport-Beiträge vom Bund erstattet werden oder die Gemeinde Mietkosten erlassen hat.

«Unsere Saison war im März zwar fast zu Ende», sagte Ursula Staufer vom VC Smash Winterthur. Aber die grossen Anlässe, die Geld in die Kassen spülen, wie das Albani-Fest oder ein Fussball-Public-Viewing, bei dem die Mitglieder aushelfen wollten, fielen ins Wasser. Mit den 8000 Franken, die Smash Winterthur vom Kanton erhalten hat, konnten 50 Prozent der Ausfälle gedeckt werden. Den ausgefallenen Sponsorenlauf ersetzte der Verein durch eine Videochallenge, wobei die originellen Videos der Athletinnen und Athleten von Personen in ihrem Umfeld finanziell unterstützt wurden.

«Es ist schön zu erleben, wie engagiert die Vereine sind», sagte Mario Fehr. Die Coronakrise habe gezeigt, dass der Sport systemrelevant sei, sowohl für die Geselligkeit in einem Verein, aber auch der individuelle Sport. Fehr ist überzeugt, dass durch die Möglichkeit, Sport zu treiben während des Lockdowns, viele Fälle von häuslicher Gewalt verhindert werden konnten.

Weniger Spiele und zu Hause duschen

Das Ziel des Regierungsrats sei von Anfang an gewesen, dass keiner der Vereine seinen Betrieb einstellen müsse und die geldbringenden Anlässe im nächsten Jahr stattfinden können, sagte Fehr. Wie es sich bis jetzt abzeichne, sollte dieses Ziel erreicht werden.

Immer vorausgesetzt, dass ab Ende August der Sportbetrieb wieder weitgehend normal fortgeführt werden könne, ergänzte Theo Widmer vom Fussballverband. «Wir haben aber viel gelernt seit März, etwa mit den neuen Regeln umzugehen und Schutzkonzepte zu erstellen.» Widmer kann sich vorstellen, dass bei grossen Sportanlagen künftig weniger Spiele gleichzeitig stattfinden, und für Ursula Staufer hat sich bewährt, dass die Spielerinnen und Spieler bereits umgezogen in die Halle kommen und danach zu Hause duschen, damit die Garderoben nicht ständig desinfiziert werden müssen.

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