Quartierleben

Sparwille statt Lärmschutz – der Zürcher Stadtrat will bediente Barrieren abschaffen

Barrieren und Poller – Zürichs Quartierbewohner störts zusehends.

Barrieren und Poller – Zürichs Quartierbewohner störts zusehends.

Über 30 Barrieren werden von privaten Sicherheitsleuten bedient – das kostet. Der Zürcher Stadtrat will diese Art des Lärmschutzes abschaffen. Das erregt den Unmut in Quartieren.

Die Stadt Zürich hat entschieden, die bedienten Barrieren bei Zufahrten in Fahrverbots- und Fussgängerzonen abzuschaffen. Sie spart damit jährlich über eine Million Franken ein. Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat wehrt sich.

Über 70 Barrieren oder ähnliche Absperrungen wie Pfosten sorgen in der Stadt Zürich unter anderem dafür, dass die Anwohner in ihren Quartieren nachts nicht von Verkehrslärm gestört werden. Rund die Hälfte der Barrieren wird täglich von privaten Sicherheitsleuten bedient - einige ständig, damit Zufahrtsberechtigte passieren können.

Durch das Bedienen und den Unterhalt der Barrieren entstehen Kosten in Höhe von über einer Million Franken. Dieses Geld wird nun eingespart, wie die Dienstabteilung Verkehr am Freitag mitteilte. Die Stadt halte den bisherigen Barrierenbetrieb als Durchsetzungsmassnahme bei (Nacht-)Fahrverboten für unverhältnismässig.

Ein halbjähriger Versuch habe zwar gezeigt, dass nach dem Offenhalten der Barrieren an einzelnen Standorten "erwartungsgemäss mehr Verkehr festzustellen war, der auf unerlaubte Zufahrten - vor allem während den Wochenend-Nächten - zurückzuführen ist". Das sei unerfreulich, jedoch in absoluten Zahlen moderat.

Die Bewohner hätten die Veränderung in den vergangenen sechs Monaten unterschiedlich beurteilt: Im Kreis 4 sei die nächtliche Situation auch mit den Barrieren kritisch. Die Anwohner im Kreis 1 stuften die Situation nicht so schlecht wie im Kreis 4 ein. Die Veränderung seit dem Wegfall der Barrieren sei aber "augenfälliger", und im Kreis 5 werden die Veränderungen am wenigsten stark wahrgenommen.

Flankierende Massnahmen

Betroffen sind die Nachtfahrverbote Langstrasse Ost/West, Innerer Kreis 5, Altstadt rechts der Limmat und Oetenbachgasse sowie das Fahrverbot Himmeribrücke. Dort bleiben zwar die (Nacht-)Fahrverbote bestehen, jedoch werden keine Barrieren respektive Bewachungsdienste mehr eingesetzt.

Damit die unverändert geltenden Verkehrsregimes eingehalten werden, setzt sie Stadt auf flankierende Massnahmen und überprüft beispielsweise die Signalisation. Die Stadtpolizei Zürich werde in den nächsten Wochen - vor allem in den Ausgangsgebieten - die Kontrolltätigkeit erhöhen.

Zudem werden im Gebiet "Nachtfahrverbot Strichzone Niederdorf" die Fahrverbotszeiten an die geltenden Strichzeiten (22 bis 2 Uhr) angepasst und das "Nachtfahrverbot Kreis 5" aufgehoben. Das Verbot wurde mit der Aufhebung des Strassenstrichs rund um den Sihlquai hinfällig.

Gegen Entscheid wehren

Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat lehnt den Entscheid des Stadtrats "mit aller Vehemenz" ab, wie er in einer Mitteilung schreibt. Die Bewohner im Kreis 1 seien vom Mehrverkehr nach der Abschaffung massiv zusätzlich belastet.

Er fordert deshalb, dass der Stadtrat das gesetzlich festgelegte Nachtfahrverbot durchsetze und die Barrieren umgehend wieder einführe. Der Verein wird sich laut Mitteilung mit allen zur Verfügung stehenden politischen und juristischen Mitteln gegen die Abschaffung der Barrieren wehren.

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