Dietikon

«Studio Dietikon» wird sesshaft – und präsentiert nie dagewesenes Datenmaterial aus der Bevölkerung

Im Alten Bauamt wird am Samstag der Film zur Stadtentwicklung ausgestrahlt.

Schwarz und pink leuchten die Lettern an der Fassade des Alten Bauamts beim Kronenareal in Dietikon. Ein Mann steht auf der Leiter und befestigt den Buchstaben E an einem Holzrahmen. «Studio Dietikon» ist zu lesen. Seit Anfang Februar war das Team des Basler Büros Denkstatt mit dem mobilen «Studio Dietikon» – einem Gefährt mit Stellwand und grosser Stadtkarte – auf öffentlichen Plätzen und in Dietiker Quartieren unterwegs mit dem Ziel, Stimmen der Bevölkerung zu sammeln und auf Video festzuhalten. Nun wird das «Studio Dietikon» sesshaft und findet im Alten Bauamt ein neues Zuhause. Und nicht nur das: Am Samstag verwandelt sich das Gebäude in ein Kino. Dann wird der 55-minütige Film gezeigt, der aus den zahlreichen Interviews entstanden ist.

«Der Dialog mit der Bevölkerung stand für uns im Zentrum, als wir in die Quartiere fuhren. Wir wollten von den Leuten wissen, was ihnen Dietikon bedeutet, wie sie wohnen und arbeiten», sagt Tabea Michaelis von der Denkstatt. Überdies wurden Themen wie etwa Mobilität im Zusammenhang mit der Limmattalbahn behandelt. «Der Film zeigt eine Bandbreite an Stimmen, die wohlwollend, aber auch kritisch ausfallen», sagt Ben Pohl von der Denkstatt. Verschiedene Generationen und Nationen kommen zu Wort. «Die einen sehen die Limmattalbahn beispielsweise als Chance, andere überlegen sich deswegen wegzuziehen. Und auch über das, was Dietikon ist, gibt es diverse Ansichten. Alteingesessene Bewohner verstehen die Stadt immer noch als Dorf, während Zugezogene die Urbanität Dietikons schätzen.»

Dietikon, was machst Du? (Trailer)

Dietikon, was machst Du?

Aus den zahlreichen Interviews, die das Basler Büro Denkstatt mit der Bevölkerung geführt hat, ist ein 55-minütiger Film entstanden. Am Samstag ist Premiere.

Neue Stimmen hören

Für die Stadt sind diese Erkenntnisse Gold wert. Die Filmvorführung ist der Auftakt einer Reihe von Anlässen, um die Bevölkerung aktiv in die Stadtentwicklung einzubeziehen. Der Stadtrat bewilligte für den ganzen Prozess knapp 200 000 Franken. «Es ist uns gelungen, Stimmen einzufangen, die man bisher nicht hörte. Menschen, die sich beispielsweise nicht an demokratischen Prozessen beteiligen können», sagt Severin Lüthy vom Stadtplanungsamt. Man sei froh, dass man das Alte Bauamt für die Ausstrahlung des Films nutzen könne. «Zuerst wollten wir ein Provisorium aufstellen, doch das Haus schien uns geeigneter. Es stand fast zehn Jahre leer. So können wir es reaktivieren, bevor nächstes Jahr ein Kindergarten und Wohnungen darin entstehen», so Lüthy. Zudem seien zwei weitere Veranstaltungen im Sommer und dazwischen immer wieder Workshops geplant. «Für Personen, die sich mit dem Thema Stadtentwicklung auseinandersetzen, soll das ‹Studio Dietikon› zu einem Treffpunkt werden.»

Noch herrscht im Inneren des Gebäudes eine Baustelle. Bis zum Anlass müssen die Wände gestrichen, die Beleuchtung und die Filmleinwand installiert werden. Im Garten sägen Mitarbeiter der Denkstatt gelbe Schaltafeln zurecht, damit sie als Informationsstellwände und gleichzeitig als Abdunkler für die Filmvorführung genutzt werden können. Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) wird auch vor Ort sein, um die Zuschauer zu begrüssen. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit, zu diskutieren. «Wir erhoffen uns so natürlich noch mehr Inputs», sagt Michaelis. Und auch das Mittagessen um 12 Uhr solle zum Dialog anregen.

Autor

Sibylle Egloff

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