Corona-Virus

Strenge Massnahmen: Heute könnte der Bundesrat das Veranstaltungsverbot verschärfen

Bei einem schärferen Veranstaltungsverbot dürften solche Bilder im Zürcher Nachtleben vorerst der Vergangenheit angehören.

Bei einem schärferen Veranstaltungsverbot dürften solche Bilder im Zürcher Nachtleben vorerst der Vergangenheit angehören.

Der Bund könnte heute ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 300 Besuchern beschliessen. Das öffentliche Leben in Zürich würde dadurch teilweise lahmgelegt.

Das Corona-Virus und die damit einhergehenden Einschränkungen haben der Unterhaltungs- und Veranstaltungsbranche innert kurzer Zeit schon schwer zugesetzt. Heute könnte der Bundesrat das bestehende Veranstaltungsverbot verschärfen.

Statt wie bisher maximal 1000 Besucherinnen und Besucher sollen nur noch maximal 300 zulässig sein. Diese und weitere Massnahmen hat der Bundesrat den Kantonen zur Stellungnahme vorgelegt. Ob und wie genau das verschärfte Verbot kommt, soll der Bundesrat heute Vormittag entscheiden. Das derzeitige Veranstaltungsverbot ab 1000 Personen ist bis zum 15. März befristet, deshalb muss auf jeden Fall ein Entscheid gefällt werden, wie es weitergehen soll.

Das bisherige Verbot hat in Zürich bereits zu zahlreichen abgesagten Veranstaltungen geführt, beispielsweise von Konzerten, Fussballspielen und Messen. Eine deutliche Senkung der maximal zulässigen Besucherzahl würde zahlreiche weitere Veranstaltungen und Institutionen treffen. Eine unvollständige Auswahl:

Sechseläuten auf der Kippe

Am 20. April soll das Zürcher Sechseläuten stattfinden. Der Traditionsanlass mit Umzug und Böögverbrennen zieht jährlich zehntausende Besucherinnen und Besucher an. Viel zu viele selbst nach der jetzigen Regelung. Das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs will in den kommenden Tagen einen Entscheid fällen. Aller Voraussicht nach muss der Anlass abgesagt werden.

Opernhaus und Schauspielhaus konnten sich mit der bisherigen Limite von 1000 Personen arrangieren. Die Pfauenbühne des Schauspielhauses Zürich bietet Platz für bis zu 750 Besucher und fiel deshalb gar nicht unter das bisherige Veranstaltungsverbot. Das Opernhaus hat Platz für 1100 Besucher. Um das bestehende Verbot einzuhalten, wurden zuletzt nur noch 900 zugelassen. Es riet zudem älteren und gesundheitlich beeinträchtigten Personen von einem Besuch ab. Und «La Bohème» wurde gestern kurzfristig abgesagt, weil sich Star-Tenor Juan Diego Flórez krank gemeldet hatte.

Ob es Vorstellungen für weniger als 300 Personen durchführen würde? Auf Anfrage hiess es dazu lediglich: «Sobald eine Entscheidung vom Bund und dem Kanton Zürich getroffen werden sollte, werden wir über die daraus resultierenden Konsequenzen für das Opernhaus Zürich informieren.»

Ähnlich ist die Situation für die Rote Fabrik. Ihr grosser Saal ist für maximal 900 Personen zugelassen. Für die grösseren Clubs wäre eine Beschränkung auf 300 Personen ebenfalls ein Problem. Die Bars und Clubs haben vergangene Woche Massnahmen ergriffen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine weitere Einschränkung könnte sie hart treffen.

Mehr Platz im Kino

Ungeachtet einer Verschärfung der Massnahmen haben einige Kinobetreiber in Zürich bereits auf die Corona-Krise reagiert. Das Kino Sihlcity, das im grössten Saal Platz für über 530 Zuschauerinnen und Zuschauer hat, schreibt auf der Website: «Aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation werden ab sofort einzelne Plätze freigelassen. Somit wird genügend Abstand generiert.» Ähnlich geht das «Corso» vor. Der grösste Saal fasst über 500 Personen. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, habe man den Balkon gesperrt und im Parterre den Verkauf vereinzelter Reihen blockiert, heisst es auf Anfrage. Die Kinofans könnten sich dann ­innerhalb der gewählten Sitzplatzkategorie umsetzen. Im Moment sei aber ohnehin ein Zuschauerrückgang zu verzeichnen, sagt ein Mitarbeiter.

Plexiglasscheiben zum Schutz

Stabil sei dagegen die Zahl der Eintritte im Kunsthaus Zürich, sagt eine Sprecherin. Das Museum blieb von Einschränkungen verschont, weil sich die Besucherinnen und Besucher auf die einzelnen Räume verteilen. Ob eine Beschränkung auf 300 Personen das Kunsthaus betreffe, sei noch nicht klar. Um das Personal an der Kasse zu schützen, habe man Plexiglasscheiben angebracht. Zudem dürften die Mitarbeitenden Handschuhe tragen, falls sie das wünschten. Und für den Eintritt erhalten die Besucher statt des wiederverwendbaren Jetons einen Kassenbon aus Papier.

Auch bei den Hochschulen zeichnen sich Einschränkungen ab. Am Departement Physik an der ETH Zürich werden die Vorlesungen ab Montag nur noch auf den Internetplattformen stattfinden. Ab dann seien keine Studierenden mehr zugelassen in den Hörsälen, heisst es in einer Mitteilung. Noch offen ist, welche Massnahmen andere ETH-Departemente ergreifen werden.

Vorlesungen via Podcasts

An der Uni Zürich haben Studierende eine Petition eingereicht. Sie verlangen von der Uni-Leitung, nur noch digital unterrichtet zu werden. «Die digitalen Lehrangebote werden derzeit massiv ausgebaut», sagt Uni-Sprecherin Melanie Nyfeler. Zurzeit würden etwa 300 Vorlesungen pro Woche via Podcasts übertragen, und es würden täglich mehr. Daneben kämen auch Materialien zum Selbststudium und zur schriftlichen Bearbeitung über eine Lehrplattform zum Einsatz.

Ziel der Uni sei es, Studierenden, die daheim bleiben müssen oder wollen, Alternativen anzubieten und einen geordneten Abschluss des Semesters zu ermöglichen. Zudem wurden Massnahmen getroffen, um grössere Ansammlungen zu vermeiden. So sind bereits jetzt alle an der Universität geplanten Veranstaltungen ausserhalb des regulären Lehrbetriebs bis 5. April abgesagt.

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