"Die grössten Schweizer Patente"

Sein Robifrost entstand in Dietikon: Der Erfinder Stefan Heuss geht auf Tournee

Die Werkstatt von Stefan Heuss in Dietikon ist gleichzeitig auch Probelokal.

Die Werkstatt von Stefan Heuss in Dietikon ist gleichzeitig auch Probelokal.

Der Erfinder und Kabarettist Stefan Heuss war über sieben Jahre lang ein origineller Sidekick in der SRF-Show Giacobbo/Müller. Seine irrwitzigen Maschinen entstehen dabei in seinem Atelier im Limmattal. Jetzt geht er mit seinem Bühnenprogramm «Die grössten Schweizer Patente» auf Tournee.

Es war der «Fondue-Buddy», mit dem sich der Erfinder Stefan Heuss im Dezember 2016 vom TV-Publikum verabschiedete. Eine Maschine, die das Caquelon unter einer Haube verbarg und über eine ferngesteuerte Fonduegabel verfügte. Der Clou: Ein Staubsauger sog den lästigen Käsegeruch ab. Ein irrwitziges Ungetüm, das tatsächlich funktionierte. Und ein würdiger Abschluss: Heuss war über sieben Jahre lang ein origineller Sidekick in «Giacobbo/Müller» und präsentierte von ihm erfundene Maschinen, die den Alltag vermeintlich erleichtern sollten, darunter der legendäre Robifrost (vereist Hundekot zwecks besserem Aufheben), die iPhone-Hülle aus Salzteig oder die «Sicherheitstasche» für ältere Damen, die jedem Dieb das Handwerk legt.

«Es war eine supercoole Spielwiese», sagt Heuss über sein Engagement in der Late-Night-Show. Den Erfindungen blieb er seither treu. Besonders, wenn Heuss sein Atelier in Dietikon besucht, das Werkstatt, Lager, Büro und Probebühne zugleich ist. Dort entstehen seit Jahren alle seine Erfindungen. Demzufolge sei er beinahe täglich im Limmattal, so Heuss. Eigentlich hätte er sich nach dem Ende der Sendung etwas Ruhe gönnen wollen, aber der Drang, neue Maschinen zu gestalten, war stärker. «Es dauerte nur wenige Wochen, bis ich wieder Lust auf das Erfinden und auf Auftritte bekommen habe. So entstand schliesslich die Idee für ein Bühnenprogramm.»

Zwei Karrieren

«Die grössten Schweizer Patente» nennt sich seine neue Show und es ist die erste, in der Heuss seine Erfindungen als Solist auf der Theaterbühne präsentiert. Es ist ein Neustart für den Zürcher, der einst bei seinem Vater, einem Frankiermaschinenhändler, den Sinn für die Technik entdeckte. «Wir hatten eine Werkstatt bei uns im Haus und ich war stets beeindruckt, wie mein Vater die Geräte reparierte. Er hatte eine Vorgehensweise wie ein Arzt, um festzustellen, wo es genau knarzt. Er klopfte auf die Maschinen und hörte genau hin.» Dennoch entschied sich Heuss für eine Gärtnerlehre. Doch sein Interesse galt auch dem Theater und der Schauspielerei. «Schon als Bub war ich ein Fan von Gustav Knuth, später faszinierten mich auch Loriot und ganz besonders Dimitri», sagt er.

Heuss absolvierte nach der Lehre die Theaterschule «comart», die sich dem Bewegungstheater widmet, und startete anschliessend zwei verschiedene Karrieren: Eine als Gründer eines Gartenbauunternehmens, das er bis heute leitet, und eine als Schauspieler und Kabarettist. Den Durchbruch erzielte er im Duo mit Oliver Hepp als «Hepp und Heuss», das zehn Jahre lang Klein- und Strassentheater zum Besten gab. Nach dessen Auflösung folgte ein neues Duo: «Stahlbergerheuss». Zusammen mit Manuel Stahlberger eroberte er die grossen Bühnen und Events wie den Zürcher Schiffbau oder das Humorfestival Arosa. «Wir waren sehr verschieden und das machte wohl unseren Reiz aus. Manuel war ein Spezialist für Texte und Gesang, während ich schon damals begann, selbst kreierte Erfindungen in unsere Musik einzubauen.»

Der Anruf auf dem Baum

Trotz des Erfolges gingen Heuss und Stahlberger vor acht Jahren getrennte Wege. «Es war ein Prozess und obwohl ich gerne weitergemacht hätte, lernte ich daraufhin die Freiheit eines Solisten kennen und schätzen.» Und da waren auch noch seine Erfindungen, die eine ganz bestimmte Person beeindruckten: Viktor Giacobbo. «Viktor erinnerte sich an einen Auftritt im Casino Winterthur mit ‹Stahlbergerheuss› und so kam es, dass ich einen Anruf kriegte mit der Anfrage, ob ich nicht in seiner Show auftreten möchte.» Heuss befand sich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade für seine Gartenbaufirma oben auf einem Baum – eine verrückte Situation, wie er sich erinnert. «Das SRF bot mir damit eine einmalige Gelegenheit, bei der ich nicht lange zögern musste.»

Seine Auftritte waren von Beginn weg ein voller Erfolg. Das Aus der Sendung sorgte aber für keinen Frust. «Da ich jeden Monat eine neue Erfindung kreieren musste, war immer eine gewisse Anspannung da», sagt Heuss. Seine Fans liessen sich vom Ende der Show auch nicht beirren: Noch immer sind die Auftritte auf YouTube abrufbar und zählen tausende Klicks. Ein weiterer wertvoller Nebeneffekt der Popularität: Durch «Giacobbo/Müller» stiegen auch die Anfragen von Firmen, Schulen und Organisationen, die Heuss für ihre Anlässe buchen. «Solche Engagements sind bis heute meine Haupteinnahmequelle.»

Der Weg nach Dietikon

Weil sich seine Erfindungen mittlerweile stapeln, wurde es Zeit für eine Art Werkschau, wie Heuss sagt. Seit dieser Woche ist er mit dem Programm «Die grössten Schweizer Patente» auf Tournee. «Man wird mich erleben, wie man es vom TV her kennt, aber der Abend hat auch weitere Elemente, wie etwa Filmeinspielungen.» Eine wichtige Rolle spielt auch die Musik. Unterstützung erhält er dabei vom Musiker Dide Marfurt, der mit Gitarre, Maultrommel oder Dudelsack das «Innovations-Orchester» komplettiert.

Geprobt, geschliffen und gebastelt wird weiterhin in Dietikon. Zu Hause bei seiner Frau und Tochter in der Stadt Zürich will er möglichst kein Material lagern, geschweige denn eine neue Erfindung bauen. Und Heuss mag seinen Weg nach Dietikon. «Oft besuche ich zuerst das Brockenhaus oder den Baumarkt, bevor ich ins Atelier gehe». Es sind Möglichkeiten, um neue Ideen für eine Erfindung zu kriegen und an Material zu gelangen. «Manchmal ist es eine Maschine, deren Bewegung meine Fantasie anregt. Manchmal kann es auch eine Geschichte sein, die ich höre.» Auf der nun folgenden Tournee wird er sicherlich viel Inspiration finden, um in Dietikon noch so manche Maschinen herzustellen.

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