Seit Freitag liegt auf der Gemeinde Spreitenbach ein Baugesuch auf. Es stammt vom Eigentümer des Reithofs zwischen dem Teischlibach und dem Bruno-Weber-Park. Als ehemaliger Stiftungsrat ist er der Bruno-Weber-Stiftung freundschaftlich verbunden, die heute den Park betreibt. Er will ihr nun das ermöglichen, was im Park selber nicht geht, weil die Künstlerwitwe Maria Anna Weber und ihre Unterstützer es stets juristisch bekämpft haben: ein neues Betriebsgebäude mit einer witterungssicheren Lagermöglichkeit für die wertvollen Skulpturenschalungen, einem Innenatelier für den wichtigsten Mitarbeiter des Parks und einem neuen Eingangskiosk, der das heutige Container-Provisorium ersetzen soll. Ebenfalls Teil des Baugesuchs sind eine Umnutzung des Pferdestalls zu Wohnzwecken sowie eine Tiefgarage mit zehn Parkplätzen; diese Pläne haben aber nicht direkt mit dem Park zu tun.

Das Areal steht in der Reithofzone. Die Spreitenbacher Bau- und Nutzungsordnung (BNO) hält dazu in Paragraf 19 fest, dass diese Zone «für Bauten und Anlagen, die im Zusammenhang mit der Pferdehaltung und dem Reitbetrieb stehen», bestimmt ist.

Ebenfalls in der BNO steht aber, dass «Wohnungen sowie andere, nicht störende gewerbliche Nutzungen nur in untergeordnetem Masse möglich sind». Gemeint sind damit zum Beispiel Architektur- oder Anwaltsbüros.

Ist das Projekt zonenkonform?

Nun stellt sich also die Frage, ob das Bauprojekt im Sinne der BNO legal ist oder nicht. Jürg Müller, Gemeindeschreiber von Spreitenbach, sagt dazu: «Wie üblich wird die Gemeinde die Normenkontrolle vornehmen, wenn die Auflagefrist des Baugesuchs abgelaufen ist.» Inhaltlich äussert sich die Gemeinde noch nicht öffentlich.

Aus Sicht der Gesellschaft Weinrebenpark – die aus dem Verein Freunde Bruno-Weber-Park entstanden ist und auf der Seite der Künstlerwitwe steht – ist das Vorhaben klar nicht zonenkonform, wie Präsidentin Sabine Billeter sagt.

Isabelle Cart, Präsidentin der Bruno-Weber-Stiftung, ist hingegen überzeugt, dass das Projekt machbar ist: «In Bruno Webers Geschichte gab es schon viele Ausnahmebewilligungen. Auch diesmal ist der Park auf den Goodwill der Gemeinde angewiesen.» Das aktuelle Projekt sei ein Plan B, der nötig wurde, weil sich die Künstlerwitwe und ihre Unterstützer stets gegen Bautätigkeit im Park gewehrt haben (zum Beispiel gegen ein Skulpturenschalungslager auf dem Dach des Wassergartensaals).

Cart bestätigt, dass die Stiftung die Gegenseite nicht über das aktuelle Bauprojekt informiert hat. Die Kommunikation zwischen beiden Parteien ist schwierig.

Impressionen aus dem Bruno-Weber-Park: 

Neben dem Baugesuchs stösst Weber und ihren Unterstützern auch ein Anlass sauer auf: So hat die Stiftung auf nächste Woche alle Gemeinde- und Stadträte von Dietikon sowie alle Kantonsräte des Zürcher Limmattals zu einem Abend mit Getränken und Grilladen eingeladen, wo sie der Politik «die aktuelle Situation und die Herausforderungen» schildern will. Konkret: Die Politik soll dort nur von einer von beiden Seiten informiert werden. Das empfindet die Gegenseite als unzulässige Einflussnahme. «Genau solche einseitigen, während eines laufenden Gerichtsverfahrens erst recht nicht tolerierbaren Aktionen haben das Fass zum Überlaufen gebracht», sagt Billeter.

Was hingegen bei der Stiftung gelinde gesagt für Überraschung sorgte, ist ein Communiqué, das die Gesellschaft Weinrebenpark zusammen mit Maria Anna Weber am Dienstag den Medien schickte. Der grösste Teil des Parks gehört Maria Anna Weber und soll ab 1. Juli von der Gesellschaft Weinrebenpark betrieben werden, heisst es darin. Der Parkteil mit dem Wassergartensaal, dem grossen Flügelhund und dem Teich soll währenddessen weiterhin von der Bruno-Weber-Stiftung betreut werden. Diese betreibt heute den ganzen Park – basierend auf einer Nutzungsvereinbarung, die letztes Jahr auslief und die Maria Anna Weber zudem schon vor Ablauf gekündigt hatte.

Warten aufs Bezirksgericht

Weber kämpft derzeit vor dem Bezirksgericht Baden darum, «dass die Stiftung ihre Eigentums- und Besitzrechte endlich respektiert und ihre Grundstücke nicht einfach weiterbenutzt», so Billeter. Die Stiftung fordert derweil eine Verlängerung der Nutzungsvereinbarung, diese sei grundsätzlich vorgesehen in der alten Vereinbarung. Dem Gerichtsentscheid dazu greife die Gesellschaft Weinrebenpark mit ihrem Vorpreschen vor, sagt Cart. Sie sieht den Park-Streit zudem nicht gern in der Zeitung. «Je mehr Schreckensnachrichten, desto weniger Gönner. Die Gesellschaft Weinrebenpark erweist uns einen Bärendienst.» Cart hofft aber nach wie vor, dass es vor Gericht zu einer konstruktiven Einigungsverhandlung kommt.

Das Ziel von Maria Anna Weber ist nun eine Vereinbarung in die andere Richtung. Die Stiftung soll den Weber gehörenden Park-Teil nicht mehr nutzen. Sondern die Gesellschaft Weinrebenpark soll sowohl Webers Teil als auch jenen der Stiftung nutzen. Man wolle daher das Gespräch mit der Stiftung suchen, sagt Billeter. Auch die Angestellten der Stiftung will die Gesellschaft Weinrebenpark, die als Verein organisiert ist, übernehmen.

Fazit: Eine Einigung und Ruhe im Park wollen beide Seiten. Doch sind die Ziele sehr unterschiedlich. Bis ein rechtskräftiger Gerichtsentscheid vorliegt, wird der Streit kaum beigelegt.

Immerhin sollen die Parkbesucher davon nicht beeinträchtigt werden. Man kläre die weiteren Schritte ab und werde nichts überstürzen, so Billeter.