Dietikon

Wieso sich viele in der Buchhandlung Scriptum begeistert einschliessen lassen

Corinne Frischknecht, Inhaberin der Wohnbuchhandlung Scriptum in Dietikon, in einem der vier Zimmer von Scriptum.

Scriptum, die einzige Buchhandlung des Limmattals, wartet nicht nur mit Lesestoff, sondern auch mit innovativen Events in Dietikon auf.

Es ist eine Welt für sich, in die man gelangt, wenn man die Buchhandlung Scriptum in Dietikon betritt. Wobei «Welt» das falsche Wort ist, ist es doch quasi eine Wohnung mit vier Räumen wie dem Wohn- oder dem Kinderzimmer oder einer Vorratskammer und der obligaten Hausbibliothek. Das Schlafzimmer fehlt – wohlweislich. Denn überall in den Zimmern finden Leseratten entsprechende Bücher und weitere Geschenkideen. Willkommen in der Wohnbuchhandlung, dem letzten Buchladen im Limmattal.

«Wir haben das Konzept der Wohnbuchhandlung von einem deutschen Geschäft übernommen und es erweitert», sagt Corinne Frischknecht. Sie ist die Inhaberin und übernahm die Buchhandlung vor rund sechs Jahren von Mengia Cincera, die diese fast 25 Jahre führte. Im Januar 2018 zog die Buchhandlung dann in die Räumlichkeiten auf der gegenüberliegenden Strassenseite, dem ehemaligen Vereinslokal vom Theater Dietikon. «Mit den vielen Zimmern konnten wir unsere Vision der Wohnbuchhandlung endlich umsetzen», sagt Frischknecht.

Das Wohlfühlambiente zwischen Vintage und Ikea

Eine Buchhandlung könne in heutigen Zeiten nicht mehr «einfach nur Bücher verkaufen», so die Inhaberin. Ihr Lokal wurde also zu einem Wohlfühlort mit einem Büchercafé, einer Leseecke und sogar einem Arbeitszimmer. Die Bücher werden durch weitere Artikel ergänzt, wie aktuell mit einer Auswahl von Dörrfrüchten oder mit verschiedenen Duftsachets sowie vielen anderen Geschenkideen.

Präsentiert wird das Sortiment in einem charmanten Wohlfühlambiente zwischen Vintage und Ikea. «Meine Mitarbeiterin Alessandra Barzotto hat die Räume eingerichtet. Sie hat eine Hand dafür, ich hingegen bin ein Kopfmensch», sagt Frischknecht.

Das Schmökern und Stöbern in den einzelnen Zimmern, die je nach Aktualität und Jahreszeit mit neuen Büchern aufwarten – derzeit ist im Wohnzimmer das Thema «Kornblume» aktuell –, soll für ein angenehmes Erlebnis sorgen und sich so von einem üblichen Einkauf abheben.

Und es funktioniert, obwohl es in Dietikon an Laufkundschaft fehle. «Wir haben ein treues Stammpublikum, vornehmlich Frauen, die uns gerne besuchen», sagt Frischknecht. Der Kundschaft müsse man stets etwas Neues bieten. Es sei jedoch nicht so, dass ihr Ladenlokal in Scharen aufgesucht wird. «Dass wir die einzige Buchhandlung in der Region sind, lässt sich an den Besucherzahlen nicht darlegen.»

Viele Bücher gehen dennoch über den Ladentisch. «Es ist manchmal interessant, für was sich die Leute alles interessieren», sagt Frischknecht. Die Belletristik sei nach wie vor ein Renner, untergebracht in der Hausbibliothek. Und während Frauen gerne in allen verfügbaren Zimmern und deren entsprechenden Themen in aller Ruhe nach neuem Lesestoff suchen, würden die Männer jeweils mit konkreten Fragen und Bestellungen die Kasse im Wohnzimmer aufsuchen.

Eingeschlossen in der Buchhandlung

Um neben dem Wohnungskonzept zusätzlich zu punkten, waren weitere innovative Ideen nötig, die Frischknecht immer öfters realisiert. «Wir veranstalten Autorenlesungen mit Apéros und machen auch mit zwei solchen Anlässen beim Literatur Festival ‹Zürich liest› mit», sagt sie.

Die Lesungen seien immer gut besucht, so auch die «Ladies Night», die das letzte Mal im September stattfand. «Die deutsche Autorin Carla Berling las fast eineinhalb Stunden aus ihrem Roman ‹Der Alte muss weg›, und das kam sehr gut an.» Weiter werden im Scriptum auch Ausstellungen organisiert, und im Dezember könne sich die Kundschaft auf eine opulente Weihnachtsdekoration freuen.

Ein weiterer Anlass erfreut sich immer grösserer Beliebtheit: Unter dem Motto «Einschliessen und geniessen» können sich zwei Personen oder mehr in der Buchhandlung abends einschliessen lassen und in Ruhe das Sortiment geniessen. «Wir offerieren dabei einen Apéro mit Prosecco, Chips und einer kalten Platte und lassen die Kundschaft von sieben bis zehn Uhr alleine im Laden», sagt sie. Mittlerweile seien es mindestens zwei Abende pro Woche, an denen sich vergnügte Leserinnen und Leser ungestört in der Wohnbuchhandlung aufhalten und so Bücher und weitere Produkte entdecken – und kaufen. «Die Leute sind begeistert vom privaten Abend in der Buchhandlung», sagt Frischknecht.

Um diese Anlässe umzusetzen sowie den regulären Verkauf zu gewährleisten, vertraut Frischknecht auf ihre zwei Mitarbeiterinnen Alessandra Barzotto und Bernadette Berweger sowie ihre Lernende Liana Filippi. «Sie ist sehr lesebegeistert, das ist eine Freude», sagt Frischknecht. Die Lehre als Buchhändler sei aber nicht mehr so beliebt bei den Jugendlichen. «In Zürich gibt es nur noch eine Klasse pro Jahrgang», sagt sie. Der Wandel der Zeit sei nicht aufzuhalten. «Aber ich hoffe, dass ich mit Scriptum noch lange meine Kundschaft begeistern kann.»

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