Auch anderthalb Jahre nach dem Nein der Schlieremer zur Ortsbus-Initiative ist die Anbindung der Aussenquartiere ans Zentrum noch auf der politischen Agenda. Diese Woche veröffentlichte der Stadtrat nun eine Vorlage zur möglichen Umsetzung eines solchen Angebots. Im vergangenen Juli überwies das Parlament die Motion von Gaby Niederer, in der die QV-Gemeinderätin zusammen mit 19 Mitunterzeichnenden einen Ruftaxi-Testbetrieb von ein bis zwei Jahren verlangte. Im Detail geht es um die Gebiete Schlierenberg, Kampstrasse, Lättenstrasse und Langackerstrasse.

Für diese Gebiete arbeitete der Stadtrat ein Konzept für eine mögliche Umsetzung aus. Darin ist festgehalten, dass nur Bewohner der vier genannten Gebiete für die Benutzung des Ruftaxis infrage kommen. Dabei handelt es sich um insgesamt rund 2600 Menschen, die den Dienst während den Betriebszeiten zwischen 6 und 24 Uhr nutzen könnten. «Das Ruftaxi verkehrt maximal zwei mal pro Stunde von den berechtigten Gebieten zum Taxistandplatz Bahnhof Schlieren und zurück», schreibt die Exekutive. Damit das Ruftaxi mehrere Fahrgäste mit demselben Ziel aus den Aussenquartieren abholen könne, seien alle Fahrten mindestens 30 Minuten im Voraus zu bestellen, heisst es weiter.

Stadt rechnet mit 5000 Fahrten

Eine Einzelfahrt mit dem Ruftaxi kostet 5 Franken, dabei können pro Person maximal 20 Billetts pro Monat bei der Stadt erworben werden. Ein Wohnortnachweis müsse beim erstmaligen Bezug dieser Karten vorgelegt werden.

Die Kosten kalkulierte die Stadt auf Erfahrungswerten anderer Gemeinden. So rechnen die Verantwortlichen mit rund 5000 Fahrten à 15 Franken pro Jahr. Nach Abzug der Billettkosten hätte die Stadt einen Betrag von 50'000 Franken zu entrichten. Zusätzliche 10'000 Franken veranschlagt die Stadt für die Implementierung des Billettverkaufs. So beantragt der Stadtrat dem Gemeindeparlament einen Kreditantrag von 110'000 Franken. Wäre das Geld vor Beendigung des zweijährigen Pilotbetriebs aufgebracht, werde das Angebot vorzeitig eingestellt.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), der im Bericht des Stadtrats zitiert wird, ist skeptisch: «Wir betrachten das vorliegende Angebot aufgrund des eingeschränkten Nutzerkreises und der fehlenden Erschliessungspflicht nicht als Teil des öffentlichen Verkehrsangebots.» Zudem: «Ähnliche Angebote in anderen Gemeinden wurden jeweils schwach genutzt und verursachten dementsprechend hohe Kosten pro Nutzer», schreibt der ZVV weiter.

Gefühl der Benachteiligung

So empfiehlt auch der Stadtrat die von ihm ausgearbeitete Vorlage dem Parlament zur Ablehnung, da sie ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweise. Das Angebot ziehe zudem einen grossen administrativen Aufwand nach sich, insbesondere bezüglich der Prüfung der Legitimation der Nutzer. Und: Die Festlegung des Perimeters würde bei «potenziellen Nutzerinnen und Nutzern, die ausserhalb des Perimeters wohnen» zu einem Gefühl der Benachteiligung führen und für Unmut sorgen.

Wie das Parlament befinden wird, sei schwierig abzuschätzen, sagt der verantwortliche Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) auf Anfrage. «In den bisherigen Debatten zu diesem Thema wurde stets darauf verwiesen, dass sich das Geld für einen Versuch lohne», sagt er. Damals ging die Stadt jedoch noch von jährlichen Kosten von 45'000 Franken aus. «Wie das Parlament auf den Betrag von 110'000 Franken für zwei Jahre reagiert, weiss ich nicht. Zu reden geben werden jedoch sicherlich die Gebiete. Der Stadtrat ist der Auffassung, dass die Festlegung dieser Gebiete als ungerecht empfunden werden könnte.» Traktandiert ist das Geschäft für die nächste Sitzung vom 12. Februar.

Verbesserungen bereits umgesetzt

Erst mit dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2017 wurde das öV-Angebot für Anwohner der Kamp- und Lättenstrasse verbessert. So wurde der Uitiker Ortsbus 201 mit einem Stopp bei der katholischen Kirche bis zum Schlieremer Zentrum verlängert. Die Linie 307 führt neu bis zum Baumarkt Bauhaus. Mit diesen Massnahmen sollte das öV-Angebot verbessert werden.

Denn erst Mitte 2016 lehnte das Schlieremer Stimmvolk die sogenannte Ortsbus-Initiative mit knapp 55 Prozent ab. Diese verlangte, dass die Aussenquartiere in drei Schlaufen per Bus mit dem Zentrum verbunden werden. Diese Lösung hätte die Stadt jährlich eine Million und zusätzlich einmalige Investitionen von 400'000 Franken gekostet.