Pandemie

Schwangerschaft und Coronavirus: Der Spitaldirektor vom USZ äussert sich zum Risiko

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangere besonders gefährdet sind oder das Baby Schaden nimmt. (Dieses Symbolbild enstand vor der Coronakrise)

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangere besonders gefährdet sind oder das Baby Schaden nimmt. (Dieses Symbolbild enstand vor der Coronakrise)

Für Schwangere scheint das Coronavirus nicht gefährlicher zu sein als für andere Menschen. Darauf deuten Erfahrungen des Unispitals hin.

Nun sollte die erste grosse Welle von Corona-Erkrankungen den Kanton Zürich erfasst haben. Die Gesundheitsdirektion hatte gestützt auf die Prognosen des Bundesamts für Gesundheit damit gerechnet, dass das in diesen Tagen passiert.

Im Universitätsspital Zürich sind derzeit aber nur 32 Patienten wegen Covid-19 hospitalisiert, wie Direktor Gregor Zünd gestern vor den Medien sagte. Vor einer Woche waren es 35 – die Zahl ist also stabil. Das gilt auch für die Patientenzahl auf der Intensivstation. 18 sind es derzeit, letzte Woche waren es 15. Die Intensivstation verfügt über 28 Plätze, hat also noch Kapazität. An den Folgen des Virus verstorben sind im Unispital bis gestern drei Menschen. Dazu, dass die Patientenzahl bisher noch nicht drastisch gestiegen ist, sagte Spitaldirektor Zünd: «Wir wissen nicht, ob die grosse Welle noch kommt, aber wir sollten auf alle Fälle damit rechnen. Wir haben Respekt davor.»

Wenngleich die Fallzahl nicht stark steigt, haben die Ärzte eine bemerkenswerte Beobachtung gemacht. Der Höhepunkt der Erkrankungen werde wohl ­Mitte Mai erreicht.

Für den Fall, dass die grosse Krankheitswelle noch kommt, hat das Unispital zwei Turnhallen der benachbarten Kanti ­Rämibühl als Notspital eingerichtet. Es hat 60 Betten. 47 Hausärzte haben sich freiwillig bereit erklärt, das Notspital zu betreiben. Zum Einsatz kommt es, wenn Patienten nicht mehr in andere Spitäler verlegt werden könnten. Vorgesehen ist es für die weniger schweren Fälle – zum Beispiel für jene, die aus der Intensivstation entlassen werden können, aber noch Tage oder gar Wochen Pflege brauchen, weil sie erschöpft sind.

Unispital testet alle Patienten

Seit Ausbruch der Pandemie hat das Unispital 2231 Personen getestet. 181 – also gut jeder zwölfte – waren positiv. Seit einer Woche testet das Spital alle stationären Patienten, also nicht nur die Verdachtsfälle. Von den seit dem 1. April eingetretenen 276 Patienten waren 11 positiv, was rund 4 Prozent entspricht. Abgesehen von einer Person wiesen alle Symptome wie Fieber und Husten auf.

«Gleiche Regeln wie bei anderen auch»

Betroffen ist auch die Klinik für Geburtshilfe, wie deren Leitende Ärztin Nicole Ochsenbein ausführte. Sieben von 131 Schwangeren sind seit Ausbruch der Krise positiv getestet worden, was etwa fünf Prozent entspricht. Vier von ihnen sind bereits wieder gesund, zwei sind gar nicht erst erkrankt. Schwangere haben somit den Erfahrungen des Unispitals zufolge kein erhöhtes Risiko. Dennoch sind offenbar viele verunsichert. «Wir werden immer wieder angefragt, was Schwangere speziell beachten müssen», sagte Ochsenbein. «Es sind die gleichen Hygieneregeln wie bei anderen Menschen auch.»

Für Ungeborene scheint das Virus keine Gefahr zu sein. Zwei erkrankte Mütter haben bereits entbunden – und beide Kinder sind gesund und wurden negativ getestet. Warum das so ist, ist bisher noch nicht klar. Die Fallzahlen am Unispital sind zu tief, um Aussagen dazu machen zu können. Ähnliche Resultate hat aber eine chinesische Studie hervorgebracht, die wegen tiefer Zahlen aber ebenfalls nur bedingt aussagekräftig ist.

Auch wenn sich ein Kind im Mutterleib womöglich nicht anstecken kann – nach der Geburt ist dies möglich. Derzeit werden Mutter und Kind aber nicht automatisch voneinander getrennt. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe rät davon ab. Wenn Eltern dies am Unispital aber wünschten, komme man dem nach, sagte Manuel Schmid von der Klinik für Neonatologie.

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