Rolf Lyssy sieht schwarz, rabenschwarz gar, sollte die «No Billag»-Initiative am 4. März angenommen werden. «Ohne SRG wird es keinen unabhängigen Schweizer Film mehr geben», sagt der Regisseur von «Die Schweizermacher» und weiteren erfolgreichen Spiel- und Dokumentarfilme. Im Gemeindezentrum Oberengstringen hielt er anlässlich einer Vorführung seiner neusten Produktion «Die letzte Pointe» ein flammendes Plädoyer gegen eine Annahme der Initiative.


Gertrud Forster ist eigentlich eine lebenslustige alte Dame, die kurz vor ihrem 90. Geburtstag steht. Aber die Anzeichen mehren sich, dass sie langsam den Verstand verliert. Als ein fescher älterer Herr mit einem Blumenstrauss an ihrer Türe klingelt, kann sie sich partout nicht daran erinnern, mit ihm per Dating-Plattform Bekanntschaft geschlossen zu haben, wie er behauptet.

So sehr verstört sie diese Tatsache, dass sie sich über mögliche Formen eines Suizids beraten lässt, denn keinesfalls will sie, wie ihre Freundin, im Pflegeheim landen, ohne Erinnerung an irgendwen und irgendwas. Hat Rolf Lyssy mit «Die letzte Pointe» eine Komödie oder eine Tragikomödie gedreht? Die letzte Pointe sei nicht verraten. Nur so viel: Das Rätsel um den mysteriösen Verehrer löst sich auf und Gertrud Forster, grossartig gespielt von Monica Gubser, kann den 90. Geburtstag im Kreise ihrer Familie feiern.


Ob Monica Gubser und Filme wie «Die letzte Pointe» weiterhin in Schweizer Kinos zu sehen sein werden, hängt nach Ansicht von Lyssy davon ab, wie über die «No Billag»-Initiative abgestimmt wird. Er warnt: «Wir können unsere Filme, unabhängig von deren Qualität, nicht amortisieren, denn wir sind ein zu kleines Land.

Ich höre immer wieder, die reiche Schweiz müsste doch Filme auf dem freien Markt finanzieren können. Ja, wir sind ein reiches Land, aber kein Investor setzt sein Geld auf einen Film, wenn er bereits im Voraus weiss, dass er es abschreiben muss. Wenn wir in den Kinos präsent sein wollen, brauchen wir Subventionsgelder.»


Drei Säulen für den Film
Nur einmal, mit den «Schweizermachern», ist es Lyssy gelungen, die Produktionskosten einzuspielen. Aber das sei die Ausnahme von der Regel, sagt er. Die Finanzierung unabhängiger Schweizer Filme basiere auf drei Säulen. Absolut essenziell sei die Bundesfilmförderung. Dazu kommen zweitens Beiträge von Filmstiftungen und drittens Gelder der SRG, welche sich mit Lizenzen das Recht auf die Ausstrahlung der Filme sichert. «Ohne Beiträge der SRG würde die Schwierigkeit, Filme zu finanzieren, ins Unermessliche steigen», ist der Filmemacher überzeugt. Er verweist auch auf die Fernsehfilme, die von der SRG in Auftrag gegeben und zu 100 Prozent finanziert werden.

«Eine Medienlandschaft, die nur noch aus RTL2, Super RTL und anderen Privatsendern besteht, ist für mich unvorstellbar. Wir wären das einzige Land, das einen freien Medienmarkt hätte.» Lyssy geht es in seinem Engagement gegen die «No Billag»-Initiative keineswegs nur um die Finanzierung seiner Filme. Es geht ihm auch nicht ausschliesslich um die Kunst an sich. Ein grosses Anliegen ist ihm vielmehr die umfassende Information der Bevölkerung bis in die letzte Bergregion. «Das ist eine Vorbedingung, damit wir unsere viel gepriesene direkte Demokratie leben können», sagt er.

Er sei nicht blauäugig und daher auch überzeugt, dass die SRG ihre Strukturen überdenken und ihre Arbeit hinterfragen müsse. «Aber das darf die Qualität nicht infrage stellen und Qualität kostet Geld. Ich habe den Eindruck, die Initianten haben keine Ahnung, was es braucht, um gutes Radio und Fernsehen zu machen.»


Stimmen für oder gegen die Initiative «No Billag» werden im Saal nicht laut. Und so gehen die Zuschauer mit dem eindringlichen Appell von Rolf Lyssy im Ohr nach Hause: «Meine Bitte in Grossbuchstaben: Schreiben Sie ein Nein auf Ihren Stimmzettel.»