Das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Alltagsmüll beschäftigt die Gemeinden seit langem: Es gibt kaum öffentliche Plätze, Parkanlagen oder Strassen, auf denen keine Zigarettenstummel, Papierfetzen oder Essens- und Getränkeverpackungen herumliegen. Im Kampf gegen dieses Littering setzen die Gemeinden auf unterschiedliche Strategien – insbesondere auf Sanktionen und Sensibilisierung.

In verschiedenen Gemeinden ist das Wegwerfen von Alltagsabfall im öffentlichen Raum inzwischen explizit verboten. So dürfen der öffentliche Grund und das öffentliche Eigentum in Weiningen gemäss der kommunalen Polizeiverordnung auf keinerlei Art verunreinigt werden. «Das Wegwerfen und Liegenlassen von Gross- und Kleinabfällen jeglicher Art (inkl. Littering) ist verboten», heisst es in Artikel 30. Wer dagegen verstösst, hat – neben einer Busse – auch die Reinigungs- und Entsorgungskosten zu bezahlen. Neben weiteren Gemeinden führt auch die Stadt Schlieren einen Littering-Artikel. In deren Polizeiverordnung heisst es detailliert: «Es ist verboten, den öffentlichen Grund zu verunreinigen, namentlich durch Spucken und Urinieren oder das Wegwerfen von Kleinabfällen wie Raucherwaren, Kaugummis, Flaschen, Dosen, Papier etc.»

Auf nationaler Ebene hatte sich der Nationalrat 2016 gegen einen landesweiten Littering-Paragrafen ausgesprochen. Eine knappe Mehrheit zweifelte daran, dass ein Verbot, das bei einer Widerhandlung mit einer Ordnungsbusse von bis zu 300 Franken geahndet werden könnte, überhaupt etwas verändern würde. Essensreste und anderer Alltagsmüll werden ja meist anonym und unbeobachtet weggeworfen: Es sei kaum einer so blöd, eine Bierdose direkt vor den Augen eines Polizisten auf die Strasse zu schmeissen, merkte eine Nationalrätin in der Debatte an. Die Befürworter, zu denen auch die damalige Bundesrätin Doris Leuthard gehörte, sprachen hingegen von einem «politischen Signal», das zeigen würde, was erlaubt sei und was nicht.

Neben den Sanktionen für Littering setzen die Limmattaler Gemeinden insbesondere auch auf Öffentlichkeitsarbeit, Information und Kampagnen. So bleiben etwa Dietikon und Schlieren sauber, wie die entsprechende Aktionen heissen. Unter anderem waren die Müllabfuhr-Wagen mit grossen Plakaten unterwegs, mit denen die Öffentlichkeit auf die Littering-Problematik aufmerksam gemacht wurde. Zudem prangt in Schlieren auf jedem öffentlichen Abfalleimer ein gelbes Plakat, auf denen für das korrekte Entsorgen der Abfälle gedankt wird.

Beim Bundesamt für Umwelt heisst es, dass Littering nur wirkungsvoll bekämpft werden könne, wenn verschiedene Massnahmen kombiniert und gezielt ergriffen würden. «Die grösste Wirkung zeigen Massnahmen, die beim Verhalten des Menschen ansetzen.» Denn es werde nicht überall und zu jeder Zeit gleich viel gelittert; an lauen Sommernächten in Erholungszonen werde mehr Abfall hinterlassen als an Plätzen mit Durchgangscharakter. Die Ursache des Litterings sei also bei jedem Einzelnen zu finden, schreibt das Bundesamt.

Littering ist nicht nur ein Problem im öffentlichen Raum. Auch die Schweizer Landwirte sehen sich längst damit konfrontiert. In deren Wiesen und Feldern landet viel Müll, der aus den Fenstern von vorbeifahrenden Autos geworfen oder von Spaziergänger liegengelassen wird, wie der Schweizerische Bauernverband festhält. Dies sei gefährlich für Tiere und Maschinen.