Birmensdorf

Ständerat hat Motion gegen Food-Waste zugestimmt – ein Meilenstein für Hélène Vuille

Im Dezember stellte Hélène Vuille noch ihr neues Buch vor, nun kann sie bereits auf ihren nächsten Erfolg zurückblicken.

Im Dezember stellte Hélène Vuille noch ihr neues Buch vor, nun kann sie bereits auf ihren nächsten Erfolg zurückblicken.

Am letzten Mittwochabend feierte die Birmensdorferin Hélène Vuille einen Meilenstein im Kampf gegen Food-Waste. Der Ständerat hat einer Motion gegen Food-Waste zugestimmt, an der die Birmensdorferin beteiligt war.

Der Ständerat hat mit 33 zu 12 Stimmen die Anti-Lebensmittelverschwendung-Motion der Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz an den Bundesrat überwiesen. Die kleine Kammer folgte damit einer knappen Mehrheit der Gesundheitskommission. Bereits im Juni hatte der Nationalrat die Motion angenommen. Den gesetzlichen Teil und die rechtlichen Abklärungen der Motion hatte der Jurist René Vuille verfasst.

Die Begründung hatte Hélène Vuille gemeinsam mit Martina Munz geschrieben. Die Motion besagt, dass Geschäfte Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch geniessbar sind, künftig an gemeinnützige Organisationen abgeben können. Der Bundesrat hatte sich bereit gezeigt, eine rechtliche Grundlage für die erleichterte Abgabe von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen zu schaffen.

Innenminister Alain Berset (SP) betonte jedoch, dass der Spielraum begrenzt sei, da der Schutz der Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten jederzeit gewährleistet sein müsse. Es gebe aber Produkte, die bedenkenlos auch noch ein paar Tage über das Mindesthaltbarkeitsdatum konsumiert werden könnten, sagte Berset. Er selbst esse Joghurts oft noch zwei Wochen nach Ablauf dieses Datums.

Kampf gegen Food-Waste begann vor über 21 Jahren

So habe sie spontan den dabeistehenden Chef verpflichtet, ihr die übrig gebliebenen Tagesfrischprodukte am nächsten Tag auszuhändigen. Sie wolle diese an Obdachlose und Bedürftige weitergeben. Von diesem Tag an bis heute erhält das Hospiz der Caritas regelmässig Frischprodukte wie Sandwiches, Canapés, frische Salate und Säfte sowie süsses Gebäck. Diese werden von Freiwilligen von der Migros ins Heim gefahren. Mittlerweile versorgen Vuille und ihre Teammitglieder zehn Heime in der Stadt Zürich sowie einige ­bedürftige Familien in verschiedenen Gemeinden im Kanton Zürich.

«Ich freue mich so sehr über diese Entscheidung»

Für Vuille, die auch an ihren Lesungen die Zuhörer stets dazu aufrief, sich gegen Food-Waste zu engagieren, ist die Gesetzesänderung das Ergebnis vieler Jahre Knochenarbeit. «Ich freue mich so sehr über diese Entscheidung», sagt sie am Telefon. Zwischenzeitlich habe sie manchmal beinahe die Hoffnung verloren, dass sich noch etwas ändern werde. Sie habe das Wort Geduld kaum mehr hören können. «Doch die Empfänger der Lebensmittel in den Heimen halfen mir, weiterzukämpfen. Sie waren so dankbar», sagt Vuille. Auch die Heimleiter bestätigen immer wieder, was diese Tagesfrischprodukte für die Bewohner bedeuten. «Für viele ist dies das Highlight der Woche.»

Auch wenn der politische Kampf nun gewonnen ist, so geht es laut Vuilles Erfahrung noch einige Zeit, bis die neue Regelung in den Köpfen der Leute verankert ist. «Ich denke, das braucht Zeit, bis die Leute von der Gesetzesänderung Gebrauch machen. Insbesondere weil momentan das Corona-­Virus in aller Munde ist», sagt Vuille. Doch das werde auch wieder anders und dann werde sich auch die Situation im Umgang mit den Lebensmitteln ändern. «Die Grossbetriebe können es wohl zahlen, dass sie so viele Lebensmittel wegwerfen, aber leisten kann sich das niemand», sagt Vuille.

Meistgesehen

Artboard 1