Bericht von der Front

Spazierengehen, Reden und Rätseln: Praktikant Joël Decurtins im Militäreinsatz im Altersheim

Joël Decurtins erzählt von seinem Autrag im Altersheim in Winterthur. (Symbolbild)

Joël Decurtins erzählt von seinem Autrag im Altersheim in Winterthur. (Symbolbild)

Zurzeit ist unser Praktikant der Limmattaler Zeitung nach wie vor im Militär. Dies im Zuge der Coronakrise. Joël Decurtins berichtet vom zweiten Einsatzort, einem Altersheim in Winterthur.

Vom 27. April bis heute war ich an meinem zweiten Einsatzort, einem Altersheim in Winterthur. Dort hatten wir Spitalsoldaten die Schichten der Sanitätssoldaten übernommen, die nach Hause gehen durften. Dringend gebraucht wurden wir nicht mehr – auch nicht für pflegerische Tätigkeiten.

Wir Soldaten, zusammen mit den ebenfalls dort eingesetzten Zivilschützern und -dienstlern, übernahmen Aufgaben wie Tische decken, Getränke zubereiten und mit den Bewohnern Zeit verbringen. Vieles davon hätte das Personal des Heims zeitlich auch gut selber übernehmen können. Einzig das Spazierengehen, Reden und Lösen von Kreuzworträtseln mit den Bewohnern erschien mir sinnvoll. So hatten die älteren Menschen etwas Gesellschaft; denn wie in allen Schweizer Altersheimen durften auch hier keine Besucher empfangen werden. Ab übermorgen können in diesem Heim enge Verwandte unter Auflagen zu Besuch kommen.

Unser Einsatz widerspiegelt die momentane Lage ziemlich gut. Das schlimmste Szenario ist nicht eingetreten. Die Massnahmen des Bundes haben gewirkt. Das Gesundheitssystem kam in den meisten Kantonen nicht an seine Grenzen und die Institutionen konnten sich auf das Virus einstellen. Ein erneuter Anstieg der Anzahl Infizierten wird nach den Lockerungen wohl nicht zu verhindern sein, denke ich.

Wie die letzten Wochen gezeigt haben, kommen aber viele Spitäler und Altersheime ohne unsere pflegerische Mithilfe aus, weshalb schon vor zwei Wochen erste Soldaten nach Hause gehen konnten.
Ende dieser Woche wurden zwei von vier Spitalbataillons in Bereitschaft entlassen. Unser Bataillon bleibt, bis auf einige Soldaten, die morgen entlassen werden, weiter im Dienst. Zusammen mit einer Sanitätskompanie führen wir die Aufträge der abgerüsteten Bataillone weiter. Ob das nötig ist, ist aus meiner Sicht fraglich.

Im Winterthurer Altersheim hätte es uns zum Beispiel nicht mehr zwingend gebraucht. Es ist an der Zeit, dass möglichst schnell möglichst viele Soldaten aus den Kasernen in Bereitschaft entlassen werden. Falls es uns braucht, wären wir innert 24 Stunden für einen Einsatz bereit.

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