Coronavirus

Rickli: Spitäler können Situation bewältigen, wenn sich Bevölkerung an Massnahmen hält

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) am Freitag vor den Medien.

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) am Freitag vor den Medien.

Die Lage in den Zürcher Spitälern ist «angespannt und ernst». Aktuell sind 221 Covid-Patienten und -Patientinnen im Spital - das ist mehr als in den Spitzenzeiten der ersten Welle. In zwei Wochen dürften es voraussichtlich 800 sein. Knapp wird dann vor allem das Personal.

Angesichts der aktuellen Entwicklung geht der Kanton davon aus, dass die Zürcher Spitäler bald sehr belastet sein werden. Die Hospitalisationen würden dem Infektionsgeschehen erfahrungsgemäss zwei Wochen hinterherhinken, sagte Jörg Gruber, Leiter der Versorgungsplanung, am Freitag vor den Medien.

Das bedeutet, dass in zwei Wochen voraussichtlich 800 Covid-Patienten in den Spitälern liegen werden. Jeder zehnte Patient braucht dann wohl künstliche Beatmung, auch dies ist ein Erfahrungswert aus den vergangenen Wochen und Monaten.

Maximalwert vom Frühling bereits überschritten

Aktuell sind 221 Covid-Patienten in einem Zürcher Spital. Der Rekordwert vom Frühling, als maximal 207 Covid-Patienten behandelt werden mussten, wurde somit bereits überschritten.

Momentan sind 26 Patienten in Intensivpflege und 21 davon müssen künstlich beatmet werden. Zurzeit gebe es noch «ausreichend Kapazitäten», so der Kanton. Elektive Eingriffe, also planbare Eingriffe, werden bis auf Weiteres durchgeführt.

Damit die Kapazitäten in den Spitälern noch möglichst lange ausreichen, haben diese einen «Code of Conduct» abgeschlossen, also ein Abkommen untereinander. Die Covid-Patienten werden proportional zur Spitalgrösse zugeteilt. Zwei Mal pro Tag werden die Zahlen analysiert und die Neueintritte verteilt.

So wollen die Spitäler verhindern, dass es wie bei der ersten Welle zu einer ungleichen Verteilung der Erkrankten kam. Im Frühling war etwa das Zürcher Stadtspital Triemli und Waid übermässig belastet.

Steigen die Patientenzahlen weiter an, können die Spitäler ihre Kapazitäten noch ausbauen. Das Problem sind dabei aber nicht primär die Betten oder Beatmungsgeräte, sondern die fehlenden Mitarbeitenden. Die Betreuung eines Covid-Patienten ist zwei- oder gar dreimal so aufwendig wie die Pflege eines «normalen» Patienten.

Ohne Symptome, aber im Dienst

«Viele Angestellte sind zudem bereits in Quarantäne», sagte André Zemp, Spitaldirektor Stadtspital Waid und Triemli. Im absoluten Notfall werden deshalb heute schon Angestellte wieder eingesetzt, die eigentlich positiv getestet waren, aber keine Symptome mehr haben. So wurde etwa eine Ärztin im Spital Limmattal wieder in den Dienst gelassen, obwohl sie eigentlich noch hätte zuhause bleiben sollen. Sie sei vorher aber nochmals getestet worden.

Zudem werden ehemalige Mitarbeitende und Pensionierte derzeit wieder reaktiviert. Das absolute «Worst Case Szenario» ist laut Gesundheitsdirektion fachfremdes Personal, etwa von der Armee.

Gesundheitsdirektion Natalie Rickli (SVP) sagte, dass die Spitäler die Lage bewältigen könnten, sofern die Bevölkerung den Ernst der Lage nun erkenne und sich an die Vorgaben halte.

Rolf Zehnder, der Direktor des Winterthurer Kantonsspitals, appellierte zudem an die Bevölkerung, auch mit anderen Erkrankungen als Covid in ein Spital zu gehen. «Wer ein Spital braucht, soll kommen», sagte er. Niemand solle dem Spital aus Rücksicht fernbleiben, weil die Spitäler «jetzt anderes zu tun hätten.»

Ansteckungsgefahr im Spital kleiner als im Bus

Bei der ersten Welle habe man Herzinfarkte und Schlaganfälle verpasst, weil die Patienten nicht mehr ins Spital gekommen seien. Was die Ansteckungsgefahr im Spital betrifft, beruhigte Zehnder. Das Schutzkonzept funktioniere. «Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist im Spital kleiner als im Bus oder beim Einkaufen.»

Seit Donnerstagnachmittag sind im Kanton Zürich zwölf weitere Personen an den Folgen der Corona-Infektion gestorben.

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