Rassismusvorwurf
Schwingerhemd-Verbot: Die Junge SVP startet Politaktion – mit Erfolg

An der Sekundarschule in Gossau ZH wurde Schülern verboten das Schweizer Schwingerhemd zu tragen - das sei rassistisch. Ein Steilpass für die Junge SVP Schweiz, die daraus eine Politaktion macht, die bis in den Zürcher Kantonsrat wirkt.

Jürg Krebs
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Die Junge SVP Schweiz kontert den Schwingerhemd-Aufruhr an der Schule Gossau ZH mit einer Politaktion.

Die Junge SVP Schweiz kontert den Schwingerhemd-Aufruhr an der Schule Gossau ZH mit einer Politaktion.

Facebook JSVP

Eine Lehrerin der Sekundarschule Berg in Gossau ZH forderte drei Schüler auf, das Schwingerhemd am Nachmittag wieder auszuziehen, mit dem sie zum Unterricht erschienen waren. Dieses ist blau-weiss gehalten und mit Edelweissmotiven versehen und wird gerne von Schwingern getragen. Es ist auch unter dem Namen Edelweiss-Hemd bekannt.

Die Lehrerin begründete ihren Entscheid damit, dass die Aktion der insgesamt zehn Schüler rassistisch und ausländerfeindlich sei. Wie die «Sonntags-Zeitung» berichtete, hätten die Schüler zeigen wollen, dass sie «stolze Schweizer und patriotisch» seien.

Auslöser: abschätzige Bemerkungen?

Hintergrund ist gemäss der Zeitung ein Streit zwischen Schweizer Jugendlichen und solchen aus dem Balkan. Letztere hätten sich in einem Aufenthaltsraum abschätzig über die zu hörende Schweizermusik geäussert.

Dieses Inserat lancierte die Junge SVP Schweiz am Sonntagabend.

Der Gossauer Schulleiter, Patrick Perenzin, hat weder an der Leibchenaktion noch am Hemdenverbot Freude, wie er nach dem Zeitungsartikel in einer Mitteilung erklärte. An der Sekundarschule herrsche eine Kultur «von Anstand und Respekt gelebt».

«Im Dresscode der Sekundarschule wird eine zweckentsprechende Kleidung verlangt, damit ein geregelter und störungsfreier Unterricht erfolgen kann», so Perenzin. Edelweiss-Hemden seien aber nicht verboten, so Perenzin.

Die betreffende Lehrerin habe selbst eingesehen, dass sie überreagiert habe. Mit den involvierten Schülern sei gesprochen worden. Der Schulleiter will am Montag erneut das Gespräch mit den Schülern suchen.

Im Schwingerhemd zur Arbeit

Doch nun nimmt das Thema eine viel grössere Dynamik an. Die Junge SVP Schweiz greift das Thema auf. In einem Inserat, das sie am Sonntagabend über Facebook verbreitet, schreibt sie von einer «verkehrten Welt». Muslimischen Mädchen sei es per Bundesgerichtsurteil erlaubt, Kopftüchern an der Schule zu tragen, den Schweizern aber nicht das Edelweiss-Hemd. Die JSVP hält dies für einen «unhaltbaren Schweizerhass».

Und sie geht noch einen Schritt weiter: Sie fordert über Facebook alle Jugendlichen und Erwachsenen dazu auf, zum Unterricht oder zur Arbeit im Edelweiss-Hemd zu erscheinen. Sie sollen dort Fotos von sich machen und der JSVP zukommen lassen.

Ein ähnlich begründetes Schwingerhemd-Verbot an einer Luzerner Schule hatte bereits im Frühjahr 2015 schweizweit für Aufsehen gesorgt und seitens der Jungen SVP zu einer Edelweiss-Hemden-Aktion geführt.

Zürcher Kantonsräte, darunter Claudio Schmid (SVP), folgten dem Aufruf und erschienen zur montäglichen Sitzung im Rathaus im Edelweiss-Hemd.

SVP-Kantonsrat Claudio Schmid twitterte diese Fotos:

Die Zürcher SVP-Fraktion hüllte sich an der Sitzung vom Montag tatsächlich in Edelweiss-Motive - und hatte sichtlich Spass dabei, wie diese Twitter-Fotos von Claudio Schmid zeigen.

SVP-Kantonsrat Claudio Schmid (links) steckt hinter der Edelweiss-Hemd-Aktion seiner Fraktion.
4 Bilder
Kantonsrat Diego Bonato hat zwar kein Edelweiss-Hemd, dafür eine Schirmmütze mit den symbolträchtigen Blumen darauf.
Diese Kantonsräte nehmen mit spezieller Kravatte und Foulard Stellung. Die Aktion scheint ihnen Spass zu machen.
Edelweiss-Hemd oder Kravatte?

SVP-Kantonsrat Claudio Schmid (links) steckt hinter der Edelweiss-Hemd-Aktion seiner Fraktion.

Twitter

Kleider als Statement? Das Edelweiss-Hemd als Zeichen für Schweizer Patriotismus? Bereits wird über Twitter das Tragen von Schuluniformen diskutiert. Der Präsident der Jungen Freisinnigen Kanton Zürich, Andri Silberschmidt sagt auf Twitter: «Das kollektive Uniformieren, egal ob Edelweiss-Hemd, Niqab oder Springerstiefel widerspricht mir als Liberalem.» Er setzt sich für eine freiheitliche Gesellschaft ein.

Andri Silberschmidt auf Twitter.

Selbst Qaasim Illi, Präsident des umstrittenen Islamischen Zentralrats der Schweiz, sonst um keine Provokation verlegen, wenn sie seinen Zwecken nützt, meldet sich: «Wenn uns die Vielfalt überfordert, bleibt noch der Weg zurück in die Schuluniform.»

IZRS-Präsident Qaasim Illi.

Doch auch bissig-witzige Statements sind zu finden: Autorin und Regisseurin Güzin Kar meldet sich mit einem nicht ganz ernst gemeinten Tipp: «Den meisten Herren steht das Edelweiss-Hemd am besten, wenn sie es übers Gesicht ziehen.»

Regisseurin Güzin Kar.