Spreitenbach

Shoppi Tivoli trotzt der Coronakrise: «Wir sind sehr gut aus dem Lockdown gestartet»

«Kein einziges Geschäft im Shoppi Tivoli musste wegen Corona schliessen», sagt Patrick Stäuble.

«Kein einziges Geschäft im Shoppi Tivoli musste wegen Corona schliessen», sagt Patrick Stäuble.

Hohe Besucherzahlen und neue Projekte stimmen Centerleiter Patrick Stäuble drei Monate nach der Wiedereröffnung positiv.

Das Shoppi Tivoli ist an diesem Tag gut besucht – trotz schönstem Sommerwetter. Die heissen Temperaturen scheinen viele in die kühlen Shopping-Hallen statt an die pralle Sonne zu locken. Seit dem 11. Mai ist das Einkaufszentrum in Spreitenbach wieder offen. «Wir sind sehr gut aus dem Corona-Lockdown gestartet», sagt Centerleiter und CEO Patrick Stäuble. Die Kundenfrequenz der ersten fünf Wochen nach der Wiedereröffnung sei 5 bis 15 Prozent höher als zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Umsätze wie vor Covid-19

Überrascht ist der Centerleiter, dass sich der Umsatz im Bereich Unterhaltungselektronik im Shoppi Tivoli ebenso über jenem des Vorjahrs befindet. «Man hätte meinen können, dass sich zuhause während des Lockdowns alle mit Computern und Laptops eingedeckt hätten, doch dem ist nicht so», sagt Stäuble. Auch Telekommunikations-Geschäfte, Lebensmittelhändler und Apotheken würden bereits wieder Umsätze wie zur Zeit vor Covid-19 erzielen.

Den Uhren- und Schmuckgeschäften gehe es auch gut, dort liegen die Werte schon wieder bei 85 bis 88 Prozent. Kleidergeschäfte hätten mit einem Umsatz von 70 Prozent gegenüber der Vor-Corona-Zeit noch etwas mehr Mühe. «Das liegt aber auch daran, dass ihnen während des Lockdowns die zwei wichtigsten Monate für den Verkauf der Frühlings- und Sommerkollektionen wegfielen. Als die Geschäfte wieder öffneten, mussten sie die Ware gleich heruntersetzen. Das hat zur Umsatzeinbusse beigetragen», sagt Stäuble.

Leute haben Geld und wollen sich etwas gönnen

Der Lockdown scheint dem Shoppi Tivoli insgesamt weniger zugesetzt zu haben als erwartet. «Die Menschen konnten in der Coronazeit sparen und möchten sich jetzt etwas gönnen. Das merken wir», sagt Stäuble. Zudem würden viele diesen Sommer nicht in die Ferien verreisen und hätten 3000 bis 4000 Franken zusätzlich zum Ausgeben zur Verfügung.

Der Möbelbereich profitiere zum Beispiel davon. «Man verbrachte viel Zeit zuhause und hat dadurch festgestellt, was noch fehlt. Jetzt wollen viele ihre Wohnung oder ihr Haus verschönern», sagt Stäuble. Doch die Rückkehr aus dem Corona-Shutdown gelang nicht allen Einkaufszentren und Geschäften so gut wie dem Shoppi Tivoli. «Der Standort und die Grösse spielen bestimmt eine Rolle», sagt Stäuble. Shopping-Malls mit einem grossen Einzugsgebiet und einem vielfältigen Angebot mit Restaurants und Freizeitaktivitäten hätten es leichter als kleinere Einkaufszentren.

Der Onlinehandel ist während der Pandemie gewachsen. Doch er hat dem ältesten Einkaufszentrum der Schweiz nicht geschadet. «Die Leute sind nun sicher online affiner geworden, doch ich glaube, dass der Lockdown auch die Grenzen des Online-Handels aufgezeigt hat. Er kann den Kunden nicht alles bieten. Das ist eine Chance für den Detailhandel», sagt Stäuble.

Online und offline hätten Platz nebeneinander. «Die Leute gehen immer noch gerne offline einkaufen. Es ist wichtig, dass der Konsument die Produkte anfassen, an- und ausprobieren kann», findet Stäuble. Es liege nun an den Einzelhändlern, online und offline zu verbinden und mehr Innovation in die Branche zu bringen. «Wenn ihnen das gelingt, gehen sie als Gewinner aus dieser Krise hervor.» Kein einziges der 150 Geschäfte muss im Shoppi Tivoli aufgrund des Coronavirus schliessen, versichert Stäuble. Das heisst aber nicht, dass alle bleiben.

Globus-Filiale schliesst bereits am 15. August

Kürzlich wurde bekannt, dass die Globus-Filiale in Spreitenbach Ende August zugeht. Neun Mitarbeitende sind davon betroffen. Das Geschäft war schon länger am Kriseln, wegen schrumpfender Umsätze wurden bereits mehrere Filialen geschlossen. Anfang Jahr verkaufte die Migros die Warenhauskette an die österreichische Signa-Gruppe und deren thailändischen Partner Central Group.

Die neuen Besitzer wollen sich auf das Luxus- und Premiumwarenhaus-Geschäft in den grossen Städten fokussieren. Stäuble kann noch nicht verraten, wer in das Ladenlokal einziehen wird. Doch er weiss, dass Globus bereits am 15. August geht. «Wir starten dann mit dem Umbau der Räume. Die Fassade gegen die Strasse, wo die künftige Limmattalbahnhaltestelle zu liegen kommt, wird erweitert», so Stäuble.

Über den heutigen Globus-Standort soll künftig der Zugang von aussen zum Shoppi Tivoli erfolgen. Der Bau der Limmattalbahnhaltestelle ist Teil des Bauprojekts Tivoli Garten. Für über 200 Millionen Franken entstehen dort fünf Mehrfamilienhäuser mit 438 Wohnungen, ein Kindergarten und ein Obi-Baumarkt. Vom Shoppi Tivoli ist durch den «Tivoli Garten» zudem eine Verbindung bis zum Pathé Kino Spreitenbach in der Überbauung «Limmatspot» geplant. «Das Projekt ist super für uns, weil wir mit der Limmattalbahn dann noch besser an Zürich angebunden sind. Kinobesucher können vorher oder nachher noch bei uns vorbeikommen, einkaufen oder etwas essen», sagt Stäuble.

Da das Zentrum gegen aussen geöffnet werde, entstünde auf der Plattform oberhalb der Limmattalbahnhaltestelle Platz für Restaurants, Sitzmöglichkeiten und attraktive Schaufenster für neue Einzelhändler, so Stäuble. Ab 2022 sollen die neuen Räume, die Haltestelle und der Baumarkt fertig gestellt sein. Auch aufgrund dieser Projekte blickt er der Zukunft des Shoppi Tivoli positiv entgegen.

Eine grosse Schlange zur Eröffnung

Neues gibt es bereits jetzt ein paar hundert Meter vom Einkaufstempel entfernt im ehemaligen Globus-Lager neben dem doppelspurigen Kreisel. In die ehemalige doppelstöckige Ladenfläche des Interio ist der Discount-Möbelhändler Mömax des österreichischen Konzerns XXXLutz gezogen. Dieser hat auch das Traditionshaus Möbel Pfister übernommen. Vergangene Woche feierte man äusserst erfolgreich Eröffnung. «Bereist vor Ladenöffnung um 10 Uhr standen über 100 Personen Schlange. Es war wirklich ein toller Start», sagt Mömax-Schweiz-Chef Régis Paudex.

Bei der Möbelhaus-Kette ist man trotz Coronapandemie und Schwierigkeiten im Einzelhandel positiv gestimmt. «Der Möbelmarkt ist wieder am Wachsen. Die Leute waren lange zu Hause, haben weniger Geld ausgegeben und gesehen, was sie zuhause verändern wollen», sagt Paudex. Die Branche sei unglaublich in Bewegung.

In den letzten zehn Jahren habe ein starker Verdrängungskampf geherrscht etwa aufgrund von Einkauftourismus und der starken Euro-Franken-Parität. Gewisse Möbelhäuser hätten aufgegeben. «Als Neuling ist es das Ziel von Mömax, sich einen Marktanteil zu sichern und sich zu etablieren», sagt Paudex. Dies wolle man mithilfe des Angebots aus trendigen Möbeln und Dekorations-Artikeln zu günstigen Preisen erreichen.

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