Missbrauchsvorwurf
Zweiter Mann erhebt schwere Vorwürfe an Starpädagogen: «Jegge hat uns ausgenutzt»

Nach den am Dienstagmorgen erhobenen Missbrauchsvorwürfen gegen den renommierten Pädagogen Jürg Jegge, wendet sich jetzt ein zweites mutmassliches Opfer an die Öffentlichkeit.

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Auch der zweite Mann soll vom Pädagogen Jürg Jegge missbraucht worden sein. (Symbolbild)

Auch der zweite Mann soll vom Pädagogen Jürg Jegge missbraucht worden sein. (Symbolbild)

Keystone

Am Dienstagmorgen erhoben Markus Zangger und der Zürcher Sektenexperte Hugo Stamm an einer Pressekonferenz schwere Vorwürfe des Missbrauchs gegen den Star-Pädagogen Jürg Jegge.

Nun meldet sich ein weiteres mutmassliches Opfer zu Wort. Im Gespräch mit "Blick" sagt ein Mann, dass auch er von Jürg Jegge sechs Jahre lang psychisch und sexuell missbraucht worden sei.

Keine andere Wahl

Als junger Mann hatte er es nicht leicht. Psychisch instabil, war er dazumal dankbar um eine Anstellung in der Stiftung Märtplatz. Eine Stiftung, die vom Star-Pädagogen Jürg Jegge 1985 gegründet wurde und gegen den nun schwere Vorwürfe des Missbrauchs erhoben werden.

Heute meint der Mann gegenüber "Blick": "Ich bin wegen der Übergriffe seelisch verarmt. Gleichzeitig bin ich aufgeblüht, weil ich gefördert wurde und viel lernte." Die Anstellung war wie ein Geschenk gewesen, die er unbedingt behalten wollte.

Aus diesem Grund habe er auch nicht schon früher gehandelt, vielmehr habe er die sexuellen Übergriffe erduldet. Jegge sei nämlich der erste Mensch gewesen, welcher den Mann trotz seiner psychischen Instabilität ernst genommen hätte, sagt dieser im Gespräch.

Berührungen als Therapie

Der Mann schildert, dass er vom Star-Pädagogen Jegge auf Ausflügen - meist mit Übernachtungen - berührt, geküsst und gestreichelt worden wäre. Und obwohl er sich gegen intime Berührungen gewehrt habe, meinte Jegge, dass es sich hierbei um Therapiemassnahmen handle, die ihm rasch helfen sollten.

Darüber sprechen konnte das mutmassliche Opfer nicht. "Er machte mich glauben, der Einzige zu sein, der das Privileg dieser Therapie hat." Erst als ein weiterer Lehrling ähnliche Erlebnisse schilderte, wurden ihm die Dimensionen bewusst.

Verarbeitung dank psychologischer Betreuung

Der Mann verarbeitete die mutmasslichen Übergriffe mit Hilfe einer jahrelangen psychologischen Therapie. Und obwohl er erleichtert ist, dass das Geheimnis nun gelüftet wurde, sagt er: "Für mich wäre es einfacher, wenn es nicht rausgekommen wäre."

Rücktritt als Ehrenpräsident

Jürg Jegge ist mittlerweile als Ehrenpräsident seiner Stiftung Märtplatz zurückgetreten. Die Stiftung zeigt sich bestürzt. Betont allerdings, dass sie von den mutmasslichen Übergriffen keinerlei Kenntnisse hatte.

Jürg Jegge schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. Laut "Blick" will er sich in den nächsten Tagen äussern.

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